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Was auf dem "Strauß-Areal" mitten in der Hofer Innenstadt entsteht, kann gerade noch niemand sicher sagen.

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Erdhaufen statt Einkaufen: Was passiert mitten in Hof?

Dauerärgernis mitten in Hof: Statt des geplanten Einkaufszentrums "Hof-Galerie" verschandelt ein Erdhaufen das Stadtbild. Zuletzt sollte etwas Grün die Ödnis auflockern. Doch die Stadt beißt sich am privaten Investor die Zähne aus.

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Von
  • Annerose Zuber

Ein riesiger Erdhaufen überwuchert von Unkraut, daneben Asphalt-Schutt und einsturzgefährdete Häuser. Seit dem Abriss des leerstehenden Einkaufszentrums "Zentralkauf" tut sich nichts mehr auf dem sogenannten "Strauß-Areal" mitten in Hof. Eigentlich wollte die LIG, die "Luxembourg Investment Group", nach dem staatlich geförderten Abriss dort eine neue Shopping-Mall bauen. Doch die Pläne waren schon vor Corona gescheitert – unter anderem fanden die Projektentwickler keine Supermarkt-Kette als sogenannten Ankermieter.

Hof: "Mount Fichtner" wird zum "Mount Eva-Rest"?

Der Erdhaufen wurde zum Wahlkampf-Thema bei der Kommunalwahl 2020. Viele Hoferinnen und Hofer sahen in dem früheren Oberbürgermeister Harald Fichtner (CSU) einen Hauptverantwortlichen für die Ödnis in bester Innenstadt-Lage. Fichtner verlor die Wahl. Schon zuvor hatten Unbekannte unter dem spöttischen Namen "Mount-Fichtner" dem Erdhaufen sogar eine eigene Internet-Seite verpasst. Inzwischen taucht im Netz vereinzelt auch eine neue Bezeichnung auf: "Mount Eva-Rest" in Anspielung auf die neue Rathaus-Chefin Eva Döhla (SPD). Ein Bürgerpark statt Einkaufszentrum – das waren ihre Gedankenspiele im Wahlkampf.

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Seit dem Abriss des leerstehenden Einkaufszentrums in Hof tut sich nichts mehr auf dem "Strauß-Areal". Nachdem das Projekt "Hof-Galerie" eingestellt wurde, bleibt nur ein riesiger Schutthaufen mitten in der Stadt.

Investor des Einkaufszentrums sitzt in Luxemburg

Doch inzwischen überwiegt auch bei der neuen Oberbürgermeisterin die Skepsis. Denn die Stadt hat wenig Handlungsmöglichkeiten. Das "Strauß-Areal" wechselte in den letzten Jahren mehrfach die Besitzer, die meist im Ausland sitzen.

Aktuell gehört das 10.000 Quadratmeter große Grundstück der Firma AHG in Trier, die wiederum die Tochterfirma der Luxemburger Investment-Gesellschaft ist. Und die Gespräche zwischen Hof und Luxemburg laufen äußerst zäh. Seit Monaten ringt die Stadt in Telefonkonferenzen und Mails mit dem Grundstückseigentümer um eine Zwischenlösung: Mit Blumen und Bäumen in Kübeln und einer kleinen Aktionsfläche für Veranstaltungen sollte wenigstens ein Teil der Ödnis aufgehübscht werden.

Den Worten des Investors folgen keine Taten

Für dieses Provisorium gab es eigentlich schon vor Weihnachten 2020 eine Zusage aus Luxemburg. Allerdings nur mündlich. Unterschrieben hat Vladimir Volkov, der Geschäftsführer der LIG, bis heute nichts. Denn seit Monaten beschäftigen sich die Anwälte damit. "Wir sind dabei, den Vertrag richtig auszuformulieren, so wie es zu beiden Seiten passt", erklärt Volkov in einem Exklusiv-Interview mit BR24. Wo genau die Probleme liegen, dazu will er sich nicht äußern.

Was kommt nach Aus fürs Hofer Einkaufszentrum?

Auch bei den langfristigen Plänen fürs "Strauß-Areal" bleibt der Investor vage: "Es läuft darauf hinaus, dass mehr Wohnungen und weniger Geschäfte entstehen sollen." Das ist aber grundsätzlich nichts Neues. Schon vor über zwei Jahren war klar, dass das Konzept einer reinen Einkaufs-Galerie nicht mehr in die Zeit passt. Deshalb stieg damals die "Activ-Group" mit ein. Der neue Projektpartner aus Schwaben präsentierte dem Stadtrat als neues Konzept einen Mix aus Supermarkt, Arztpraxen und Wohnungen. Ob die "Activ Group" aber aktuell noch mit im Boot ist, ist unklar.

Investor LIG will 35 Millionen Euro in Hofer Projekt stecken

Für die LIG wäre ein solches Großprojekt wohl eher Neuland – auf der Homepage der Firma, die nach Aussage von Geschäftsführer Volkov aktuell acht Mitarbeiter beschäftigt, finden sich in der Liste der bisher realisierten Projekte überwiegend kleinere Fachmarkt-Zentren. In Hof geht Vladimir Volkov von rund 35 Millionen Euro Investition aus und versichert: "Solche Projekte werden aus Eigenkapital und Bankfinanzierung finanziert. Eigenkapital haben wir mehr als genügend. Für dieses Projekt und für zehn weitere solche Projekte."

Kaufhaus wird abgerissen – Investor lässt Erdhaufen liegen

Der Abriss des alten Einkaufszentrums in Hof vor vier Jahren wurde auch mit staatlichen Zuschüsse finanziert. Bei Gesamtkosten von knapp zwei Millionen Euro wurden nach Angaben der Regierung von Oberfranken insgesamt 1,2 Millionen Euro aus dem Programm "Förderoffensive Nordost-Bayern" genehmigt. Dass davon bisher aber erst 720.000 Euro an den Investor ausbezahlt wurden, sei nur konsequent, sagt Oberbürgermeisterin Döhla. Denn noch sei die Baustelle nicht abschließend aufgeräumt.

Das bestreitet auch Investor Volkov nicht. Seiner Meinung nach mache es aber erst wieder Sinn, die Bagger anrollen zu lassen, wenn es grundsätzlich mit dem Projekt weitergeht. Wann das ist? Eventuell in einem Jahr, erklärt er im Gespräch mit BR24.

Der Stadt Hof fehlt Personal

Solange will die Stadt eigentlich nicht mehr warten, sondern das Heft des Handelns wenigstens ein Stück weit wieder selbst in die Hand nehmen. Deshalb hat Oberbürgermeisterin Eva Döhla einen sogenannten "Städtebaulichen Realisierungswettbewerb" angeregt, damit mehrere Architektur- und Planungsbüros Ideen für das "Strauß-Areal" entwickeln.

Aber die Sache stockt schon wieder: Der Stadtrat hat zwar Gelder für den Wettbewerb genehmigt – doch im Rathaus fehlt momentan das Personal, um einen solchen Wettbewerb vorzubereiten. Die Hofer müssen den Anblick von Erdhaufen und einsturzgefährdeten Häusern wohl noch länger ertragen.

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