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"Ersatz-Gedenk-Wiesn": Aiwanger erntet für seinen Vorstoß Kritik | BR24

© picture alliance/Felix Hörhager/dpa

Hubert Aiwanger auf der Wiesn 2019

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    "Ersatz-Gedenk-Wiesn": Aiwanger erntet für seinen Vorstoß Kritik

    Das Oktoberfest ist wegen Corona abgesagt, auch eine Mini-Wiesn schließen Ministerpräsident Söder und Münchens Oberbürgermeister Reiter aus. Vize-Ministerpräsident Aiwanger sieht das anders: Er macht Alternativ-Vorschläge - und wird dafür kritisiert.

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    Die Entscheidung war erwartet worden, trotzdem ging die Nachricht am Dienstag um die Welt. "Oktoberfest: Deutschland sagt es wegen des Coronavirus ab", lautete beispielsweise eine Schlagzeile der italienischen Zeitung "La Repubblica" - ergänzt um ein Zitat von Ministerpräsident Markus Söder: "Entweder richtig oder gar nicht."

    Ausgerechnet Söders Stellvertreter, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), stellt nun dieses kategorische Aus für die Wiesn 2020 in Frage. "Ich bin unbedingt dafür, sich jetzt den Kopf darüber zu zerbrechen, wie wir eine kleine Ersatz-Gedenk-Wiesn angehen können", sagte der Minister der "Bild"-Zeitung. Ein Ministeriumssprecher bestätigte die Aussage auf Anfrage.

    Aiwanger: "Tiefe Kratzer auf der bayerischen Volksseele"

    Die Oktoberfest-Absage hinterlasse "tiefe Kratzer auf der bayerischen Volksseele", beklagte Aiwanger weiter. Während Ministerpräsident Söder und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) damit argumentiert hatten, dass die Infektionsgefahr auf Volksfesten schlicht zu groß sei, sieht Aiwanger durchaus Perspektiven.

    Als Voraussetzung nannte er eine weitere Verbesserung des Infektionsgeschehens: Sollte sich in den nächsten Wochen die Situation entspannen und die normale Gastronomie Schritt für Schritt wieder öffnen können, wäre es laut Aiwanger "fatal, zu sagen: 'Die Wiesn ist ersatzlos gestorben.'"

    Vorschläge für Wiesn in "aufgelockerter Form"

    Der Freie-Wähler-Chef erklärt auch, wie ein solches kleines Oktoberfest aussehen könnte: Es ließe sich "in deutlich aufgelockerter Form, mit deutlich auseinander gestellten Tischen ein kleines Festchen" machen. "Eine Oide Wiesn - in die Breite gezerrt."

    Aiwanger hatte in den vergangenen Wochen und Monaten wiederholt mit Aussagen für Aufsehen gesorgt, die von der offiziellen Linie der Staatsregierung abwichen.

    Kritik von FDP und Grünen - Finanzminister verstimmt

    Der bayerische FDP-Fraktionsvorsitzende Martin Hagen kritisierte die Aussagen des Ministers. "Im März hat Aiwanger Starkbierfeste als 'natürlichen Feind des Coronavirus' empfohlen - inzwischen wissen wir, dass sie maßgeblich zur Verbreitung des Virus in Bayern beigetragen haben", twittert Hagen. Nun forderte Aiwanger, das Oktoberfest solle in abgespeckter Form stattfinden. "Nix gelernt", warf Hagen dem Minister vor.

    Kritik kam auch von der Freisinger Grünen-Kommunalpolitikerin Susanne Günther: "Solche Äußerungen sind derart kontraproduktiv, denn die Gefahr wird zunehmend marginalisiert. Und es macht sich schon am Verhalten vieler bemerkbar."

    Verstimmt zeigte sich auch Aiwangers Kabinettskollege, Finanzminister Albert Füracker (CSU). "Die ganze Welt schaut in Sachen Oktoberfest auf uns, und bei uns beginnt man eine Diskussion darüber, wie wir aus der Wiesn eine Verlegenheitslösung kreieren", sagte Füracker dem "Münchner Merkur". Er könne nur "an alle, die in politischer Verantwortung stehen, appellieren, jetzt durch Sacharbeit ihre jeweiligen Themen bestmöglich zu lösen und so zur Krisenbewältigung beizutragen".

    Klares Nein von Söder und Reiter

    Söder und Reiter hatten Spekulationen über eine abgespeckte Wiesn schon am Dienstag eine klare Absage erteilt. Söder betonte, er sei sich mit dem Münchner OB darin einig, dass "irgendwelche Kleinfeste, Halb-Alternativen" oder die Beschränkung auf bestimmte Menschen nichts bringe. "Die Wiesn ist richtig oder gar nicht ", sagte der Ministerpräsident. Auch mehrere Wiesnwirte sprachen sich entschieden gegen eine "Wiesn light" aus.

    Wird die Wiesn 2021 verlängert?

    Diskutiert wird derweil über die Frage, ob das Oktoberfest 2021 zum Ausgleich für die diesjährige Absage verlängert werden könnte. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Münchner Stadtrat, Katrin Habenschaden, beispielsweise hatte sich bereits am gestrigen Dienstag für eine Debatte darüber ausgesprochen. "Das Oktoberfest im kommenden Jahr zu verlängern, um die Absage heuer ein wenig zu kompensieren, halte ich für eine gute Idee", twitterte sie. Auch der CSU-Politiker Karl Freller und der SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post plädierten für eine Verlängerung.

    Oberbürgermeister Reiter sagte dem Münchner "Merkur", diese Diskussion habe es auch in der Vergangenheit immer wieder mal gegeben. "Und ich weiß, dass beispielsweise die Bedienungen, die Sanitäter, Polizei und Sicherheitskräfte am Ende der 16 Tage Wiesnzeit schon ziemlich geschlaucht sind." Eine Verlängerung wäre seiner Meinung nach also für die Beschäftigten, aber auch für Anwohner nur schwer zu verkraften. Er wolle sich der Idee aber gar nicht verschließen, betonte Reiter. "Wir werden sehen, was es im nächsten Jahr für Möglichkeiten geben kann."

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