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"Er ist wieder da": Bissige Satire im Landestheater Dinkelsbühl | BR24

© Landestheater Dinkelsbühl/Hans von Draminski

In der Satire "Er ist wieder da" taucht Hitler im Berlin von heute wieder auf

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"Er ist wieder da": Bissige Satire im Landestheater Dinkelsbühl

Ein Buch als Theaterversion? "Er ist wieder da!", die bitterböse Satire über die heutige Mediengesellschaft, hat es bereits auf die Leinwand geschafft. Nun kommt die Theaterversion im Landestheater Dinkelsbühl auf die Bühne.

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Plötzlich ist Adolf Hitler wieder da. Wie aus dem Nichts taucht er im Berlin des 21. Jahrhunderts auf und ist zutiefst verwirrt. Menschen verschiedenster Herkunft laufen durch die Straßen und im Fernsehen werden Kochshows gezeigt statt politisch-propagandistischer Reden vor euphorisch fahnenschwingender Massen. Das ist der Ausgangspunkt des Bestseller-Buches "Er ist wieder da" von Timur Vermes.

Medien und ihre Mechanismen

Vermes entwickelt dabei eine aberwitzige Geschichte: Im Berlin der Gegenwart nimmt keiner den ehemaligen Führer so wirklich ernst. Bis er die Mittel moderner Propaganda für sich entdeckt. Im Privatfernsehen avanciert Hitler zum gefeierten Medienstar: ein vermeintlicher Hitler-Imitator, der Quote bringt. "Die sagen: Wir benutzen ihn, weil er ein toller Comedian ist. Und merken aber nicht, dass er sie benutzt", erklärt Jürg Schlachter, Regisseur der Dinkelsbühler Inszenierung.

Lachen oder nicht?

Den Schweizer Theatermacher Jürg Schlachter irritiert, dass Adolf Hitler in Deutschland oft noch ein Tabu-Thema ist, über das nicht gelacht werden darf. "Ich glaube, das ist eine menschliche Möglichkeit mit dem Unmöglichen umzugehen", sagt Jürg Schlachter. Dabei ist "Er ist wieder da" eine Komödie, bei der einem das Lachen im Halse stecken bleibt.

Schwierige Rolle

Hauptdarsteller Andreas Peteratzinger verwandelt sich nicht nur äußerlich - streng gescheitelt und mit unverkennbarem Oberlippenbart - in den Führer. Inspiriert von Charlie Chaplins Darstellung in „Der große Dikator" redet er sich ordentlich in Rage, rollt bedrohlich das "r" und gestikuliert ausladend. "Man fühlt sich erwischt, dass dieser Hitler einen erwischt. Und vielleicht beantwortet es dem ein oder anderen die Frage, wie konnte das damals passieren?", sagt der Schauspieler über seine Erfahrung mit dieser Rolle.

Satire mit Botschaft

Wie konnte das damals passieren? Und was hat es mit uns heute zu tun? Für den Intendanten des Landestheaters Dinkelsbühl, Peter Cahn, ist die Kernaussage der bissigen Satire ein Aufruf, der lautet: aufpassen!

"Die gegenwärtige Politik oder auch Lage hat sich verändert und es ist vieles möglich, vieles darf man sagen, von dem wir in den 70er eigentlich schon gedacht haben, wir hätten es ad acta gelegt und da denke ich, muss man auch einfach wieder den Mut haben, den Namen Adolf Hitler in den Mund zu nehmen und in einer Satire zu sehen, was wäre wenn." Peter Cahn, Intendant Landestheater Dinkelsbühl

Dabei ist "Er ist wieder da" eine Komödie, bei der einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Der Intendant wünscht sich deshalb, dass möglichst viele Schulen und damit viele Jugendliche kämen, um das Stück zu sehen.

© BR

Mit dem Stück "Er ist wieder da" bringt das Landestheater Dinkelsbühl die Mediensatire über Adolf Hitler nun auch auf die Bühne. Was bedeutet die Umsetzung des Stoffes für das Ensemble?