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Erste Erfolge: Ausbildung junger Flüchtlinge in Bayern | BR24

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Der erste Jahrgang von Auszubildenden mit Fluchthintergrund hat in diesem Jahr die Ausbildung beendet. Bayernweit waren das etwas mehr als 250 Auszubildende von denen immerhin 75 Prozent die Abschlussprüfung bestanden haben.

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Erste Erfolge: Ausbildung junger Flüchtlinge in Bayern

Der erste Jahrgang von Auszubildenden mit Fluchthintergrund hat in diesem Jahr die Ausbildung beendet. Bayernweit waren das etwas mehr als 250 Auszubildende von denen immerhin 75 Prozent die Abschlussprüfung bestanden haben.

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2015 kamen sie nach Deutschland, 2018 haben die ersten ihre Ausbildung abgeschlossen. Drei von Vier Azubis mit Fluchterfahrung haben jetzt einen Abschluss. Die Erfolgsquote liegt damit zwar niedriger als bei durchschnittlichen Jahrgängen – hier bestehen im Schnitt 93 Prozent ihre Abschlussprüfung. Doch gemessen an den schwierigen Umständen ist die bayerische Industrie- und Handelskammer (IHK) mit diesen Zahlen durchaus zufrieden.

IHK sieht ersten Jahrgang als Erfolg

Hubert Schöffmann, bildungspolitischer Sprecher der IHK Bayern sieht darin einen „großer Erfolg“, insbesondere, „weil es bei diesem, dem ersten Jahrgang noch keine speziellen Fördermaßnahmen gab.“ Die häufigsten Probleme seien mangelnde Sprachkenntnisse und unzureichende Vorbildung.

Doch viele Flüchtlings-Azubis haben offensichtlich schnell aufgeholt. Im Bereich der IHK Schwaben bestanden 60 von 74 Kandidaten die Prüfungen. „Davon wurden 90 Prozent von ihrem Betrieb übernommen“, sagt Josefine Steiger, die das Flüchtlings-Projekt der schwäbischen IHK betreut. „Die jungen Menschen sind sehr motiviert, viele haben eine Schulbildung und können Deutsch.“

Auch das oberbayerische Unternehmen Rational AG in Landsberg am Lech setzt auf junge Flüchtlinge als Auszubildende. Einer von ihnen ist der 28-jährige Sameer Abdullah Hashemi. Der Afghane ist seit Juli Fachkraft für Metalltechnik. Die größte Herausforderung für ihn waren die Fachbegriffe: „das war für mich sehr schwer, aber das habe ich geschafft.“

Hashemis Ausbildungsleiter Leo Wieser freut sich für ihn, weil der 28-Jährige ehrgeizig seine Ausbildung durchlaufen habe. Damit werde er "jetzt fester Bestandteil in unserem Produktionsteam." Die Zusammenarbeit mit den deutschen Auszubildenden in Wiesers Team funktioniere zudem sehr gut.

Engpass bei Auszubildenden mit Geflüchteten beheben?

Nach IHK-Angaben fehlen in Bayern aktuell rund 260.000 Fachkräfte. 2.800 Menschen mit Fluchthintergrund konnten für den Herbst neue Ausbildungsverträge abschließen. Schöffmann von der IHK spricht von einer großen Stütze für die Unternehmen: „Jeder Einzelne, jede Einzelne zählt.“ Fünf Prozent aller neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Bayern entfallen schon jetzt auf geflüchtete Menschen.

Laut Bayerischem Flüchtlingsrat könnten im Freistaat deutlich mehr Geflüchtete einen Ausbildungsplatz erhalten, wenn die Bezirksregierungen mitmachen würden. Der Sprecher des Flüchtlingsrats Alexander Thal hat den Eindruck die Ämter "suchen nach Gründen, um eine Ausbildungsduldung möglichst nicht erteilen zu müssen".

Das Innenministerium in München reagiert mit Unverständnis auf diesen Vorwurf. Man gewährleiste "eine bayernweite - so weit wie gesetzlich mögliche - einheitliche Rechtsanwendung durch die bayerischen Ausländerbehörden".