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Ermittlungen zum Oktoberfest-Attentat angeblich vor dem Aus | BR24

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Ermittlungen zum Oktoberfest-Attentat angeblich vor dem Aus

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Ermittlungen zum Oktoberfest-Attentat angeblich vor dem Aus

13 Tote, mehr als 200 Verletzte: Das Oktoberfestattentat vor fast 40 Jahren war der größte rechtsextreme Anschlag in der Bundesrepublik. 2014 wurden die Ermittlungen erneut aufgenommen. Nun stehen sie laut Medienberichten vor der Einstellung.

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Die Soko "26. September", die nach der Wiederaufnahme 2014 eingesetzt worden war, sei bereits aufgelöst worden, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur liegt der Ermittlungsbericht bereits bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Diese gab dazu zunächst keine Auskunft.

"Kein greifbarer Erfolg"

Die neuen Ermittlungen sollten Hintergründe des Anschlags in der Geschichte der Bundesrepublik klären. Dem Vernehmen nach blieben sie aber ohne greifbaren Erfolg. Es gebe keine letztliche Klärung, zitiert die "Süddeutsche Zeitung" einen Fahnder.

Größter rechtsradikaler Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik

Bei dem Anschlag am 26. September 1980 starben insgesamt 13 Menschen. Am Haupteingang zur Wiesn hatten 1,39 Kilogramm TNT 12 Festgäste in den Tod gerissen und mehr als 200 verletzt. Schrauben und Nägel erhöhten die Zerstörungskraft. Auch der rechtsradikale Attentäter Gundolf Köhler starb.

Der Geologie-Student Köhler war ein früherer Anhänger der dann verbotenen rechtsextremistischen "Wehrsportgruppe Hoffmann". Viele glaubten nie daran, dass er alleine handelte: Der Anwalt Werner Dietrich, der Journalist Ulrich Chaussy, Angehörige, Opfervertreter, aber auch Politiker verschiedener Parteien haben sich über Jahrzehnte für die Wiederaufnahme eingesetzt. Sie hatten stets bezweifelt, dass Köhler ein Einzeltäter war und die Tat aus rein privaten Motiven beging.

Verfahren schnell eingestellt

Die Akten wurden damals trotzdem rasch geschlossen, das Verfahren eingestellt. Die Behörden waren sich sicher, dass Köhler alleine agierte. Auch wenn das viele bis heute bezweifeln. Zeugen hatten berichtet, Köhler sei am Abend des Attentats nicht allein gewesen.

Vor allem der Anwalt Dietrich und der Journalist Chaussy hatten sich über Jahrzehnte für die Wiederaufnahme eingesetzt. Neben der Frage nach Tätern und deren Motiv wollten sie wie auch Angehörige und Politiker wissen: Haben die Ermittler damals - wie bei den NSU-Morden - neonazistische Hintergründe nicht ausreichend geprüft oder sogar verschleiert?

Pannen bei den Ermittlungen

Bei den früheren Ermittlungen gab es zahlreiche Pannen, Zeugen wurden nicht ausreichend gehört, Asservate vernichtet. Das nahe des Explosionsortes entdeckte Fragment einer Hand wurde in der Rechtsmedizin untersucht - und verschwand dann spurlos. Zigarettenstummel aus Köhlers Auto wurden vernichtet. Heute hätten DNA-Spuren wichtige Hinweise liefern können.

Als der Generalbundesanwalt im Dezember 2014, etwa eineinhalb Jahre nach dem Beginn des Prozesses um die rechtsextremen Morde des NSU - die Wiederaufnahme verkündete, war das auch ein Bekenntnis: Dass vor mehr als drei Jahrzehnten nicht alles gut gelaufen war.

Wieder keine Antwort auf viele Fragen

Bei den neuen Ermittlungen, die sich gegen Unbekannt richteten, haben die Beamten der "Süddeutschen Zeitung" zufolge mehr als 1000 Zeugen befragt. Sie gingen 766 neuen Spuren nach und durchsuchten Wohnungen in Deutschland und in der Schweiz. Sie sichteten Akten deutscher Geheimdienste und der Stasi, 420 000 Seiten. Und doch nun sieht es so aus, als werde es weiter keine Antworten auf viele Fragen geben.

Journalist Chaussy gibt nicht auf

"Ich habe damit gerechnet, dass das Verfahren demnächst in angemessenem Abstand zum NSU-Urteil eingestellt wird", sagte Chaussy am Freitagabend. "Die Parallelität der Vorgänge war, dass die Ermittlungsbehörden beim Oktoberfestattentat wie beim NSU keinen Weg gefunden haben, sich mit rechtsextremen Taten angemessen auseinanderzusetzen."

Er kritisierte auch die Arbeit der Soko "26. September". Diese habe die Ermittlungspannen von früher nicht aufklären wollen - dabei hätten sie ein Schlüssel sein können. Dennoch gibt Chaussy nicht auf. "Es sind nur Ermittlungen eingestellt, die können beim Vorliegen neuer Tatsachen wieder aufgenommen werden.»"