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Entsetzen nach Attacke auf Rabbiner-Familie in München | BR24

© Christoph Hardt/Geisler-Fotopress

Politiker und Personen des öffentlichen Lebens verurteilten den Angriff in München auf einen Rabbiner und seine beiden Söhne scharf.

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Entsetzen nach Attacke auf Rabbiner-Familie in München

Bespuckt und beleidigt: Ein Rabbiner und seine Söhne sind in München von zwei Unbekannten angegriffen worden. Der bayerische Antisemitismus-Beauftragte Ludwig Spaenle verurteilte die Attacke scharf. Die Polizei sucht Zeugen.

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Der Antisemitismusbeauftrage der bayerischen Staatsregierung, Ludwig Spaenle, hat die Attacke auf eine Rabbiner-Familie in München als "Angriff auf die ganze Münchner Stadtgesellschaft" verurteilt. Spaenle appellierte an alle Bürger, bei auffälligem Verhalten gegenüber Jüdinnen und Juden genau hinzuschauen und konsequent zu handeln.

"Wir müssen deutlich machen, dass wir das Angehen von Jüdinnen und Juden bei uns nicht dulden", sagte der CSU-Politiker. Im Bedarfsfall seien sofort die Polizei und die Sicherheitsbehörden zu verständigen. Spaenle wies in diesem Zusammenhang auch auf die neu geschaffene Meldestelle für antisemitische Vorfälle hin (www.rias-bayern.de).

Polizei ermittelt gegen zwei Unbekannte

Unbekannte hatten am Samstagnachmittag in München einen Rabbiner und seine beiden Söhne nach dem Besuch einer Synagoge beleidigt und bespuckt. Der Vorfall ereignete sich in der Hohenzollernstraße in Schwabing. Die Polizei ermittelt wegen Beleidigung und Volksverhetzung.

Der 53-jährige Rabbiner war laut Polizei mit den 19 Jahre alten Zwillingen im Stadtteil Schwabing unterwegs, als sie zunächst von einem unbekannten Mann als "Scheiß Juden" beleidigt wurden. Die drei trugen die Kippa und waren damit als Juden zu erkennen. Der Unbekannte entfernte sich nach der Attacke.

Eine Autofahrerin, die den Vorfall beobachtet hatte, beleidigte daraufhin die Söhne des Rabbiners mit denselben Worten. Als einer der 19-Jährigen sich zur Beifahrerseite beugte, um die Frau zur Rede zu stellen, wiederholte sie die Beleidigung und spuckte ihm ins Gesicht. Anschließend fuhr sie davon.

Polizei sucht nach Zeugen

Die Gruppe erstattete Anzeige gegen Unbekannt, das für politisch motivierte Gewalt zuständige Kommissariat ermittelt. Die Polizei sucht Zeugen des Vorfalls: Der Mann soll etwa 45 Jahre alt sein und sprach hochdeutsch, die Frau wird auf 35 Jahre geschätzt und als "orientalischer Typ" beschrieben. Nach jetzigem Kenntnisstand stehen die beiden Unbekannten in keiner Verbindung zueinander.

Knobloch sieht gefährlichen Trend

2017 waren im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums München 51 Straftaten mit antisemitischem Hintergrund angezeigt worden, im vergangenen Jahr stieg die Zahl auf 86 Fälle. Für 2019 liegen noch keine Angaben vor. Bayernweit wurden im vergangenen Jahr 219 antisemitisch motivierte Taten registriert - 2017 waren es 148.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, sieht einen gefährlichen Trend, dem dringend Einhalt geboten werden müsse. Der Vorfall sei "leider symptomatisch für die schwierige Situation vieler jüdischer Menschen in der heutigen Zeit", so Knobloch. Sie beklagte: "Sicherheit im öffentlichen Raum, die eigentlich für alle Bürger selbstverständlich sein sollte, rückt gerade für Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft in immer weitere Ferne. Dieses Sicherheitsgefühl muss nun so schnell wie möglich wiederhergestellt werden, damit solche Vorfälle sich nicht wiederholen können."

Regionalbischöfin: "Eine Schande"

Auch andere Personen des öffentlichen Lebens zeigten sich entsetzt. Die evangelische Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler twitterte, es sei "eine Schande, dass so etwas in unserer Stadt geschieht", judenfeindlichen Äußerungen müsse man entschlossen entgegentreten.

Minister Herrmann verurteilt antisemitischen Übergriff

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bezeichnete den Übergriff als "inakzeptabel" und "abscheulich". Er verurteile solch antisemitische Umtriebe "auf das Schärfste". Die Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft ermutigte er, sich nicht einschüchtern zu lassen.

Der SPD-Landtagsabgeordnete und Landtagsvizepräsident Markus Rinderspacher schrieb, Bayern müsse alles tun, um antisemitische Straftaten aufzuklären, auch mehr Prävention sei nötig.

© BR

Charlotte Knobloch, Israelitische Kultusgemeinde München