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Erfolg? Der erste Sommer mit Blühpatenschaften in Bayern | BR24

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Viele Landwirte in Bayern haben im Frühjahr "Blühpatenschaften" angeboten. Prinzip: Sie säen Blumensamen aus statt beispielsweise Mais anzupflanzen - die Paten unterstützen sie finanziell. Alles zum Wohl der Insekten. Klingt gut, aber war’s das auch?

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Erfolg? Der erste Sommer mit Blühpatenschaften in Bayern

Viele Landwirte in Bayern haben im Frühjahr "Blühpatenschaften" angeboten. Prinzip: Sie säen Blumensamen aus statt beispielsweise Mais anzupflanzen - die Paten unterstützen sie finanziell. Alles zum Wohl der Insekten. Klingt gut, aber war’s das auch?

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Im Frühjahr gab es lange Schlangen, weil sich so viele Menschen für das Volksbegehren "Rettet die Bienen" eintrugen. Um gleich konkret etwas für die Bienen zu tun, boten viele Landwirte sogenannte Blühpatenschaften an.

Diese funktionieren folgendermaßen: Der Landwirt stellt Fläche zur Verfügung, besorgt Saatgut, sät die speziell geeigneten Blumensamen aus, übernimmt also alle Arbeiten. Der Blühpate zahlt dafür einen gewissen Anteil. In der Regel sind das zwischen 30 und 50 Cent pro Quadratmeter. Knapp 300 Anbieter listet der Bayerische Bauernverband auf einer extra für Blühpatenschaften eingerichteten Website auf – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

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Genaue Fläche der Blühäcker schwer zu ermitteln

Wie viele Anbieter es tatsächlich sind, lässt sich kaum herausfinden. Weil Landwirte in Eigenregie Flächen anbieten konnten und auch selbst entschieden, zu welchem Preis, ist nirgends dokumentiert, wie viel Fläche überhaupt "verpatet" wurde.

Auf der Onlinekarte des Bayerischen Bauernverbands wird lediglich deutlich, dass sich die Anbieter im Raum Nürnberg/Erlangen ballen, im südlichen Oberbayern kaum bis gar nicht zu finden sind und es überhaupt an den Rändern Bayerns immer spärlicher wird. Insgesamt schätzt der Bauernverband, dass die Blühäcker im Verhältnis zur gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche einen sehr geringen Teil ausmachen.

Was für den Landwirt dabei rausspringt

Der Landwirt Franz Grenzebach aus dem oberbayerischen Münsing verbucht seine erste Saison mit Blühpatenschaften als Erfolg. Er hat sie auf drei Jahre angelegt und konnte 40.000 Quadratmeter an Paten wie Familien, Vereine und Firmen verkaufen. Für 30 Euro pro 100 Quadratmeter. "Ja, da lässt sich schon was verdienen", sagt er, aber der Aufwand sei auch sehr hoch. Das habe er unterschätzt. Er ließ sich wegen des richtigen Saatguts von drei Stellen beraten, unter anderem vom Bund Naturschutz. Außerdem müssen Verträge erstellt, Urkunden gedruckt und Schilder aufgestellt werden.

Viel Zeit hat sich Grenzebach genommen, um die vielen Fragen der 175 Paten zu beantworten. Aber auch die der Kritiker. Einige hätten ihm unterstellt, erzählt er, er könne ja eine Parzelle mehrfach verkaufen, weil das niemand nachprüfe. "Ich bin dann vom örtlichen Maschinenring unterstützt worden, dass wir hier ein Luftbild gemacht haben, wo dann ein Gitterraster drübergelegt worden ist, wo dann jeder Blühpate auf dem Lageplan seine eigene Parzelle wiederfinden kann."

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Direkter Kundenkontakt als positiver Nebeneffekt

Andreas Wolfrum aus dem oberfränkischen Gattendorf wollte eigentlich 1,2 Hektar Blühfläche mit Hilfe von Paten anlegen, für 50 Euro pro 100 Quadratmeter. Der 26-jährige wollte gezielt keine Firmen ins Boot holen, sondern nur mit Privatpersonen arbeiten. 80 Prozent, sagt er, haben sich in den ersten beiden Wochen nach dem Volksbegehren bei ihm gemeldet – aus ganz Deutschland. Die meisten wollten aktiv etwas für den Umweltschutz tun. Am Ende konnte er 42 Paten gewinnen und etwa die Hälfte der geplanten Fläche anbringen.

Angelegt hat er aber trotzdem zwei Hektar. Ein Verdienstmodell für die Zukunft seien die Blühpatenschaften nicht, sagt er, aber trotzdem ist er zufrieden. Der Haupteffekt für ihn als Milchbauer, der sonst nur mit Molkereien und nicht mit dem Verbraucher zu tun hat, ist der direkte Kontakt zu den Menschen, für die er täglich produziert. Eine Patin habe kein Internet, erzählt Wolfrum. Deshalb druckt er immer wieder Fotos von der Blühfläche aus und schickt sie ihr mit der Post.

Erfolg auch für die Insekten?

Wildbienenexperte Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung in München hat die Blühäcker anfangs sehr skeptisch betrachtet. Einzelne Blühstreifen bieten, wenn das richtige Saatgut verwendet wird, zwar kurzzeitig Nahrung vor allem für Honigbienen, aber um langfristig Lebensraum zu schaffen, reichen sie nicht aus. Statt einzelner kleiner Maßnahmen wünscht er sich, die komplette Struktur zu ändern. Statt Monokultur an Monokultur zu reihen also Hecken und Wiesen anzulegen.

Dass die fehlen, sagt er, liege an der Flurbereinigungspolitik der letzten 40 Jahre. Trotzdem ist er für das Modell Blühacker: "Irgendwo muss man ja anfangen", sagt Fleischmann. Von der Politik fordert er ein Umdenken. Es solle nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip gefördert werden, sondern ergebnisorientiert, so der Insektenexperte. So könnte nach seinen Vorstellungen zum Beispiel Geld fließen, wenn ein Landwirt es schafft, dass sich wieder Kiebitze auf seinen Feldern ansiedeln.

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