BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR / privat
Bildrechte: BR

Das Zugunglück von Aitrang im Jahr 1971 war eines der schwersten in der deutschen Nachkriegsgeschichte: 28 Menschen kamen dabei ums Leben. Fünfzig Jahre später erinnert eine Sonderausstellung an den schrecklichen Tag für das Ostallgäu.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Sonderausstellung zum Zugunglück von Aitrang vor 50 Jahren

Das Zugunglück von Aitrang im Jahr 1971 war eines der schwersten in der deutschen Nachkriegsgeschichte: 28 Menschen kamen dabei ums Leben. Fünfzig Jahre später erinnert eine Sonderausstellung an den schrecklichen Tag für das Ostallgäu.

Per Mail sharen
Von
  • Rupert Waldmüller
  • Anna Klein

Mit der Sonderausstellung "50 Jahre Eisenbahnunglück in Aitrang" erinnert das Feuerwehrmuseum in Kaufbeuren jetzt an dieses schwere Unglück. Am 9. Februar 1971 raste bei Aitrang im Ostallgäu der Trans-Europa-Express Bavaria (TEE) auf dem Weg von München nach Lindau fast 50 km/h zu schnell in eine Kurve und entgleiste. Kurz darauf fuhr ein Schienenbus aus Kempten in die Unfallstelle. 28 Menschen starben, 42 wurden verletzt.

Erinnerungen an das Zugunglück als Teil der Ausstellung

Teile der Ausstellung sind die Erinnerungen der Menschen vor Ort. Einer von ihnen ist Hermann Ober, der damals als 30-jähriger Arzt mit dem Roten Kreuz an der Unfallstelle im Einsatz war. Er erinnert sich an die kalte, neblige Februarnacht des Zugunglücks: "Wie wir da durch den Graben gestolpert sind und über tote Menschen dann drüber. Die konnten wir ja nicht sehen. Es war ja stockdunkle Nacht." Mit der Sanitätskolonne war Ober vor Ort, als die Bergungsarbeiten noch in vollem Gange waren.

Modell der Bergungsarbeiten

Mit Zeitzeugenberichten, Zeitungsartikeln, Fotos, Filmaufnahmen und Originalstücken wie einer Sitzbank aus dem verunglückten TEE erzählt die Ausstellung im Feuerwehrmuseum die Geschichte des Zugunglücks von Aitrang. Zentrales Ausstellungsstück ist ein sogenanntes Diorama: Ein großes Modell der Bergungsarbeiten des Unglückszugs im Maßstab 1:87. Anhand von Plänen, Protokollen und Fotos haben die Eisenbahnfreunde Kaufbeuren um Hartmut Klust das Geschehen bis auf kleinste Details in 500 Stunden originalgetreu nachgebaut: "Wir haben praktisch auf den Meter genau die Lage des verunfallten TEE. Wir haben die genauen Maße von Originalplänen."

Die Ausstellung geht nahe

Dokumente, Bilder, Amateuraufnahmen von den Bergungsarbeiten und Originalausgaben von Zeitungen haben Christoph Heider und seine Kollegen vom Feuerwehrmuseum für die Ausstellung zusammengetragen und die Erlebnisse von Rettern, Anwohnern und Überlebenden protokolliert. Dabei traten selbst 50 Jahre nach der Katastrophe noch Emotionen zutage, die dem Museumsteam nahegingen.

Präzise und schnelle Arbeit der Rettungskräfte

Was Christoph Heider bei der Vorbereitung der Ausstellung am meisten beeindruckt hat: Wie schnell und präzise die Retter damals gearbeitet haben - und das unter widrigsten Bedingungen: Es war kalt, neblig und dunkel. Es gab noch keinen Rettungsdienst wie heute, keinen Notarzt, keinen Funk für die Retter, kein hydraulisches Bergungsgerät und nicht mal Flutlicht für die Feuerwehr.

Stundenlange Bergungsaktion

Und so mussten die Rettungskräfte um Arzt Hermann Ober stundenlang versuchen, den eingeklemmten Lokführer des Schienenbusses zu bergen, ihn stabil zu halten und zu wärmen. Erst mitten in der Nacht konnten sie den Mann aus den Trümmern der Züge befreien und ins Krankenhaus nach Marktoberdorf bringen. "Die haben wirklich mit Schweißbrennern und Motorflex versucht, diesen Lokführer rauszubringen, fünf Stunden lang", berichtet Christoph Heider. Die anderen 41 Verletzten waren binnen 90 Minuten im Krankenhaus - unter den Umständen eine unglaubliche Leistung.

Mit der Ausstellung will das Feuerwehrmuseum in Kaufbeuren der Opfer gedenken und die großartige Arbeit der Retter von damals würdigen. Die Sonderausstellung "50 Jahre Eisenbahnunglück in Aitrang" ist bis Ende 2022 zu sehen. Das Feuerwehrmuseum Kaufbeuren-Ostallgäu ist nur an bestimmten Tagen geöffnet. Auf Anfrage gibt es auch Sonderführungen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!