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Engpässe in Würzburg: Impfzentrum muss erneut Termine absagen | BR24

© dpa-Bildfunk/Karl-Josef Hildenbrand

Das Würzburger Impfzentrum Mitte Dezember 2020: Viele Stühle im Wartebereich stehen allerdings weiterhin leer. Es fehlt an Impfstoff.

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    Engpässe in Würzburg: Impfzentrum muss erneut Termine absagen

    Als einer der ersten Standorte in Bayern öffneten Stadt und Landkreis Würzburg ihre Impfzentren. Doch nun müssen diese zum wiederholten Mal eine Pause einlegen. Es kommt weniger Impfstoff an als erwartet. Ein Teil der Termine muss abgesagt werden.

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    Von
    • Carolin Hasenauer
    • Pirmin Breninek

    Etwa 20 Stühle stehen in dem Wartebereich, doch nur einer ist an diesem Montag um die Mittagszeit besetzt. Ein Mann ist zum Impfen gekommen, er muss nicht lange warten, bis er an der Reihe ist. Das Würzburger Impfzentrum an der Talavera hat bereits seit knapp zwei Wochen geöffnet, zahlreiche Helferinnen und Helfer stehen bereit. Doch der Start verlief holprig. Es fehlt schlicht an Impfdosen. Nun müssen Stadt und Landkreis erneut Termine absagen.

    Verantwortliche rechneten mit mehr Impfstoff

    Ab Mittwoch wird in den Impfzentren in Giebelstadt und Würzburg vorerst nicht mehr geimpft. Es ist bereits die zweite unfreiwillige Impfpause. Grund dafür seien Engpässe bei der Belieferung. Das sagten Michael Dröse und Dr. Christoph Zander bei einer Sitzung des Kreisausschusses in Würzburg. Dröse ist einer der beiden Verwaltungsleiter der Impfzentren in Stadt und Landkreis, Zander koordinierender Arzt der Impfzentren. Voraussichtlich erst im Laufe der nächsten Woche können die Impfungen der nächsten Dosen starten.

    Impftermine werden abgesagt

    Bereits vereinbarte Impftermine, etwa für Menschen über 80 Jahre, müssen deshalb abgesagt werden. Das war bereits vergangene Woche so. Da rechneten Stadt und Landkreis Anfang der Woche mit einer Lieferung. Diese kam dann allerdings erst Ende der Woche an. Zahlreiche Termine konnten nicht stattfinden. Stattdessen sollen die betroffenen Personen nun an dem Tag, an dem ihre zweite Impfung hätte stattfinden sollen, zum ersten Mal geimpft werden.

    Impfdosen sollen zunächst an Seniorenheimen gehen

    Auf ein ähnliches Prozedere hofft Thomas Kühner auch bei den erneuten Absagen. Vorausgesetzt, es sei bis dahin ausreichend Impfstoff vorhanden. Kühner ist Verwaltungsleiter des Impfzentrums für die Stadt Würzburg. Er erwartet in dieser Woche einmal 696 Impfdosen und Ende der Woche noch einmal 462 Dosen. Das ist weniger als zum Zeitpunkt der Terminvergabe erhofft, weshalb die verfügbaren Impfstoffe zunächst den mobilen Teams zur Verfügung stehen sollen – etwa für die Bewohner von Senioreneinrichtungen. In einem eigens eingerichteten Portal für die Würzburger Impfzentren können bereits seit mehreren Tagen keine neuen Termine gebucht werden.

    Erst-Impfung in Heimen voraussichtlich im Januar abgeschlossen

    Zumindest hier können Dröse und Zander jedoch einen Lichtblick vermelden: Sie gehen davon aus, dass bis zum 25. Januar alle Pflegeheim-Bewohner eine erste Impfung erhalten haben sollten. "Das ist ein wahnsinniger Erfolg ob der Widrigkeiten", sagt Dröse. Die mobilen Impfteams sind seit dem 27. Dezember im Einsatz. Gleiwohl bemängelt auch Dröse, dass Impfdosenlieferungen teilweise erst 24 Stunden vorher bekannt gegeben werden: "Das stellt uns und die Hilfsorganisationen vor große Herausforderungen." Dies sei auch dann der Fall, wenn geplante Lieferungen abgesagt werden. "Das macht uns das Leben schwer, was die Umsetzung der Impfstrategie angeht."

    Bislang etwa 2.800 Impfungen im Raum Würzburg

    Durch die mobilen Impfteams konnten bislang beinahe so viele Impfungen durchgeführt werden wie in den Impfzentren: 1.274 waren es nach Angaben Dröses bislang mit den mobilen Impfteams, 1.524 in den beiden Impfzentren. Bislang sei es gelungen alle Impfdosen zu verimpfen und nichts wegwerfen zu müssen.

    Zunächst keine externen Impflinien im Kreis Würzburg

    Von externen Impflinien wird der Landkreis allerdings voraussichtlich Abstand nehmen. Ursprünglich war geplant für die Bevölkerung in der Fläche, die nicht gut an die Impfzentren angeschlossen oder schlichtweg nicht mobil ist, 17 externe Impflinien, etwa in Gemeindesälen, zu starten. Das Vorhaben wurde jedoch vorerst verworfen. Es sei derzeit nicht realisierbar, weil es nicht genügend Impfstoff gebe.

    Kritik an Verteilung des Impfstoffs

    Auf die Verteilung des Impfstoffs habe man keinen Einfluss, betont noch einmal Christoph Zander. Diese erfolgt über das Gesundheitsministerium des Freistaats. "Insgesamt sind die großen Landkreise weniger bedacht worden als die kleineren", sagt Zander. Dem entgegnet das Gesundheitsministerium, dass für die Verteilung innerhalb der Regierungsbezirke die Koordinationsstellen zuständig seien. Diese würden sich grundsätzlich an den Einwohnerzahlen der Landkreise orientieren.

    Gewisser bürokratischer Aufwand laut Ministerium nicht vermeidbar

    Außerdem bereite dem Team um Zander und Dröse die Bürokratie rund ums Impfen Bauchschmerzen. "Das Impfen an sich ist nicht das Problem. Der Flaschenhals ist die Bürokratie. Das ist ein wahnwitziger Aufwand", sagt Dröse. Zwar sei eine spezielle Software im Einsatz, die aber ein Datenchaos erschaffen würde. "Der Papieraufwand ist trotz digitaler Software gigantisch". Vom Gesundheitsministerium heißt es dazu, dass die bürokratische Belastung so gering wie möglich gehalten werden soll. Ein bürokratischer Aufwand in gewissem Umfang lasse sich jedoch nicht vermeiden. "Optimierungen werden hier aber selbstverständlich laufend, auch anhand der Rückmeldungen aus den Impfzentren, von Seiten des StMGP geprüft und gegebenenfalls veranlasst", heißt es von einem Ministeriumssprecher.

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