Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Rätselhafter rasender Doppelstern entdeckt | BR24

Video nicht mehr verfügbar

Dieses Video konnte leider nicht geladen werden, da es nicht mehr verfügbar ist.

Weitere Information zur Verweildauer

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Rätselhafter rasender Doppelstern entdeckt

Er ist ungeheuer schnell und kommt wohl aus einer fernen Galaxie: Forscher der Uni Erlangen haben einen Doppelstern entdeckt, der durch die Randbezirke unserer Milchstraße fliegt – viel schneller, als es möglich sein sollte.

Per Mail sharen
Teilen

Der Doppelstern mit der Bezeichnung PB 3877 rast mit rund zwei Millionen Kilometern pro Stunde durch die Außenbezirke der Milchstraße, berichtet die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in der Zeitschrift The Astrophysical Journal. Damit ist er fast zweieinhalb Mal schneller als die Sonne, die inklusive Erde das Zentrum unserer Heimatgalaxie umkreist.

Zu schnell, um zu existieren

Astronomen kennen rund zwei Dutzend solcher hyperschnellen Sterne. Allerdings ist PB 3877 der einzige Doppelstern unter ihnen. Und das stellt die Forscher vor ein Rätsel: "Wir können uns keinen Mechanismus vorstellen, der es ermöglicht, ein Doppelsternsystem auf eine so hohe Geschwindigkeit zu beschleunigen, ohne es dabei zu zerstören", sagte FAU-Astronom Peter Nemeth.

Auch seine Herkunft gibt der Wissenschaft einige Rätsel auf. Die Erlanger Forscher nehmen an, dass der Doppelstern ein Eindringling aus einer fernen Galaxie sein könnte. Möglich wäre zwar auch, das PB 3877 aus dem Zentrum der Milchstraße herausgeschleudert wurde. Mit den bisherigen Theorien ließe sich das allerdings nicht erklären.

Kein Glück im Schwarzen Loch

Bisher war die Wissenschaft davon überzeugt, dass Sterne nur vom massereichen im Zentrum der derart beschleunigt werden könnten. Für einen Doppelstern gehen solche Begegnungen nach dieser Theorie allerdings nicht gut aus. Nähert er sich dem Schwarzen Loch, reißen ihn die dort wirkenden Kräfte auseinander, so die allgemeine Annahme. Ein Stern verschwindet im Schwarzen Loch, der zweite wird in die Weiten des Weltraums geschleudert.

Doktorandin Eva Ziegerer von der FAU widerspricht dieser These. Ihre Berechnungen der Flugbahn des Sterns legen nahe, dass er sehr wahrscheinlich "nie auch nur in die Nähe des galaktischen Zentrums gekommen" sei, so Ziegerer. Deshalb vermuten die Forscher um Peter Nemeth, dass PB 3877 ein Eindringling von außerhalb der Milchstraße sein könnte.

Datenlage ist zu dünn

"In den Randgebieten der Galaxis befinden sich viele Sternströme, die vermutlich Überreste von Zwerggalaxien sind", erklärt Nemeth. Von dort könnte der Doppelstern seinen Weg in unsere Galaxis gefunden haben und allmählich beschleunigt worden sein. Zu diesen Sternströmen gibt es bisher aber zu wenige Informationen, um einen davon mit dem hyperschnellen Doppelgestirn in Verbindung zu bringen.

Sein Ursprung bleibt also weiter unklar, ebenso wie seine Zukunft. Das Objekt könnte eventuell schnell genug sein, um die Anziehungskraft der Milchstraße zu überwinden und diese zu verlassen, meinen die Astronomen der FAU, die den Doppelstern gemeinsam mit ihren Kollegen vom California Institute of Technology in den USA entdeckt und über Jahre hinweg beobachtet haben.

Die Spur zur Dunklen Materie?

Dabei könnte der Stern den Wissenschaftlern spannende neue Erkenntnisse über die Natur der Milchstraße liefern. Denn ob der Doppelstern deren Schwerkraft überwinden kann, hängt von der Masse der in unserer Galaxis ab. "Die hyperschnellen Sterne geben uns so die Möglichkeit, der Dunklen Materie im Universum auf die Spur zu kommen", hofft Astronom Nemeth.