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Weil Bayern künftig einen großen Teil seines Stroms importieren muss, werden Leitungsverbindungen immer wichtiger.

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    Energiewende: Wo kommt künftig der Strom für Bayern her?

    Wo kommt der Strom für Bayern her? Das ändert sich derzeit markant. Ein großer Umbruch in der Stromversorgung passiert – immer weniger der in Bayern verbrauchten Elektrizität kommt auch von hier. Ist das ein Problem?

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    Von
    • Lorenz Storch

    Bayern war Jahrzehnte lang mehr oder weniger Selbstversorger in Sachen Strom. Aber dabei war vor allem die Atomkraft der Grundpfeiler der Erzeugung. Seit den 1980er Jahren kamen zwei Drittel des bayerischen Stroms aus Kernkraft. Aber Ende nächsten Jahres ist endgültig Schluss damit, dann sind auch die letzten Reaktoren Gundremmingen C und Isar 2 vom Netz.

    Was eine Lücke reißen wird, so Detlef Fischer vom Verband der bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW): "Mit dem Abschalten der Kernkraftwerke muss Bayern verstärkt Strom importieren, vor allem im Winter."

    40 Prozent des Stroms muss künftig wohl importiert werden

    Das ist unter Experten weitgehend Konsens. Christoph Timpe vom Ökoinstitut hat die bayerische Strombilanz untersucht. Das Ergebnis: Wenn die Energiepolitik weiterläuft wie bisher, muss Bayern Mitte des kommenden Jahrzehnts im Jahresdurchschnitt fast 40 Prozent seines Stroms importieren. Timpe betont jedoch: "Grundsätzlich ist es kein Problem, wenn ein Bundesland seinen Strombedarf nicht selber deckt. Das ist eigentlich sogar im Zuge der Energiewende sinnvoll, denn zum Beispiel Windstrom kann in Norddeutschland kostengünstiger erzeugt werden."

    In Bayern wäre viel Platz für Windkraft und Photovoltaik

    Trotzdem hat Bayern als flächenmäßig größtes deutsches Bundesland auch gute Möglichkeiten zum Ausbau der Energien, meint der Wissenschaftler. Und sollte diese auch nutzen, denn Bayern und Deutschland brauchen für das Erreichen der Klimaziele sehr viel klimaneutral erzeugten Strom.

    Bayern könnte im nächsten Jahrzehnt seine Photovoltaikkapazität verdreifachen und die Windkraft verdoppeln, hat das Ökoinstitut errechnet. Damit bleibt dieses Ausbauszenario stark hinter den Ausbauzahlen zurück, die eine Studie im Auftrag des Bund Naturschutz errechnet hat - für den Fall, dass Bayern sich zu 100 Prozent selbst mit erneuerbaren Energien versorgen will. Anders als solche Maximalforderungen ist nach Ansicht des Ökoinstituts ein Ausbau im von ihm vorgeschlagenen Rahmen realistisch und gut machbar, ohne zu große Konflikte mit Naturschutz und Landschaftsschutz. Das wäre auch wirtschaftlich sinnvoll, weil Wertschöpfung so im Land bleibt.

    Derzeit Windkraftausbau beinahe gestoppt

    Eine Politikänderung bräuchte es aber auch dafür in jedem Fall. Aktuell ist der Windkraftausbau im Freistaat beinahe gestoppt. Als Folge der vom damaligen CSU-Ministerpräsidenten Horst Seehofer eingeführten bayerischen 10H-Sonderregel zum Mindestabstand von Windrädern zu Siedlungen. Die Freien Wähler fordern die Abschaffung von 10H, SPD und Grüne sowieso, die CSU lehnt das jedoch weiter ab. Obwohl auch die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) einen möglichst starken Ausbau von Windkraft und Photovoltaik fordert – weil das auch in Bayern wirtschaftlich ist und für billigere Strompreise sorgt.

    Gaskraftwerke nur als Sicherheitsnetz

    Gaskraftwerke, über die Bayerns Energiepolitik schon lange diskutiert, braucht es ebenfalls, da sind sich der Branchenverband VBEW und das Ökoinstitut einig. Aber weil der Strom daraus teuer ist und zumindest vorläufig nicht CO2-frei, werden die Gaskraftwerke künftig wahrscheinlich nur wenige Stunden jährlich laufen – bei Dunkelflaute im Winter.

    Stromleitungen entscheidend

    Wenn der Freistaat die Potenziale ausschöpft, die das Ökoinstitut bei Wind und Sonne sieht, muss Bayern künftig übrigens trotzdem noch ein Viertel seines Stroms aus Norddeutschland importieren. Der Ausbau der großen Stromleitungen ist also entscheidend für Bayerns Versorgungssicherheit.

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