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Wieder Freunde treffen, Restaurantbesuche, normales Arbeiten im Büro: Sollten Geimpfte früher Erleichterungen bekommen als der ungeimpfte Rest der Bevölkerung?

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Erleichterungen für Geimpfte? Bevölkerung in Bayern gespalten

Wieder Freunde treffen, Restaurantbesuche, normales Arbeiten im Büro: Sollten Geimpfte früher Erleichterungen bekommen als der Rest der Bevölkerung? Diese Frage hat die Münchner Runde Geimpften direkt vor dem Impfzentrum in München-Riem gestellt.

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Von
  • Josef Häckler

Die Antworten der Frisch-Geimpften vor einem Münchner Impf-Zentrum fielen sehr unterschiedlich aus: "Es gibt für mich keinen Grund mehr, mir meine Grundrechte nehmen zu lassen", war sich ein Geimpfter sicher. Solange er sich selbst und andere nicht gefährde, sehe er keinen Grund mehr, auf Freiheiten zu verzichten.

Mit dieser Meinung war er nicht alleine, wenn auch andere Geimpfte eine zeitliche Komponente einräumten: "Ich denke, dass es auf Dauer nicht anders möglich sein wird, weil diese Grundrechtseinschränkungen, die ja tatsächlich massiv sind, nicht mehr zu rechtfertigen sind", sagte eine frisch geimpfte Juristin.

Warten, bis es ein Impfangebot für alle gibt

Ein großer Teil der Befragten war sich aber einig: Zumindest sollte man so lange warten, bis es ein Impfangebot für alle gibt. Spätestens dann sollten die Geimpften wieder Freiheiten zurückbekommen. Ein Befragter schlug vor, Geimpfte und tagesaktuell Getestete gleich zu behandeln. Wer sich aber gar nicht an der Eindämmung des Infektionsgeschehens beteiligen wolle, solle dann auch weniger Freiheiten haben.

"Man muss auch mal fürs Gemeinwohl zurückstecken"

Knapp die Hälfte der Befragten kann sich mit den Corona-bedingten Einschränkungen jedoch noch gut arrangieren, so lange sie nötig sind: "Ich fühle mich nicht eingesperrt, ich fühle mich nicht beschnitten in meinen Rechten. Ich glaube, es gibt einfach Situationen im Leben, mit denen muss man anders umgehen und muss auch lernen, mal zurückzustecken - fürs Gemeinwohl und alle anderen", so eine Befragte, die auch noch mit einer Krebserkrankung zu kämpfen hat.

Warnung vor Ungleichbehandlung

Andreas Lob-Hüdepohl, Mitglied im Deutschen Ethikrat, warnt in einem BR24Live-Interview vor einer Ungleichbehandlung. Dass er altersbedingt schon gegen Corona geimpft sei, andere Menschen aber noch nicht, sei eine legitime Ungleichbehandlung im Sinne der beschlossenen Priorisierung. Wenn daraus aber eine weitere Ungerechtigkeit folge – zum Beispiel durch Lockerungen für geimpfte Personen, "ist das eine Ungerechtigkeit gegenüber denen, die noch nicht geimpft sind", meint Lob-Hüdepohl, der theologische Ethik an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin unterrichtet.

Das Interview sorgte auf dem Facebook-Auftritt von BR24 für kontroverse Diskussionen. Auch hier ist die Userschaft gespalten. Die Meinungen reichen von "Klar muss es Erleichterungen für Geimpfte geben", bis "Mit welchem Recht sollten Geimpfte Vorzüge haben?" Die meisten sind jedoch auch hier der Meinung: Erst wenn alle eine Impfmöglichkeit bekommen haben, sollte es Erleichterungen für Geimpfte geben.

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