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Minister fordert Ende der Missstände bei Allgäuer Rinderhaltern | BR24

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Weiter Tierschutzverstöße bei Bad Grönenbacher Rinderhaltern

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Minister fordert Ende der Missstände bei Allgäuer Rinderhaltern

Kranke Tiere, die nicht ärztlich behandelt wurden. Zu wenig Platz, zu wenig Futter und zu wenig Wasser für die Kälber. Auch nach Bekanntwerden des Tierskandals in Bad Grönenbach haben sich die Zustände in zwei betroffenen Betrieben kaum verbessert.

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Der Skandal um Tierquälerei in einem Milchviehbetrieb in Bad Grönenbach hat sich fortgesetzt. Das geht aus einer Antwort des Bayerischen Umwelt- und Verbraucherschutzministeriums an die Landtags-SPD hervor. Deren Abgeordneter Florian von Brunn hatte eine entsprechende Anfrage gestellt.

Erneut kranke Kälber

In dem Allgäuer Betrieb, in dem bereits zwischen April und Mai 2019 über 50 Kälber verendet waren, stießen staatliche Kontrolleure auch noch im August auf kranke, mehrheitlich beengt gehaltene Kälber ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser. Statt eines "trockenen, weichen Liegebereichs" mussten die Kälber etwa in einer "von Kot durchtränkten" Kälberbox leben. Und bekamen unzureichend Futter. Dabei hatten Kontrolleure bereits im Juni eben diese Zustände bemängelt:

Wörtlich heißt es in dem Schreiben, das BR24 vorliegt, zu einer Kontrolle vom 4. Juni 2019: "Einem Teil der über sieben Tage alten Kälber steht kein Raufutter zur Verfügung. Heu wird offenbar überhaupt nicht gefüttert. (…) Bei der Kontrolle wurden mindestens 77 Kälber älter als 14 Tage vorgefunden, die keinerlei Zugang zu Wasser hatten."

Tote Kälber mit Fliegenmadenbefall

Außerdem wird beanstandet, dass bei einer der zum Teil täglichen Kontrollen "mehrere tote Kälber in den Iglus" lagen, bei allen wurde "Fliegenmadenbefall festgestellt". Für Kälber, die dringend hätten behandelt werden müssen, wurde mehrfach kein Tierarzt geholt, so die Kontrolleure.

Diese Zustände haben sich in den folgenden Wochen fortgesetzt, auch nach dem öffentlichen Bekanntwerden des Tierskandals. Allein für den Monat August zählt der Bericht des Ministeriums über 60 Tierschutz-Verstöße in einem von drei Bad Grönenbacher Rinder-Betrieben auf.

SPD-Verbraucherschutzexperte Florian von Brunn zeigt sich nach dem Bericht des Ministeriums "schockiert". Schließlich habe der Rinderhalter "einfach weitergemacht", obwohl zuvor die Presse über die von der Soko Tierschutz aufgedeckten Quälereien beim Bad Grönenbacher Nachbarbetrieb bereits breit berichtet hatte. Offenbar, sagte von Brunn dem BR, hätten den Tierhalter auch Geldstrafen des Amtsgerichtes Memmingen aus den Jahren 2014, 2016 und 2018 nicht "beeindruckt".

Von Brunn: "Das halte ich schon für ein Staatsversagen"

Seine Forderung: Der Tierschutz müsse endlich durchgesetzt werden, so von Brunn: "Was aus meiner Sicht besonders schlimm ist, dass so ein Betrieb immer wieder auffällig wird, und dass sowas von den Behörden nicht abgestellt werden kann. In dem Fall waren die Amtstierärzte vor Ort, auch die Staatsanwaltschaft war eingeschaltet, immer wieder. Zum Teil wurden die Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt, zum Teil gab es Geldbußen. Aber offensichtlich – und das halte ich schon für ein Staatsversagen – gelingt es unseren Behörden nicht, Tierschutz durchzusetzen, gegen so einen Tierquäler, gegen so einen Intensivtäter in diesem Bereich und das kann so nicht sein."

Das Landratsamt Unterallgäu als zuständige Behörde schreibt dazu in einer Stellungnahme, man habe "in allen Fällen die Missstände beanstandet und Maßnahmen ergriffen, um die Mängel schnellstmöglich abzustellen. Zum Teil hat der Landwirt diese umgesetzt, zum Teil hat er gegen Anordnungen vor dem Verwaltungsgericht Widerspruch eingelegt. Vertreter des Landratsamts sind immer wieder vor Ort, um die Zustände im Betrieb zu kontrollieren."

Glauber: "Tierquälerei nicht hinnehmbar"

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) will aus den Vorfällen Konsequenzen ziehen: "Tierquälerei ist nicht hinnehmbar. Der Sachverhalt muss jetzt umfassend aufgeklärt und bewertet werden. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen bereits eingeleitet. Wer Tiere hält, ist für sie verantwortlich. Ich erwarte von den Betrieben, dass sie dieser Verantwortung auch gerecht werden."

Glauber sagte dem Bayerischen Rundfunk heute, Betriebe dieser Größenordnung bräuchten angepasste Kontrollstrukturen. Dazu will der Minister die neue Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV) stärken, dort sollen 25 neue Stellen geschaffen werden. Glauber habe bereits "entsprechende Reformpläne vorgelegt".

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Tote Kälber in den Boxen oder Befall durch Fliegen-Maden. Auch Wochen nach Bekanntwerden des Allgäuer Tierskandals hat es bei den betroffenen Rinderbetrieben offenbar zahlreiche Missstände gegeben.