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Energiewende: Pfaffenhofen hofft auf Merkel | BR24

© picture-alliance/dpa

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Energiewende: Pfaffenhofen hofft auf Merkel

Die Stadt Pfaffenhofen an der Ilm hat ein ehrgeiziges Ziel: Sie will ihre Bürger mit 100 Prozent grünem Strom versorgen. Technisch ist dafür eine Lösung gefunden, doch es fehlt das Geld. Jetzt hofft die Kommune auf Hilfe von Angela Merkel.

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In Pfaffenhofen an der Ilm in Oberbayern ist man überzeugt: Es braucht nur fünf Windräder und eine neuartige Technologie, um schon bald den gesamten Strom in der Gemeinde nachhaltig und regional zu erzeugen. "Power-to-Gas-Technologie" mit Hilfe von Mikroorganismen nennt sich das innovative Verfahren, mit dem die Stadtwerke auf ihrem Klärwerksgelände die Energiewende meistern wollen.

Aus Windstrom wird klimaneutrales Gas

Funktionieren soll diese Dekarbonisierung, kurzum: der Pfaffenhofener Kohle-Ausstieg so: Mit dem überschüssigen Windstrom wird mittels Elektrolyse aus Wasser Wasserstoff und Sauerstoff erzeugt. Dann kommen sogenannte "Archäen" ins Spiel, winzig kleine Mikroorganismen. Werden die mit dem "grünen" Wasserstoff und dem CO2 aus dem Klärwerk gefüttert, produzieren sie in unbegrenzter Menge klimaneutrales CH4, sogenanntes grünes Methan. Damit ist aus dem schwer speicherbaren Windstrom ein klimaneutrales Gas geworden.

In Tanks oder auch nur im Erdgasnetz ist es ganz einfach zu speichern. Das stadtwerkseigene Blockheizkraft kann dann bei Bedarf grünen Strom produzieren. Und auch die städtische Busflotte könnte so mit klimaneutralem Treibstoff versorgt werden, so der Gedanke in Pfaffenhofen.

Hoffen auf die gelernte Physikerin Angela Merkel

In Pfaffenhofen hofft man, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dem Energiewendeprojekt der 26.000-Einwohnerstadt zum Durchbruch verhilft. Bürgermeister Thomas Herker (SPD) hat die Kanzlerin zu einem Besuch eingeladen. Seine Hoffnung: Wenn Merkel sich selbst über die fertig geplante Power-to-Gas-Anlage informiert, fließen vielleicht endlich die Fördermittel, die den Stadtwerken zur Realisierung fehlen.

Solch ein Modell wäre wegweisend für viele Kommunen und einer der Schlüssel zu einer nachhaltigen sowie lokalen Energieerzeugung in ganz Deutschland, schreibt der Bürgermeister in seinem Einladungsschreiben an die Kanzlerin. Bisher scheitert das Projekt daran, dass die Stadtwerke auf den eigenen Windstrom alle Steuern und Abgaben wie beispielsweise die EEG-Umlage bezahlen müssen. Dadurch würde ein jährliches Defizit von 270.000 Euro entstehen.

Ist es wirklich so simpel?

Pfaffenhofens Umweltreferent Andreas Herschmann (SPD) ist überzeugt von der Technologie. In Pfaffenhofen wäre eine große Anlage nach diesem Power-to-Gas-Prinzip jetzt der letzte Schritt, um bei der Energiewende zu zeigen, dass es möglich ist. Das gelte für alle Kommunen in Bayern. Denn jede Kommune habe ein Klärwerk und jede könne diese Technologie einsetzen, sagt Herschmann.

Professor Michael Sterner, ein Spezialist für Energiespeichertechnik aus Regensburg, propagiert die Power-to-Gas-Technologie seit mehr als 10 Jahren. Er betreibt selbst einen kleinen Versuchsreaktor mit Archäen und behauptet, dies sei der richtige Weg: "Es ist keine Hexerei, es ist ganz normaler deutscher Maschinenbau."

© BR / Christoph Arnowski

Die Stadt Pfaffenhofen an der Ilm hat ein ehrgeiziges Ziel: Sie will ihre Bürger mit 100 Prozent grünem Strom versorgen. Technisch ist dafür eine Lösung gefunden, doch es fehlt das Geld. Jetzt hofft die Kommune auf die Hilfe von Angela Merkel.