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Entsetzen über Tierquälerei in Allgäuer Milchviehbetrieb | BR24

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Misshandlungen und Tierquälerei schon seit Jahren - schwere Vorwürfe gibt es gegen einen der größten Milchvieh-Betriebe Bayerns mit 1800 Kühen in Bad Grönenbach im Unterallgäu.

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Entsetzen über Tierquälerei in Allgäuer Milchviehbetrieb

Nach den mutmaßlichen Tierquälereien bei einem großen Milchviehbetrieb in Bad Grönenbach im Allgäu ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft. Das Landratsamt bestätigt tierschutzrechtliche Verstöße, Landtagspolitiker fordern sofortiges Handeln.

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Nach Recherchen des ARD-Politikmagazins Report Mainz und der Süddeutschen Zeitung soll der Milchviehbetrieb aus Bad Grönenbach im Allgäu seit Jahren gegen den Tierschutz verstoßen haben. Auf dem Betrieb mit 1.800 Kühen soll es zu grausamen Misshandlungen der Tiere gekommen sein.

Die Staatsanwaltschaft Memmingen bestätigte, dass sie die Ermittlungen in diesem Fall aufgenommen hat. Sie prüft demnach die Echtheit von Filmaufnahmen des Tierrechtsvereins "Soko Tierschutz". Diese sollen zeigen, wie Kühe getreten, geschlagen oder durch den Stall geschleift werden. Außerdem habe es für die Tiere zu wenig Wasser und Futter gegeben.

Der bayerische Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) erklärte: "Hier steht kriminelles Verhalten im Raum. Tierquälerei ist nicht hinnehmbar." Im BR betonte er zudem, dass es Sanktionen geben werde, sollten Tierschutzvergehen vorliegen. Dazu müsse man aber die Ermittlungen abwarten.

Landratsamt bestätigt tierschutzrechtliche Verstöße

Das Landratsamt Unterallgäu teilte mit, dass der Milchviehbetrieb und seine Betriebsstätten in den vergangenen Jahren regelmäßig kontrolliert worden seien. Dabei seien tierschutzrechtliche Verstöße "im gering- bis mittelgradigen Bereich" festgestellt worden. Die Mängel seien vom Betrieb immer beseitigt worden, deswegen habe es keine Bußgelder oder Strafanzeigen gegeben.

Außerhalb der Kontrollen seien Hinweise beim Landratsamt eingegangen, aus denen sich "ein Verdacht auf eine Straftat" ergeben habe. In diesen Fällen habe das Landratsamt Strafanzeige erstattet. In weiteren Fälle habe das Amt Stellungnahmen bei Polizei und Staatsanwaltschaft abgegeben.

SPD fordert sofortige Aufklärung

Bayerische Politiker zeigten sich schockiert über die Tierquälereien. Die SPD-Landtagsfraktion forderte von Verbraucherschutzminister Glauber eine sofortige Aufklärung. "Zur Not muss der zuständige Umweltausschuss zu einer Sondersitzung noch im Juli zusammentreten", fordert die tierschutzpolitische Sprecherin Martina Fehlner (SPD).

CSU: Tierquälerei schadet dem Beruf des Landwirts

Eine vollständige Aufklärung fordert auch der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt und Verbraucherschutz, Eric Beißwenger (CSU). Die Bilder aus dem Betrieb seien absolut verstörend und würden dem ganzen Berufsstand der Landwirte schaden. Tierwohl und Tierschutz seien wichtig und entsprechend müsse auch die Haltung der Nutztiere in Bayern sein.

Grüne sind nicht überrascht über den Skandal

Diese Forderung kommt auch vom tierwohlpolitischen Sprecher der Landtags-Grünen, Paul Knoblach. Für ihn seien die Skandale in bayerischen Lebensmittel- oder Agrarbetrieben so erwartbar wie "das nächste Sommergewitter". Die staatliche Kontrollbehörde sei seiner Meinung nach kein lernendes System, sondern stolpere von Skandal zu Skandal.

FDP spricht von einem Schlag ins Gesicht

Christoph Skutella, Sprecher der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag, betonte, Tierquälerei sei ein Schlag ins Gesicht aller Landwirte, die ihre Tiere korrekt halten: "Wie wir mit Tieren umgehen, zeigt, was für Menschen wir sind."

Freie Wähler halten Kontrollen für ausreichend

Leopold Herz, Freie-Wähler-Landtagsabgeordneter aus dem Oberallgäu, verwies auf eine "Grundverantwortung" gegenüber Tieren als Lebewesen, der man sich bewusst sein müsse: "Es ist ja keine Ware." Gleichzeitig sei Tierquälerei kein Massenphänomen in der Landwirtschaft. Die vorgeschriebenen Kontrollen sind laut Herz ausreichend - vorausgesetzt, sie werden eingehalten.

Linke fordert dauerhaftes Tierhaltungsverbot

Die Allgäuer Bundestagsabgeordnete Susanne Ferschl von den Linken forderte, dass jetzt alle Kühe im betroffenen Betrieb gut versorgt werden müssen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, müsse der Landwirt zur Verantwortung gezogen werden. Gegen ihn müsse zudem ein dauerhaftes Tierhaltungsverbot ausgesprochen werden.

Erste Abnehmer kündigen Geschäftsbeziehungen auf

Inzwischen haben auch erste Geschäftspartner des Betriebs in Bad Grönebach reagiert. So kündigte eine Kemptener Käserei am späten Nachmittag an, die Milch des Betriebs ab sofort nicht mehr anzunehmen oder zu verarbeiten. Ein Schlachtbetrieb aus Buchloe erklärte, keine Tiere von dem Milchviehhof mehr anzunehmen.

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Der Schwäbische Bezirkspräsident des Bauernverbands Alfred Enderle fordert Änderungen bei den Kontrollen.

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Nach dem Bekanntwerden der grausamen Tierquälereien auf einem großen Milchviehbetrieb in Bad Grönenbach im Allgäu hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Politiker fordern sofortiges Handeln und eine Aufklärung der Tierquälereien.