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Gerodetes Hanggrundstück in Gerbrunn

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    Entsetzen bei Igelstation in Gerbrunn: War Hangrodung rechtens?

    In Gerbrunn wurde ein zugewachsenes Hanggrundstück neben der Igelstation gerodet. "Die haben dabei unsere Igel gemulcht", klagt Gudrun Martin von der Igelstation. Wie der Bund Naturschutz sieht Martin darin einen Verstoß gegen das Naturschutzgesetz.

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    Von
    • Jürgen Gläser

    Die Igelstation in Gerbrunn ist einmalig in Unterfranken. Gudrun und Herbert Martin kümmern sich dort seit 31 Jahren um kleine Igel. Schon seit 21 Jahren haben sie ihre Igelstation. Dort bimmelt das Telefon momentan im Zehn-Minuten-Takt. Immer wieder werden kleine Igel gefunden, die dann in der Igelstation beim Ehepaar Martin abgegeben werden.

    Nachbargrundstück war ideales Areal

    Gudrun Martin sitzt am Küchentisch, mit einem fünf Wochen alten Igel vor sich. Der kleine Igel ist zwei Stunden zuvor bei ihr abgegeben worden. Die Mutter hat ihn offenbar verlassen. In der Natur würde er den Winter nicht überstehen. Gudrun Martin päppelt ihn nun mit Katzennassfutter auf, das der kleine Igel laut schmatzend vertilgt. "Die Igel werden bei uns aufgezogen", berichtet ihr Mann Herbert Martin und fährt fort: "Wenn sie genug Gewicht haben, wird das Gehege aufgemacht. Dann werden sie ausgewildert. Wir hatten 20 Jahre lang die Möglichkeit, die Igel im Nachbargrundstück auszusetzen, weil das völlig verwildert war, mit dichtem Gestrüpp, Hecken und Bäumen zugewachsen war. Da haben die gefahrlos leben können.

    "Die haben unsere Igel gemulcht – das tut verdammt weh!"

    Doch vergangene Woche, früh morgens um 6.40 Uhr kam ein großer gelber Bagger. Meter für Meter wurden Hecken, Büsche und Bäume am Hang gemulcht. Nicht nur all die Igel, die die Martins auf dem Nachbargrundstück ausgewildert hatten, kamen dabei vermutlich ums Leben, sondern auch andere Tiere, wie Eidechsen, Haselmäuse oder Vögel. "Das Schlimme ist, wenn man die Igel mit der Flasche aufzieht, füttert, aufpäppelt – und sie werden dann gemulcht. Das tut natürlich verdammt weh!", beschreibt Gudrun Martin.

    Rodung war laut Landratsamt rechtens

    Gerbrunns Bürgermeister Stefan Wolfshörndl kann nachvollziehen, dass die Martins schockiert sind. Aber der neue Eigentümer des Hanggrundstücks wolle nun eben bauen. Bauplanungsrechtlich seien der Gemeinde Gerbrunn die Hände gebunden. Den Bebauungsplan für das Gebiet gebe es schon seit den 90er Jahren. Der Bauantrag sei im Sommer eingereicht worden. Das Landratsamt Würzburg sei für die Erteilung von Baugenehmigungen zuständig. Und damit sei die Gemeinde Gerbrunn aus dem Thema draußen, so Bürgermeister Wolfshörndl. Im Landratsamt Würzburg heißt es wiederum: Nach Informationslage sei das Roden des Grundstücks im Zusammenhang mit dem beabsichtigten Bauvorhaben nicht zu beanstanden.

    Bund Naturschutz sieht Verstoß gegen Naturschutzgesetz

    Der Bund Naturschutz (BN) in Würzburg sieht das ganz anders: Das betreffende Hanggrundstück sei über 20 Jahre hinweg zugewachsen, so Steffen Jodl von der BN-Kreisgruppe Würzburg. "Da kann man nicht einfach in so eine Fläche reingehen und die roden und dabei möglicherweise europarechtlich geschützte Arten, wie die Haselmaus, bei ihrer Überwinterung töten", erklärt er und fügt hinzu: "Deshalb muss das vorher untersucht werden. Dafür haben wir den Paragraphen 44 Bundesnaturschutzgesetz." Jodl fährt fort: "Wenn das nicht stattgefunden hat, ist das aus unser Sicht ein glatter Verstoß gegen diese Vorgaben. Und die Tierarten, die sich hier in Winterruhe befanden, sind durch diese Maßnahme getötet worden!"

    Igelstation sucht nun Ausweichquartiere

    Das Ehepaar Martin sucht nun dringend Pflege-Familien, die aufgepäppelte Igel bei sich im eigenen Garten aufnehmen und weiter versorgen. Denn das Biotop neben der Igelstation gibt es ja nicht mehr.

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    Igel aus der Gerbrunner Igelstation

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