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Aufgrund der sinkenden Inzidenzen konnten die Gegner des ICE-Werks in Altenfurt/Fischbach erstmals einen Protestzug veranstalten.

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    Erster Protestzug gegen ICE-Werk in Nürnberg-Altenfurt/Fischbach

    Die Pläne der Deutschen Bahn für ein ICE-Werk am Standort Nürnberg Altenfurt/Fischbach erhitzen weiterhin die Gemüter. Aufgrund sinkender Inzidenz konnten die Anwohner erstmals einen Protestzug durch ihr Wohngebiet absolvieren.

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    Von
    • Tobias Burkert

    Rund 400 Demonstrierende zählte die Polizei am Samstagvormittag in der Löwenbergerstraße im Nürnberger Stadtteil Altenfurt. Der Aufruf zur Veranstaltung erfolgte im Vorfeld erstmals öffentlich. In Form eines Protestzuges machten die Anwohner ihrem Ärger Luft, die meisten hatten Transparente dabei. Darauf unter anderem zu lesen: "Finger weg von unserem Wald!", "Baut das ICE-Werk auf einer Freifläche, nicht hier!" oder "Erholung und Waldluft statt Lärm vor der Haustür."

    Die Debatte dreht sich um ein von der Deutschen Bahn im Raum Nürnberg geplantes ICE-Werk, ein 400 Millionen schweres Instandhaltungswerk. Die Standort-Auswahl ist noch immer nicht beendet, im Fokus der Bahn stehen sieben mögliche Orte, darunter auch das Waldgebiet zwischen den Nürnberger Stadtteilen Altenfurt und Fischbach. Für ein Werk an diesem Standort wären umfangreiche Abholzungen des Bannwaldes nötig.

    Nürnbergs Oberbürgermeister positioniert sich

    Demonstrations-Veranstalter Markus Fleischmann spricht von Etappenerfolgen, man sei auch sehr froh über die bisherigen deutlichen Worte von Ministerpräsident Markus Söder, der den Standort für ungeeignet hält, und vieler anderer Politiker. Das Ziel sei aber erst erreicht, wenn die Deutsche Bahn ihren Vorzugsstandort Altenfurt/Fischbach auch tatsächlich nicht ins Raumordnungsverfahren schicke. Besonders freue man sich an diesem Samstag, Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König zu einer offiziellen Stellungnahme begrüßen zu dürfen. Es sei schließlich der erste Besuch des CSU-Stadtoberhauptes auf einer Veranstaltung dieser Art gegen das ICE-Werk.

    König machte noch einmal deutlich, warum das Thema im Vorfeld nicht sofort abzulehnen gewesen sei. Es handele sich immerhin um ein riesiges Investment in die Metropolregion, das auch viele Arbeitsplätze und Infrastrukturmöglichkeiten mit sich brächte. Deshalb hätte er zunächst alle Daten und Fakten auf dem Tisch haben müssen. Die Pläne der Bahn seien ihm nun im Detail bekannt, so dass die Aussage ganz klar laute: "So wird das mit uns nicht funktionieren, der Standort hier ist nicht geeignet!" Der Mensch stehe bei allen Planungen im Vordergrund, das geplante ICE-Werk sei einfach zu nah an der Wohnbevölkerung. Man wolle alles dafür tun, dass dieses Werk nicht an diesen Standort komme.

    Baumpatenschaften für Nürnbergs "grüne Lunge"

    Marcus König betonte, dass Nürnberg mehr Bäume brauche, keine Abholzungen im großen Stile. Man wolle Bäume pflanzen und nicht absägen. Jeder Baum zähle. In diesem Zusammenhang freue sich die Stadt weiterhin über jeden Bürger, der sich im Rahmen von Baumpatenschaften für die grüne Lunge Nürnbergs einsetze. Er begrüße auch die Entscheidung der Bayerischen Staatsforsten, keinen Wald verkaufen zu wollen.

    Werner Miegel vom Bürgerverein äußerte seinen Unmut darüber, dass die Bahn bisher keine Reaktion auf die zahlreichen parteiübergreifenden, politischen Positionierungen zeige. Man werde geradezu ignoriert und in vermeintlichen Bürgerdialogen nicht wirklich gehört.

    Parteiübergreifende Ablehnung gegen das ICE-Werk

    Neben Oberbürgermeister König lehnten an diesem Samstag weitere Politiker das ICE-Werk in Altenfurt/Fischbach öffentlich ab. Karl Freller, CSU, Vizepräsident des Bayerischen Landtags sprach von einem absolut ungeeigneten Standort, der sich viel zu nah an der Bevölkerung befände. Er sei sich ziemlich sicher und wolle gar wetten, dass das Werk nicht an diesen Ort komme.

    Thorsten Brehm von der Nürnberger SPD-Stadtratsfraktion wollte sich für den Erhalt der Naturidylle in Altenfurt/Fischbach stark machen. Er wünsche sich einen Neuanfang von der Bahn, alternative Flächen im Freistaat müssten in das Raumordnungsverfahren mit einbezogen werden.

    Ebenso forderte Verena Osgyan von den Nürnberger Grünen, die Deutsche Bahn solle diesen Standort wieder aus dem Raumordnungsverfahren nehmen. Bannwald müsse Bannwald bleiben und dürfe nicht zerstört werden. Die Idee der Grünen eines kleineren, kompakteren ICE-Werks mit weniger Flächenbedarf ermögliche es, auch über andere, besser geeignete Standorte nachzudenken. Die Bahn in der Region sei wichtig, betonte Osgyan, aber eben nicht zu jedem Preis.

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