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Ermittlungen zum Oktoberfestattentat eingestellt | BR24

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Seit 2014 hatten Ermittler aufs Neue versucht, Licht ins Dunkel um den Bombenanschlag auf dem Oktoberfest 1980 zu bringen. Doch die Suche nach möglichen Hintermännern des rechtsextremen Attentäters blieb erfolglos - die Ermittlungen sind eingestellt.

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Ermittlungen zum Oktoberfestattentat eingestellt

Seit 2014 hatten Ermittler aufs Neue versucht, Licht ins Dunkel um den Bombenanschlag auf dem Oktoberfest 1980 zu bringen. Doch die Suche nach möglichen Hintermännern des rechtsextremen Attentäters blieb erfolglos - die Ermittlungen sind eingestellt.

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Die vor mehr als fünf Jahren neu aufgenommenen Ermittlungen zum Oktoberfestattentat von 1980 in München sind eingestellt worden. Das bestätigte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. Nach den Ergebnissen der neuen Ermittlungen handelte der Attentäter Gundolf Köhler damals aus einer rechtsextremistischen Motivation heraus. Hinweise auf mögliche Hintermänner oder Komplizen wurden aber nicht gefunden.

Bei dem Anschlag am 26. September 1980 waren 13 Menschen gestorben, darunter der Bombenleger Köhler. Mehr als 200 Menschen wurden verletzt. Der Geologie-Student war ein früherer Anhänger der dann verbotenen rechtsextremistischen "Wehrsportgruppe Hoffmann".

Suche nach Hintermännern des Oktoberfestattentats

Die Akten wurden nach der Tat rasch geschlossen, das Verfahren eingestellt. Die Behörden sprachen von einem Einzeltäter, der die Tat aus rein privaten Motiven beging. Doch immer wieder gab es Zweifel, dass Köhler die Tat allein begangen hatte. Im Jahr 2014 nahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen zu dem Attentat wieder auf, nachdem insbesondere Recherchen des BR-Reporters Ulrich Chaussy neue Hinweise und neue Zeugen zutage gefördert hatten.

Mehr als tausend Zeugen wurden befragt, mehr als 800 neue Spuren verfolgt. Wohl an die 400.000 Seiten Akten wurden durchforstet, auf der Suche nach den Hintergründen und möglichen Hintermännern des Bombenanschlags auf das Oktoberfest.

Köhler gilt als rechtsextremistischer Einzeltäter

Klar ist nach den neuen Ermittlungen der Bundesanwaltschaft: Der Attentäter handelte aus einer rechtsextremistischen Motivation heraus. "Gundolf Köhler wollte die Bundestagswahl 1980 beeinflussen. Er strebte einen Führerstaat nach Vorbild des Nationalsozialismus an", zitierte die "Süddeutsche Zeitung" einen hohen Ermittler. Deswegen habe Köhler die Bombe auf dem Oktoberfest gelegt. Die einstige Annahme, es handele sich um die Tat eines unter Prüfungsstress stehenden Studenten mit Liebeskummer, ist damit vom Tisch.

Hinweise auf weitere Beteiligte erhärteten sich laut Bundesanwaltschaft aber nicht. "Wir haben keine zureichenden, tatsächlichen Anhaltspunkte für die Beteiligung weiterer Personen als Mittäter, Anstifter oder Gehilfen an der Tat des Gundolf Köhler", sagte der Sprecher der Karlsruher Behörde. Dennoch lasse sich nicht ausschließen, dass weitere Personen beteiligt waren.

Rolle des Verfassungsschutzes nebulös

Zuerst hatten neben der "Süddeutschen Zeitung" auch "Spiegel" und "Tagesspiegel" über die Einstellung der Ermittlungen berichtet.

Überlebende und Hinterbliebene der Attentats kämpfen bis heute mit körperlichen und psychischen Folgen. Vieles ist weiter unklar – insbesondere die Rolle des Verfassungsschutzes, der offenbar mehrere V-Männer im Täterumfeld hatte und gezielt Einfluss auf die Ermittlungen des Bayerischen Landeskriminalamtes nahm.

Münchner OB Reiter enttäuscht

Auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hat sich zu Wort gemeldet. Reiter sagte, es sei sehr enttäuschend und bedauerlich, dass die Hintergründe des Oktoberfestattentats knapp 40 Jahre nach der grausamen Mordtat trotz intensiver Ermittlungen nicht mehr vollständig aufgeklärt werden konnten. Die Gründe hierfür lägen sicher insbesondere in den massiven Verfehlungen und Versäumnissen der ursprünglichen Ermittlungen unmittelbar nach der Tat.

"Meine Gedanken sind heute in erster Linie bei den Opfern, ihren Angehörigen sowie den vielen Verletzten und Betroffenen des Bombenanschlags vom 26. September 1980. Gerade für sie wäre es wichtig gewesen, endlich Klarheit über die genauen Tathintergründe und mögliche Mittäter zu erhalten. Dies ist leider nicht gelungen. Dennoch ist es – gerade in einer Zeit, in der sich die fortwährende Gefahr rechten Terrors auf erschreckende Weise zeigt – wichtig, dass die Tat nun endlich auch offiziell als das benannt wird, was sie war: ein rechtsextremer Terrorakt. Dafür gilt der Dank heute der Bundesanwaltschaft, die die Ermittlungen im Jahr 2014 wieder aufgenommen und seither akribisch geführt hat." Dieter Reiter

Reiter fordert Entschädigung

Die Einschätzung der Bundesanwaltschaft sollte Reiter zufolge auch die Grundlage dafür sein, dass die Angehörigen und Betroffenen eine längst überfällige Entschädigung aus den Fonds des Bundesamts für Justiz für Opfer terroristischer bzw. rechtsextremistischer Straftaten erhalten. Auch wenn dadurch der Schmerz und der Verlust geliebter Menschen nicht gelindert werden könne, wäre dies ein wichtiges Zeichen der Solidarität und Anerkennung, so Reiter. "Dieses Anliegen werde ich daher abermals gegenüber der Bundesjustizministerin zum Ausdruck bringen."

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