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Entlastung für Kliniken: Das Infektmobil kommt zu den Patienten | BR24

© Gabriele Uitz/BR

Viele Menschen klagen derzeit darüber, dass die Nummer des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes überlastet ist. Im Landkreis Landsberg am Lech soll nun neben der Infektambulanz auch ein Infektmobil die Hausärzte und Kliniken entlasten.

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Entlastung für Kliniken: Das Infektmobil kommt zu den Patienten

Viele Menschen klagen derzeit darüber, dass die Nummer des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes überlastet ist. Im Landkreis Landsberg am Lech soll nun neben der Infektambulanz auch ein Infektmobil die Hausärzte und Kliniken entlasten.

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Immer öfter klingelt das Telefon in der Landsberger Infektambulanz. Sie wurde vor wenigen Wochen in den Räumen der Bezirks-Tagesklinik eingerichtet.

Menschen, die an Corona-Symptomen leiden, können sich hier telefonisch melden, anstatt in ihre Hausarztpraxis zu gehen oder in eine Notaufnahme. Viele Patienten werden auch durch die Hausärzte im Landkreis Landsberg hierher vermittelt. Wer nicht selbst herfahren kann, weil er zu eingeschränkt ist, zu dem kommt die Untersuchung nach Hause - mit dem Infektmobil.

Besatzung voll ausgerüstet

Die Besatzung des Infektmobils - jeweils ein diensthabender Arzt und zwei Sanitäter - trägt die komplette Schutzmontur, damit sie und die Patienten sich nicht anstecken. Die Untersuchung der Erkrankten findet stets in deren Wohnung statt, damit möglichst wenige Viren verstreut werden.

An diesem Tag ist HNO-Arzt Robert Gürkov im Dienst. "Wenn wir angekommen sind, untersuchen wir den Patienten und nehmen in den meisten Fällen auch einen Abstrich, um zu schauen, ob er vielleicht schon eine Infektion hat", erklärt Gürkov. Danach muss er entscheiden, ob der Patient daheim bleiben kann oder ob er so schwer erkrankt ist, dass er im Krankenhaus behandelt werden muss.

Entlastung für Ärzte, weniger Ansteckungsgefahr

Die meisten Patienten können zuhause bleiben und dort isoliert behandelt werden, sagt Dr. Markus Hüttl, der das Infektmobil initiiert hat. Dessen Einrichtung entlaste in erster Linie die Hausärzte und Kliniken.

Potenziell Infizierte müssen sich nicht selbst auf den Weg zum Arzt machen. So reduziere man auch die Ansteckungsgefahr, erklärt Hüttl. Wichtig dafür sei ein speziell ausgebildetes Team, das gekonnt mit der Schutzausrüstung und den Patienten umgehen kann.

Regelmäßig mit Patienten im Kontakt

Hüttl ist der Versorgungsarzt des Landkreises Landsberg. Der Krisenmediziner hat in Kriegswirren Kliniken errichtet, er arbeitet für die WHO und leitete während der Ebola-Epidemie in Sierra Leone eine Klinik. Nun sitzt er im großen Sitzungssaal des Landratsamtes Landsberg und ist während der Coronakrise für die medizinische Versorgung der Bürger hier zuständig.

Hüttls Ansatz ist es, Patienten zuhause zu behandeln, was in den meisten Fällen auch geht. Diese werden dann kontinuierlich betreut. "Das Infektmobil fährt wieder hin, wir werden den Patienten alle drei Tage anrufen, kontaktieren und sehen, wie es ihm geht und wenn der Patient eine weitere Therapie bräuchte, wie zum Beispiel physiotherapeutische Therapie, werden wir wieder hinfahren und den Patienten weiter betreuen", erklärt Hüttl.

Sechs Fahrten am Tag

Das Infektmobil gibt es erst seit wenigen Tagen. Ein Einsatz mit Fahrt, Untersuchung und Gespräch dauert etwa 60 bis 90 Minuten. Rund sechs Fahrten am Tag sind so möglich - und momentan auch notwendig.

Die Kosten für das Infektmobil trägt derzeit der Landkreis Landsberg, weil die Bezahlung der Ärzte durch die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns noch nicht geklärt ist. Personal und Fahrzeug kommen vom Bayerischen Roten Kreuz, das die Fahrten in Rechnung stellt.

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