| BR24

 
 

Bild

Windkraftanlage im Bürgerwindpark Münnerstadt
© BR

Autoren

© BR

Windkraftanlage im Bürgerwindpark Münnerstadt

Die Hitzewelle hat Auswirkungen auch auf die Stromproduktion. Richtig freuen können sich in diesem Jahr Solaranlagenbesitzer wie Marco Höhn aus Rödental bei Coburg. In den letzten vier Monaten produzierten seine Panels auf dem Dach rund zwölf Prozent mehr Strom als im Vergleich zum Vorjahr.

Solaranlagen im Plus

Die Panels auf dem Dach feiern in diesem Jahr neue Rekordergebnisse bei der Stromproduktion. Vor allem in der Zeit von April bis Juli lieferten sie beste Erträge. Laut dem Frauenhofer Institut in Freiburg produzierten im Juli Photovoltaik-Anlagen in Deutschland rund 6,7 Terawattstunden Solarstrom und stellten damit einen neuen Allzeitrekord auf. Mit einem Anteil von 15,1 Prozent an der Stromerzeugung lag im Juli die Photovoltaik vor der Kernkraft (13,8 Prozent), so das Frauenhofer-Insitut.

Der ertragreichste Tag war auch bei Marco Höhn der 1. Juli, denn es waren Traumvoraussetzungen für seine Anlage: Die Temperatur lag bei knapp unter 25 Grad und es war kein Wölkchen am Himmel. Die hohen Temperaturen, die dann folgten, machen auch den Solaranlagen zu schaffen. Der Wirkungsgrad eines Solarmoduls nimmt ab einer Zelltemperatur des Moduls von 25 Grad Celsius ab. Für die meist verwendeten Module auf Siliziumbasis sinkt dann der Wirkungsgrad pro Grad Temperaturanstieg um bis zu 0,45 Prozent. Das Ganze ist ein physikalischer Effekt: Je wärmer die Module sind, desto höher ist der elektrische Widerstand, die Leitfähigkeit ist schlechter und dadurch sinkt auch die Leistung. Doch Leistung und Ertrag sind zweierlei Sachen. Zwar wird die Leistung des Moduls schlechter, erklärt Iris Meyer von der IBC Solar AG, aber das heißt nicht, dass es weniger Ertrag gibt.

"Der Ertrag hängt von vielen anderen Faktoren ab, vor allem von der Sonnenscheindauer und das ist in einem Monat wie August mit einer Sonnenscheindauer von bis zu 15 Stunden täglich eine enorm lange Zeit und das gleicht das in der Regel wieder aus." Iris Meyer, IBC Solar AG

Windkraft mag andere Jahreszeiten

Auch die Windkraftanlagen-Betreiber sind zufrieden. In Bayern gab es einen windstarken Frühling. Der schwächste Monat in diesem Jahr war auch für die Bürgerwindpark-Betreiber bei Münerstadt der Juli, denn Hochdrucklage bedeutet auch wenig Wind. Ein laues Lüftchen streifte das unterfränkische Gebiet. Trotz allem lieferten aber auch hier die fünf Windräder täglich 2.000 Kilowatt Strom.

"Solange zu den schönen Hochsommern mit den langen Hitzeperioden auch immer wieder die Tiefdruckgebiete im Winter kommen mit hohen Windgeschwindigkeiten, besteht kein Anlass zur Sorge. Die Monate mit Hochdruck können wir dann leicht überbrücken." Norbert Schmäling, Bürgerwindpark Münnerstadt

Kraftwerke brauchen Wasser

Für die Atomkraft- und auch Kohlekraftwerke war der Sommer ein Problem, denn sie brauchen das Wasser aus Seen und Flüsse zur Kühlung. Zum einen führten aber in diesem Jahr viele Flüsse weniger Wasser und zum anderen war es zu warm, denn je nach Größe des Gewässers darf nur Wasser entnommen werden, das zwischen 18 und 25 Grad warm ist. Oft waren die Wassertemperaturen der Flüsse und Seen höher. Außerdem darf sich die Temperatur in einem Fluss durch das Einleiten des Kühlwassers nur maximal drei Grad erhöhen. Auch das war ein Problem in diesen Sommermonaten. Die Regel gilt als Schutz für die Fischfauna. Die Folge: Die Kraftwerke mussten gedrosselt werden.

Die Bilanz

Insgesamt lag der Anteil erneuerbarer Energien an der deutschen Stromerzeugung im Juli bei 37,3 Prozent und damit unter dem Spitzenwert vom Mai (49 Prozent Anteil), als eine stärkere Windleistung verzeichnet wurde. Ohne erneuerbare hätte es in diesem Jahr regelrecht eng werden können für die Stromproduktion, das bestätigt auch das Frauenhofer Institut in Freiburg.