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Ermittlungen nach Corona-Todesfall in Aichacher AWO Seniorenheim | BR24

© BR/Sylvia Bentele

Die Staatsanwaltschaft Augsburg und die Kripo ermitteln, weil die Angehörige einer verstorbenen Seniorenheim-Bewohnerin Strafanzeige gestellt hat

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    Ermittlungen nach Corona-Todesfall in Aichacher AWO Seniorenheim

    Die Staatsanwaltschaft Augsburg hat Ermittlungen eingeleitet, nachdem eine Angehörige einer verstorbenen Seniorenheim-Bewohnerin Strafanzeige gestellt hatte. Das Gesundheitsamt des Landkreises Aichach-Friedberg hatte zuvor das AWO-Heim kritisiert.

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    Nach dem Tod eines 81-jährigen Bewohners des AWO Seniorenheims in Aichach hat eine Angehörige Strafanzeige gestellt, das hat der Sprecher der Staatsanwaltschaft Augsburg, Matthias Nickolai, dem BR bestätigt. Jetzt ermittelt, Nickolai zufolge, die Staatsanwaltschaft Augsburg zusammen mit der Kripo Augsburg, ob strafrechtlich relevante Pflichtverletzungen vorliegen, die ursächlich für den Tod waren.

    Streit zwischen Gesundheitsamt und AWO

    Im Aichacher Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt sind bislang 17 Menschen gestorben. Die Todesfälle haben in den vergangenen Wochen zu einem Streit zwischen dem Gesundheitsamt des Landkreises Aichach-Friedberg und dem Seniorenheim geführt. Der Leiter des Gesundheitsamtes, Friedrich Pürner, hatte der AWO unter anderem vorgeworfen, gravierende Fehler im Bereich der Infektionshygiene gemacht zu haben.

    Extreme Arbeitsbedingungen wegen Corona-Pandemie

    Dazu erklärten der Prasidiumsvorsitzende der AWO Schwaben Heinz Münzenrieder und der Vorstandsvorsitzende Dieter Egger in einer Stellungnahme, es habe lediglich einzelne kleine Fehler gegeben, die der noch nie so aufgetretenen Belastungssituation geschuldet gewesen seien. Die Situation beim Personal sei extrem schwierig gewesen, teilweise hätten sich über 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Quarantäne befunden oder seien virusbedingt arbeitsunfähig gewesen. Aus umliegenden Einrichtungen seien deshalb Aushilfen eingesetzt worden.

    Späte Corona-Tests trotz Verdachtsfällen im AWO Seniorenheim?

    Das Gesundheitsamt wirft der Heimleitung außerdem unter anderem vor, am Anfang wertvolle Zeit verschwendet und die ersten Verdachtsfälle nicht an das Gesundheitsamt gemeldet zu haben. Dagegen kritisiert die AWO Schwaben, man habe ab Anfang April mehrfach das Gesundheitsamt gebeten, verdachtsunabhängige Reihentestungen von Bewohnern und Personal durchzuführen. Diese habe es erst Ende April gegeben, obwohl nach Informationen der AWO das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit bereit gewesen wäre, diese Tests durch eine Task Force weit früher zu realisieren.

    Ungewöhnlich viele Corona-Fälle nur in einem AWO Seniorenheim

    Die AWO Schwaben weist darauf hin, dass sie im Regierungsbezirk 25 Seniorenheime betreibt. Abgesehen von einem Todesfall in Kempten habe es in keiner weiteren Einrichtung eine mit Aichach vergleichbare Situation gegeben.