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Energiewende: Mieter gegenüber Eigentümern benachteiligt | BR24

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Mieter haben beim Solarstrom gegenüber Hauseigentümern immer noch das Nachsehen.

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Energiewende: Mieter gegenüber Eigentümern benachteiligt

Verbilligter Photovoltaikstrom vom Dach auch für Mieter – das soll seit bald drei Jahren das sogenannte Mieterstromgesetz ermöglichen. Es wird jedoch kaum genutzt. Die Solarbranche fordert Nachbesserungen.

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Nur sehr wenige Mieter bekommen bisher billigen Solarstrom vom Hausdach. Das belegt eine Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums: 677 Anlagen mit Mieterstrom sind bisher insgesamt entstanden (Stand Juli 2019). Verschwindend wenige - zumal 370.000 Wohnhäuser in Deutschland prinzipiell für Mieterstrom geeignet wären. Da hilft es wenig, dass in Bayern gemeinsam mit Baden-Württemberg im Bundesvergleich noch die meisten Mieterstrom-Anlagen realisiert worden sind.

💡 "Was ist Mieterstrom?"

Das Mieterstrom-Gesetz, das seit 2017 gilt, erlaubt den vergünstigten Bezug von Strom, der im Haus des Mieters produziert wird und nicht durchs öffentliche Stromnetz fließt. Als Stromanbieter tritt normalerweise nicht der Vermieter auf, sondern ein auf Mieterstrom spezialisierter Stromversorger. Ihm gehören oft auch die Photovoltaik-Module und er übernimmt die Abrechnung.

PV-Mieterstrom ist von einem großen Teil der Abgaben und Umlagen befreit, zum Beispiel von den Netzentgelten. Allerdings wird die volle Erneuerbare-Energien-Umlage fällig, die ab dem kommenden Jahr 6,8 Cent pro Kilowattstunde beträgt. Im Gegenzug wird dann wieder ein Zuschlag für den Mieterstrom bezahlt, der auch den Mehraufwand für Messung, Abrechnung und Vertrieb ausgleichen soll. Dieser Zuschlag beträgt je nach Größe der Anlage zwischen 0 und 1,6 Cent pro Kilowattstunde.

Mieterstrom wird nur selten genutzt

Die etablierten Energieversorger sahen die Förderung des Mieterstroms von Anfang an kritisch. Sie befürchteten, dass ihnen durch die Selbstversorgung von Mietshäusern Geld entgeht und, dass die Basis für die Umlage beispielsweise der Netzkosten geringer wird.

Der Gesetzgeber zog deshalb eine Bremse ein: Jährlich dürfen maximal 500 Megawatt an Mieterstromanlagen hinzukommen. Die Befürchtungen haben sich jedoch als gegenstandslos erwiesen: Statt sich zu einer breiten Fluchtbewegung aus normalen Stromtarifen zu entwickeln, blieb Mieterstrom eine seltene Ausnahme.

In den zweieinhalb Jahren seit es die Mieterstromregelung gibt, wurden bundesweit insgesamt nicht mal drei Prozent der jährlich erlaubten Leistung von 500 Megawatt realisiert.

Auflagen, die es für Eigenstrom im Einfamilienhaus nicht gibt

Das Potenzial des Mieterstroms wäre groß, aber es wird nicht genutzt, klagt die Solarbranche:

"Der Grund dafür ist, dass es einfach viel zu kompliziert ist. Die Politik hat durch eine schwierige Gesetzgebung den Mieterstrom eigentlich eher behindert als gefördert." Andreas Horn, Solarverband Bayern

Und Horn sieht eine Ungerechtigkeit: Während Einfamilienhaus-Eigentümer den Strom vom eigenen Dach abgabenfrei verbrauchen dürfen und so ihre Stromkosten senken, müssen Mieter die volle Erneuerbare-Energien-Umlage von knapp 7 Cent pro Kilowattstunde zahlen.

Zum Ausgleich wird dann wieder eine Zulage bezahlt, die im kommenden Jahr jedoch für größere Anlagen auf null sinkt. Mit diesem hin- und herbuchen von Geld sind teure Auflagen für Messung und Dokumentation verbunden, die den Mieterstrom unattraktiv machen.

Es braucht Vermieter mit sozialem und ökologischem Gewissen

Dazu kommt: Ohne den Vermieter und Hauseigentümer geht es nicht. Und das Interesse der Immobilienbesitzer am Mieterstrommodell ist bisher verhalten. Was daran liegen könnte, dass der Großteil des finanziellen Vorteils eben dem Mieter zugute kommen soll, dessen Nebenkosten günstiger werden.

Das macht dann zwar potenziell die Wohnungen im Haus attraktiver und damit besser vermietbar. Aber auf diesen Vorteil sind Immobilienbesitzer angesichts des Mietmarkts in den Städten derzeit nicht angewiesen.

Es brauche beim Vermieter schon ein soziales oder ökologisches Verantwortungsgefühl, damit er beim Mieterstrom mitmacht, heißt es zum Beispiel von Naturstrom, einem der führenden Unternehmen in diesem Bereich: "Wir brauchen Idealismus dabei, und keiner wird reich. Wir können so gerade eben noch einige Mieterstromprojekte umsetzen – aber nur im Neubau, im Bestand funktioniert es nicht", so Klaus Gruber von Naturstrom.

Solarverband fordert Gleichstellung von Mietern

Der Solarverband Bayern sieht ein verschenktes Potenzial – schließlich seien gerade in den Städten noch viele Dächer leer und böten Platz für Photovoltaik. Und er fordert, die Mieter mit Eigentümern gleichzustellen und die EEG-Umlage für Mieterstrom abzuschaffen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte eigentlich bis Herbst Vorschläge angekündigt, um die Mieterstromregelung nachzubessern. Sie lassen jedoch bisher noch auf sich warten.