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Wie man sich gegen Hochwasser schützen kann, zeigen Beispiele aus Schwaben: Gemeinden aus den Landkreisen Ostallgäu und Augsburg haben gemeinsam den Hochwasserschutz massiv ausgebaut. Beim Projekt "bodenständig" spielen Landwirte eine wichtige Rolle.

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Erfolgreicher Hochwasserschutz: Renaturierung und gute Böden

Wie man sich gegen Hochwasser schützen kann, zeigen Beispiele aus Schwaben: Gemeinden aus den Landkreisen Ostallgäu und Augsburg haben gemeinsam den Hochwasserschutz massiv ausgebaut. Beim Projekt "Bodenständig" spielen Landwirte eine wichtige Rolle.

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Von
  • Rupert Waldmüller
  • Judith Zacher
  • Veronika Scheidl

Im Ostallgäu und dem südlichen Landkreis Augsburg hatte man nach den verheerenden Hochwassern von 1999 und 2001 reagiert: Elf Gemeinden entlang von Gennach und Hühnerbach haben sich zusammengetan und einen Hochwasserschutz für die beiden Flüsse auf den Weg gebracht – von der Quelle des Zuflusses Hühnerbachs am Auerberg bis zur Mündung der Gennach bei Schwabmünchen. Doch es war ein langer Weg zu diesem in Bayern wohl einmaligen Projekt.

Hochwasser richtet Schäden in Millionenhöhe an

Erich Negele steht vor seinem Haus in Westendorf bei Kaufbeuren. Die Gennach fließt wenige Meter entfernt friedlich mitten durch das Dorf. Beim Pfingsthochwasser 1999 sah das ganz anders aus, sagt Negele. Der halbe Ort stand unter Wasser, 60 Zentimeter hoch floss die Gennach auch ums und ins Haus von Negele, der damals Bürgermeister von Westendorf war.

Enorme Schäden in Millionenhöhe hat das Pfingsthochwasser 1999 nicht nur in Westendorf, sondern in fast allen Orten entlang von Gennach und ihrem Zufluss Hühnerbach verursacht, 2001 war das nächste Hochwasser.

Als im Jahr 2005 schon wieder das Wasser kam, beschlossen Erich Negele und sein damaliger Bürgermeisterkollege von Buchloe, Josef Schweinberger, dass ein echtes Hochwasserschutzkonzept, für alle Gemeinden entlang der Flüsse nötig ist: "Einer allein bringt nix. Der Obere bringt das Wasser. Der Untere sagt: 'Ja, ich sauf ab, die Oberen tun nix!'. Und drum war das so wichtig, wirklich alles zusammenzubringen", sagt Schweinberger.

Hochwasserrückhaltebecken und Renaturierung

Und sie haben es mit viel Überzeugungsarbeit geschafft: Alle elf Gemeinden entlang von Gennach und Hühnerbach haben sich 2007 zu einem Hochwasserschutz-Zweckverband zusammengeschlossen. Zwischen der Hühnerbach-Quelle am Auerberg und der Gennach-Mündung bei Schwabmünchen wurden in den vergangenen Jahren zehn große Hochwasserrückhaltebecken gebaut und weite Strecken am Ufer renaturiert.

30 Millionen Euro hat der Hochwasserschutz gekostet, abzüglich Fördermittel von EU und Freistaat mussten die Gemeinden acht Millionen Euro selber aufbringen. Viel Geld, sagt der Vorsitzende des Zweckverbands Josef Schweinberger. Aber gut investiert: "Nur ein einziges Hochwasser würde alle Anliegergemeinden mehr kosten, als wir hier für diese Investition bereitgestellt haben. Das sind läppische acht Millionen bei dem Schadenspotenzial, das wirklich da ist."

Schutz vor Jahrhunderthochwasser

In Westendorf vor der Haustür von Erich Negele läuft derzeit das letzte Bauprojekt für den Hochwasserschutz: Die Gennach bekommt auch im Dorf mehr Platz. Wenn die Arbeiten hier abgeschlossen sind, sollen alle Orte entlang von Gennach und Hühnerbach selbst gegen ein Jahrhunderthochwasser geschützt sein. Aber schon jetzt hat sich gezeigt: Das Konzept mit dem Hochwasserschutz von der Quelle bis zur Mündung greift.

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Die renaturierte Gennach bei Eurishofen.

Projekt "Bodenständig" will Bodenbefestigung verbessern

Oft braucht es für Hochwasser gar kein Gewässer in der Nähe, denn auch heftiger Regen mit sehr hohen Niederschlagsmengen kann für Überflutungen sorgen. Wie Anfang Juni etwa in Wertingen im Landkreis Dillingen an der Donau.

Dort ist das Wasser über die Felder am Hang in die Stadt gestürzt, wie auch schon 2016. In der Folge hatte man das Projekt "Bodenständig" begonnen – in acht Gebieten in ganz Schwaben wird es umgesetzt, zwei davon sind bei Wertingen. Es geht darum, die Landwirte mit ins Boot im Kampf gegen Hochwasser zu holen.

Gerade bei diesen Starkregen, die für Sturzfluten den Hang hinunter fließen, ist nicht nur der Regen, sondern vor allem auch der viele Schlamm ein Problem. Das Wasser reißt die oberste Bodenschicht mit sich. Das Projekt "Bodenständig" setzt sich dafür ein, Felder so zu bewirtschaften, dass der Boden besser befestigt wird.

Landwirte sollen Felder anders bewirtschaften

Doch damit die Landwirte das auch umsetzen, muss erstmal ein Bewusstsein für die Problematik geweckt werden, sagt Projektleiter Bernhard Bacherle vom Amt für Ländliche Entwicklung in Krumbach. Teilweise habe das schon gut funktioniert. In Hohenreichen bei Wertingen zum Beispiel soll ein Feldweg angehoben werden, quasi als Bremse für den Schlamm.

Projektleiter Bacherle hofft, noch mehr Grundstücksbesitzer und Landwirte gewinnen zu können. Konkrete Maßnahmen sind etwa, dass Landwirte ihre Felder quer zum Hang bewirtschaften oder Mulchsaaten ausbringen. Das bedeutet, dass sie nach der Ernte den Acker nicht blank daliegen lassen, sondern eine Zwischenfrucht wie Klee oder Sonnenblumen ansäen. Die Wurzeln sollen den Boden festhalten. Auch Hecken, Grünstreifen und Büsche könnten den Schlamm aufhalten und vor allem auch den wertvollen Humus, der als erstes abgeschwemmt wird.

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