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Erschossener Polizeischüler: Staatsregierung nimmt Stellung | BR24

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Die Bayerische Staatsregierung hat sich zu dem Fall des in Würzburg erschossenen Polizeischülers geäußert.

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    Erschossener Polizeischüler: Staatsregierung nimmt Stellung

    Wie konnte es dazu kommen, dass ein Würzburger Polizeischüler eine geladene Waffe im Zimmer hat und damit einen Kollegen erschießt? Diese und weitere Fragen wollte der Abgeordnete Paul Knoblach geklärt haben. Nun hat die Staatsregierung reagiert.

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    Von
    • Carolin Hasenauer

    Februar 2019: Ein 19-jähriger Polizeischüler erschießt mit seiner Dienstwaffe aus Versehen einen zwei Jahre älteren Mitschüler. Der Schütze erhält vom Amtsgericht Würzburg eine Bewährungsstrafe.

    Grünen-Abgeordneter kritisiert Strukturen in der Polizei

    Im Prozess gab es aber kaum Aussagen zur Verantwortlichkeit der Ausbilder und zu denkbaren Fehlern in der polizeilichen Organisationsstruktur, so die Kritik des Landtagsabgeordneten Paul Knoblach von den Grünen. Deshalb stellte er einen umfangreichen Fragenkatalog an die Bayerische Staatsregierung.

    Offene Fragen im Polizeischüler-Prozess

    Für ihn blieben im Prozess viele Fragen offen, zum Beispiel: Wie kam die Waffe geladen ins Zimmer des Polizeischülers? Warum gab es keine Kontrollmechanismen, die das verhinderten? Insgesamt 23 Fragen umfasst die schriftliche Anfrage an die Staatsregierung.

    Justizministerium: Polizeischüler haben Waffe im Zimmer

    Diese hat nun darauf geantwortet hat: Fester Bestandteil der Ausbildung zum Polizeibeamten sei es, einen sicheren und verantwortungsbewussten Umgang mit der Dienstwaffe zu erlernen. Die Auszubildenden erhielten im Laufe des ersten halben Jahres ihre Dienstpistolen, ohne Munition. Diese würden sie während der Ausbildungswoche tagsüber und auch anschließend in ihren persönlichen Schließfächern auf den Zimmern verwahren.

    Neue Kontrollinstanz in der Polizei-Ausbildung

    "An dieser Verfahrensweise wird auch nach dem tragischen Vorfall in Würzburg festgehalten", heißt es vom Bayerischen Justizministerium. Mittlerweile habe man allerdings eine Kontrollinstanz eingeführt: Ein Führungsbeamter solle anwesend sein, wenn die Dienstwaffe entladen werde. Das war im Februar 2019 nach den damals gültigen Vorschriften nicht vorgesehen.

    Polizeischüler üben explizit das Entladen der Dienstwaffe

    Was den Vorfall insgesamt betrifft, wurde die "Expertengruppe Waffen- und Schießausbildung“ eingesetzt. Diese habe "keine strukturellen Problemfelder in der Waffen- und Schießausbildung festgestellt." Dennoch habe man zusätzlich zu den allgemeinen Aus- und Fortbildungsmaßnahmen ein weiteres verpflichtendes "Handhabungstraining mit der Dienstwaffe" eingeführt, heißt es weiter.

    Das heißt: Mittlerweile gibt es ein praktisches Training, bei dem die Polizeischüler das Laden und Entladen der Waffe sowie die Sicherheitsüberprüfung nochmal intensiv lernen.

    Hintergrund: Polizeischüler aus Versehen erschossen

    In ihrer Unterkunft bei der Würzburger Bereitschaftspolizei hatten die beiden Polizeischüler im Februar 2019 zusammen für mögliche Einsätze geübt. Dabei löste sich ein Schuss und traf en 21-Jährigen am Hinterkopf. Er habe das nicht gewollt, soll der 19-jährige Schütze laut Aussage eines Polizisten gesagt haben.

    Im Juli 2020 wurde er vor dem Amtsgericht Würzburg wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Er erhielt eine Jugendstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung. Zusätzlich muss der Angeklagte 2.400 Euro in Raten von 100 Euro an die Eltern des Verstorbenen zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft hat kurz darauf Revision, mittlerweile Berufung eingelegt. Bereits die Ermittlungen vor Beginn des Prozesses hatten ergeben, dass es sich um einen tragischen Unfall gehandelt haben muss.

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