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Passauer Armbrustfall: Opfer Teil einer Sekte | BR24

© BR/Martin Gruber

Die Polizei spricht von einem Kreis psychisch Kranker um einen "Welterneuerer". Die Kripo Passau hat rund drei Monate nach dem Tod dreier Menschen in einer Passauer Pension durch Schüsse aus einer Armbrust jetzt den Schlussbericht vorgelegt.

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Passauer Armbrustfall: Opfer Teil einer Sekte

Im Abschlussbericht zum Passauer Armbrustfall gehen die Ermittler davon aus, dass zwei der Opfer mit K.-o.-Tropfen betäubt worden sind, bevor sie von einer 30 Jahre alten Frau mit einer Armbrust getötet wurden. Sie waren Teil einer privaten Sekte.

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Gut drei Monate nach dem Tod von drei Menschen im sogenannten Armbrustfall hat die Passauer Kriminalpolizei jetzt der Staatsanwaltschaft ihren Schlussbericht vorgelegt. Demnach tötete eine 30 Jahre alte Frau ihre beiden 53- und 33-jährigen Begleiter in einer Pension mit einer Armbrust und erschoss sich anschließend selbst. Wie Oberstaatsanwalt Walter Feiler mitteilt, dürften der 53-Jährige und die 33-Jährige nichts von den Schüssen mitbekommen haben. Sie waren demnach vollgepumpt mit K.-o.-Tropfen, handlungsunfähig und bewusstlos.

Testamente und Patientenverfügungen gefunden

Laut Polizeibericht haben die beiden die Tropfen freiwillig getrunken. "Deswegen lagen sie auch entspannt im Bett", erklärt Feiler. Die 30-jährige Schützin hatte keine Drogen oder andere Mittel genommen. Die Ermittler gehen daher von Tötung auf Verlangen beziehungsweise Suizid aus. Neben den drei Leichen wurden auch drei Testamente sowie Patientenverfügungen gefunden.

Kreis psychisch Kranker um einen "Welterneuerer"

Auch zum Motiv gibt es jetzt Erkenntnisse: Laut Oberstaatsanwalt Feiler wird der 53-jährige Mann als dominante und manipulative Persönlichkeit beschrieben. Er sei als Kampfsporttrainer und Psychologe tätig gewesen. Ob er wirklich eine Ausbildung als Psychologe hatte, ist den Ermittlern nicht bekannt. Der Mann habe sich als "Welterneuerer" gesehen und Frauen um sich geschart, die psychische Probleme hatten oder drogenabhängig waren. Zu ihnen habe er auch sexuelle Beziehungen gehabt.

Zeugin aus der Gruppe bringt Erkenntnisse

"Alle Personen, die in dem Kreis waren, hatten die Meinung, dass sie mehrmals wiedergeboren wurden. In Passau haben sie offenbar das Hier und Jetzt verlassen, um irgendwo ein neues System zu erschaffen", erklärt Feiler. Diese Informationen stammen laut Staatsanwaltschaft von einer Zeugin, die selbst früher Mitglied des Kreises war, sich aber aus der Gruppe lösen konnte. Die Aussteigerin kommt wie der 53-Jährige aus einer Ortschaft in Rheinland-Pfalz und sei an einem sicheren Ort.

© BR24

Nach dem Fund von drei Leichen in einem Passauer Hotelzimmer hat die Kriminalpolizei nun ihren Abschlussbericht vorgelegt. Demnach handelt es sich um einen erweiterten Selbstmord.

Tote Frauen in Niedersachsen auch Teil der Gruppe

Die Staatsanwaltschaft wird jetzt prüfen, ob sie die Einschätzung der Kripo teilt. Wenn die Staatsanwaltschaft zu diesem Ergebnis kommt, werden die Ermittlungen eingestellt.

Mitarbeiter der Pension hatten die drei Personen am 11. Mai tot auf deren Zimmer gefunden. Sie waren am Abend zuvor angereist. Zwei Tage später entdeckte die Polizei in der Wohnung der 30-Jährigen im niedersächsischen Wittingen die Leichen von zwei 19 und 35 Jahre alten Frauen. Auch diese beiden gehörten laut Feiler dem Kreis um den 53-Jährigen an und sind wohl an einer Vergiftung gestorben. Genaueres wisse man noch nicht. "Es deutet manches darauf hin, dass die beiden freiwillig und ohne Beteiligung dritter aus dem Leben geschieden sind", sagte er. Feiler verwies auf die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Hildesheim, die sich auf Nachfrage bedeckt hielt.

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de.