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Im ehemaligen Donauwörther Kinderheim kam es zu psychischer, physischer und sexueller Gewalt - das belegt der Abschlussbericht über die Vorfälle.
© BR/Judith Zacher
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Im ehemaligen Donauwörther Kinderheim kam es zu psychischer, physischer und sexueller Gewalt - das belegt der Abschlussbericht über die Vorfälle.

67 Seiten ist der Abschlussbericht zum Missbrauch im ehemaligen Donauwörther Kinderheim Heilig Kreuz stark. Belegt werden darin Vorfälle psychischer, physischer und sexueller Gewalt in der Einrichtung der katholischen Kirche. Aufgeführt werden "Erziehungsmaßnahmen" wie Essenszwang, Trinkverbot und Einsperren in einen Kellerraum.

Sexueller Missbrauch durch Priester in Donauwörther Kinderheim

Ein Kapitel des Berichts widmet sich den sexuellen Missbrauchshandlungen durch Erzieherinnen sowie den Priester Max Auer. Eine betroffene Frau und zwei betroffene Männer schildern, wie sie über Monate beziehungsweise Jahre hinweg massiv vom ehemaligen Leiter der katholischen Stiftung Cassianeum sexuell missbraucht worden sind. Sechs weitere Frauen berichten über sexuellen Missbrauch durch Mitarbeiter der Stiftung und ältere Heimkinder.

"Überbordende Gewalt" im katholischen Kinderheim Heilig Kreuz

In dem Bericht werden auch das Landesjugendamt und das örtliche Jugendamt kritisiert. Sie seien nicht hinreichend präsent gewesen. Auch das Versagen einer ehemaligen Lehrerin und eines Mitarbeiters des Jugendamts Lindau habe nicht unerheblich dazu beigetragen, dass der sexuelle Missbrauch durch den Priester Max Auer unentdeckt geblieben sei. Die Rede ist von "überbordender Gewalt", die in dem katholischen Kinderheim ungehindert geschehen konnte.

Ehemalige Heimkinder schilderten Erlebnisse in Donauwörther Kinderheim

14 ehemalige Heimkinder haben zu dem Bericht beigetragen. Sie hatten ihre Erlebnisse dem ehemaligen Vorsitzenden des Oberlandesgerichts München, Manfred Prexl, berichtet. Auch zwei Erzieherinnen waren befragt worden. Alle namentlich bekannten beschuldigten Personen sind jedoch bereits verstorben. 

Hohe Säuglingssterblichkeit im Kinderheim Heilig Kreuz

Hinzu kamen Recherchen der Professorin und Historikerin Gerda Riedl. Diese ergaben, dass in den Jahren 1945 bis 1953 überdurchschnittliche viele Säuglinge in dem Heim der katholischen Kirche gestorben sind. Zurückzuführen sei das auf die "ungeeignete Unterbringung und einen eklatanten Mangel an Nahrungsmitteln", heißt es.

Was mit den vielen Fotos, die Max Auer den ehemaligen Heimkindern zufolge bei Ausflügen von den Kindern gemacht hat, geschehen ist, kam bei der Pressekonferenz nicht zur Sprache. Diese Fotos sollten die scheinbare heile Welt zeigen – von den dunklen Seiten des Lebens der Kinder im Heim, den Übergriffen oder den schrecklichen Zuständen wurde dagegen nichts dokumentiert.

Augsburgs Generealvikar Heinrich bei Vorstellung von Missbrauchsbericht erschüttert

Der Augsburger Generalvikar Harald Heinrich zeigte sich bei der Vorstellung des Missbrauchsberichts erschüttert. "Ich habe Kenntnis von abscheulichen Straftaten bekommen, die Frauen, Männer und auch ein Priester verübt haben, deren Auftrag der Schutz von Kindern war", so der Kirchenvertreter. Er räumte ein:

"Leider wurde auch schlicht weggeschaut." Generalvikar Harald Heinrich

Zur Präsentation des Missbrauchsberichts waren auch acht Opfer gekommen. Man habe es hier wirklich ernst gemeint – so ihr Fazit. Zwar sei die Behandlung der Thematik retraumatisierend. Aber dass ihnen nun geglaubt werde und dass alles schwarz auf weiß veröffentlicht werde, sei für sie sehr wichtig.

BR veröffentlichte Missbrauchsfälle im katholischen Kinderheim

Auch eine der beiden Schwestern, die die Aufklärung der Missbrauchsfälle in Gang gebracht hatten, war unter den Anwesenden in Augsburg. "Dafür habe ich jahrzehntelang gekämpft", erklärte sie. Viele ihrer Fragen seien beantwortet worden. Die beiden Schwestern hatten sich mit ihrer Geschichte an BR-Korrespondentin Judith Zacher gewandt und die Fälle so öffentlich gemacht.

Gremium mit Missbrauchsopfern soll weitere Schritte einleiten

Peter Kosak, der Vorsitzender der katholischen Stiftung Cassianeum, dankte den Betroffenen für ihr Kommen. Er kündigte an, weiter den Austausch mit ihnen zu suchen. Mit der Veröffentlichung eines Dokumentes dürfe die Aufarbeitung nicht enden, so Kosak. Ein Gremium unter Beteiligung der Opfer soll weitere Schritte einleiten. Angedacht ist unter anderem, eine Gedenktafel am Kloster Heilig Kreuz in Donauwörth anzubringen.

Missbrauch im ehemaligen Donauwörther Kinderheim Heilig Kreuz: Chronologie der Aufklärung

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