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Entführungsfall Ursula Herrmann: Bruder gibt auf | BR24

© BR/Barbara Leinfelder

Michael Herrmann setzt einen Schlusspunkt: Der Bruder der 1981 entführten, damals zehnjährigen Ursula, will nicht länger für eine Wiederaufnahme der Ermittlungen kämpfen. Das ließ er über seine Anwalt mitteilen.

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Entführungsfall Ursula Herrmann: Bruder gibt auf

Wegen der Entführung von Ursula Herrmann sitzt Werner Mazurek eine Haftstrafe ab. Immer wieder bezweifelte Ursulas Bruder Michael dessen Schuld. Er will nun einen Schlussstrich ziehen – macht der Staatsanwaltschaft aber noch einmal Vorwürfe.

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Im Entführungsfall Ursula Herrmann wird es trotz der Vorbehalte ihres Bruders keine neuen Ermittlungen geben. Michael Herrmann hatte mehrmals Zweifel daran geäußert, dass mit dem zu lebenslanger Haft verurteilten Werner Mazurek der richtige Täter im Gefängnis sitzt. Dazu hat Herrmann zuletzt auch eigene Unterlagen bei der Augsburger Staatsanwaltschaft eingereicht. Nachdem diese gestern weitere Ermittlungen ausschloss, ließ Herrmann heute über seinen Anwalt mitteilen, dass er nicht weiter für eine Wiederaufnahme kämpfen werde. Dennoch spart er in dem Schreiben nicht mit Kritik an der Anklagebehörde.

Staatsanwaltschaft sieht im Fall Ursula Herrmann keine Grundlage für neue Ermittlungen

In einer Mitteilung zum Fall Ursula Herrmann erklärte die Staatsanwaltschaft Augsburg am Dienstag, dass die Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme des Falls nicht gegeben seien: "Die Hinweise bieten keine ausreichende Grundlage dafür, das Gesamtgefüge der Indizien, auf dem das rechtskräftige Urteil des Landgerichts Augsburg vom 25.03.2010 basiert, zu erschüttern", so Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai.

An jenem 25. März 2010 wurde Werner Mazurek nach einem mehrere Wochen dauernden Prozess wegen erpresserischen Menschenraubs mit Todesfolge verurteilt. Seine ebenfalls angeklagte Ehefrau wurde freigesprochen. Der BGH bestätigte später die lebenslange Haft gegen Mazurek.

Herrmann zweifelt an Zeugenaussage und hält Indizien für technisch überholt

Michael Herrmanns Anwalt, Joachim Feller, erklärte heute zu der Mitteilung der Staatsanwaltschaft: "Dieser Auffassung wird entschieden entgegengetreten", und weiter: "Die Indizien, die zur rechtskräftigen Verurteilung des Werner Mazurek führten, sind nach heutigem Kenntnisstand erschüttert." Das Urteil basiere etwa auf der Annahme, dass ein bei Mazurek gefundenes Tonbandgerät Tatmittel war. Das aber sei "nach heutigen technischen und physikalischen Erkenntnissen nicht mehr vertretbar", betont der Anwalt von Michael Herrmann. Er kritisiert auch, dass das Urteil des Landgerichts auf Angaben eines Zeugen beruht, "der zum Zeitpunkt des Strafverfahrens bereits verstorben war und dessen Glaubwürdigkeit durch die damals mit dem Fall betrauten Leiter der Sonderkommission Ursula Herrmann in Frage gestellt worden war".

Verdacht gegen andere Täter

Herrmanns Anwalt erklärte, die von seinem Mandanten gesammelten Indizien böten in ihrem Gesamtgefüge eine ausreichende Grundlage, einen Anfangsverdacht in Richtung eines anderen Täterkreises zu begründen, so Feller heute: Aus der Sicht von Michael Herrmann seien "diese Indizien umfangreicher und stärker, als die damals zur Verurteilung führenden Indizien". Nicht nachvollziehbar sei auch, so Feller, dass die Staatsanwaltschaft von einer Verjährung ausgeht. Herrmann halte eine Einstufung der Tat als Mord für möglich, in diesem Fall gebe es keine Verjährung, die Ermittlungen könnten unter bestimmten Umständen neu aufgenommen werden.

Michael Herrmann will Schlussstrich ziehen

Trotz aller Bedenken wolle sein Mandant jetzt einen Schlussstrich ziehen. Michael Herrmann werde die Entscheidung der Staatsanwaltschaft respektieren, auch wenn er anderer Auffassung sei. "Herr Herrmann hat sich über Jahre der Öffentlichkeit ausgesetzt. Dies findet hiermit sein Ende", erklärte Herrmanns Anwalt.

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Der Bruder der 1981 entführten, damals zehnjährigen Ursula, will nicht länger für eine Wiederaufnahme der Ermittlungen kämpfen. Das gab er nun über seinen Anwalt bekannt. Dennoch spart er in dem Schreiben nicht mit Kritik an der Anklagebehörde.