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Bildrechte: BR/Thomas Muggenthaler

Die Schüler, die das Projekt mit der Erinnerungsbank initiiert hatten

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Erinnerungsbank für ein Liebespaar, das Opfer der Nazis wurde

Ein Pfarrer weihte letzte Jahr in Siegenburg ein Kreuz an der Stelle, an der 1942 ein polnischer Zwangsarbeiter wegen der Beziehung zu einer Deutschen hingerichtet wurde. Aufgrund eines Schülerprojekts kommt dieses Jahr nun noch eine Bank dazu.

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Von
  • Thomas Muggenthaler
  • BR24 Redaktion

In Siegenburg wurde am Donnerstag im Rahmen einer Feierstunde eine Erinnerungsbank der Öffentlichkeit übergeben und kirchlich gesegnet. Schüler der Realschule Abensberg erinnern mit dieser Bank an ein Paar, dem in der NS-Zeit vorgeworfen worden ist, eine Liebesbeziehung unterhalten zu haben. Beide mussten deshalb sterben.

Bank steht symbolisch für ein Liebespaar

Die Bank stehe symbolisch für ein Liebespaar. Diese Idee haben die Schüler selbst entwickelt. Das Paar, das ein verbotenes Verhältnis gehabt haben soll, waren der polnische Zwangsarbeiter Wladyslaw Belcer und eine junge Deutsche aus dem Dorf, in dem er gearbeitet hat. Der junge Pole wurde verhaftet, in das KZ Flossenbürg eingewiesen und zu seiner Hinrichtung wieder in das Dorf gebracht, in dem er gearbeitet hatte.

Wladyslaw Belcer im Langhaider Forst hingerichtet

Wladyslaw Belcer wurde am 13. November 1942 am Rande des Langhaider Forstes in der Gemeinde Siegenburg von einem Kommando aus dem KZ Flossenbürg erhängt. Er war 20 Jahre alt. Geleitet hat die Aktion die Gestapo-Stelle Regensburg mit der Adresse Minoritenweg 1. Wladyslaw Belcer starb gemäß der Todesanzeige, die Sebastian Ranner, der stellvertretende Leiter des Gestapostelle Regensburg unterzeichnet hat, um 10.05 Uhr. Bei der Hinrichtung mussten sich polnische Zwangsarbeiter am Ort versammeln. Sie wurden darüber belehrt, was ihnen droht, wenn sie sich nicht an die Regeln der Deutschen halten. Bruno Wilk, ein ehemaliger polnischer Zwangsarbeiter, der nach dem Krieg hiergeblieben war, hat vor einigen Jahren einem Team des Magazins "Kontrovers" (Bayerisches Fernsehen) den Ort im Langhaider Forst gezeigt, an dem sein Landsmann hingerichtet worden ist. Inzwischen ist es gelungen, mit der Familie Kontakt aufzunehmen. Zwei Schwestern von ihm leben noch. Eine wäre auch bereit, zu kommen, wenn es die Corona-Pandemie zulässt. Die Familie verfolgt, was hier passiert und freut sich, dass diese Erinnerungszeichen gesetzt werden. Sie hat auch ein Foto von Wladyslaw geschickt. Das zeigt ihn genauso, wie ihn der Zeitzeuge Hans Seefelder (92) beschrieben hat: Jung, schwarzhaarig, drahtig.

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Die Bank stehe symbolisch für ein Liebespaar. Diese Idee haben die Schüler selbst entwickelt.

Frau starb im KZ Auschwitz

Die Frau, die mit ihm ein Liebesverhältnis unterhalten haben soll, wurde zunächst in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück eingewiesen, dann in das KZ Majdanek und schließlich nach Auschwitz überstellt. Sie starb am 14. April 1944 im KZ Auschwitz. Lehrerin Maria Rauscher, die das Projekt betreut hat, hat im Gemeindearchiv von Siegenburg noch eine vergilbte Postkarte gefunden, auf der das "Standesamt Auschwitz 2" in einer gestochenen Handschrift den Tod der Gemeindebürgerin gemeldet hat.

Wegen der Corona-Pandemie verzögerte sich die Übergabe der Bank. Schüler der Johann-Turmair-Realschule Abensberg, die im letzten Jahr nach der 10. Klasse die Schule verlassen haben, hatten sich in einem zweijährigen Projekt den Fall und diese Form der Erinnerung erarbeitet. Am Rand des Langhaider Forstes erinnert bereits ein Holzkreuz, das vor einem Jahr eingeweiht worden ist, an die Hinrichtung des jungen Polen. Neben Landrat Martin Neumeyer war auch Marcin Krol vom polnischen Generalkonsulat in München nach Siegenburg gekommen. Die Bank wird dafür sorgen, dass diese tragische Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, sagen die Schüler.

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In Siegenburg wurde eine Sitzbank eingeweiht, die an ein Paar erinnern soll, dem in der NS-Zeit vorgeworfen wurde, eine Liebesbeziehung zu haben: Er polnischer Zwangsarbeiter, sie eine deutsche Frau. Deswegen mussten beide sterben...

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