Eisstadion Mittenwald

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Mittenwald: Eishalle muss wegen hoher Energiepreise schließen

Mittenwald: Eishalle muss wegen hoher Energiepreise schließen

Um 266 Prozent sind die Energiekosten in der Mittenwald Arena gestiegen, allein im Monat August betrug die Rechnung für Strom und Gas 32.000 Euro. Den privaten Betreibern bleibt keine Wahl, zum 16. Oktober macht die Eishalle dicht - für immer.

Jutta Mayer, Geschäftsführerin der Arena Mittenwald GmbH, hat den Schock der Abrechnung noch immer nicht verdaut. Als von gestiegenen Gaspreisen die Rede gewesen sei, habe sie sich noch keine Sorgen gemacht. Doch das eigentliche Problem war der Strompreis, wie sich jetzt herausstellt.

Hier war der Festvertrag ausgelaufen, denn durch Corona wusste Mayer nicht, wie sie planen sollte. Daher erfolgte die Beschaffung der für den Betrieb erforderlichen Energie – rund 350.000 kWh Erdgas und 220.000 kWh Strom – nur mehr kurzfristig. Und weil langfristig keine Besserung der Preise in Sicht sei, habe sie nun rechtzeitig die Reißleine gezogen - "bevor ich an die Wand fahre", sagt sie.

Eissport-Familie durch und durch

Seit 2004 stand der Name Mayer für Leben im Eisstadion. Seit diesem Zeitpunkt stellte die Marktgemeinde ihre defizitäre Sportanlage aus dem Jahr 1968 der Familie zur Verfügung. 2006 nahmen die Mayers noch einmal Geld in die Hand und überdachten die Eisfläche. Durch Eishockeyschulen, Eiskunstlauf, Public Viewing oder gar durch Catering-Aufträge konnten sich die Mayers über Wasser halten. Eissport ist ihr Leben.

Beide Söhne Vincenz und Max sind gute Eishockeyspieler. Vincenz hat für Wolfsburg sogar in der DEL gespielt, aktuell ist er in Lindau unter Vertrag. Max spielte im Nachwuchs im SC Riessersee, dann für seinen Heimatverein. Beide haben im Mittenwalder Eisstadion ihre ersten Kurven gezogen. Dementsprechend schwer ist Jutta Mayer auch die Entscheidung zur Schließung gefallen, letztlich würden die Kinder und Jugendlichen am meisten darunter leiden, wenn es kein Eisstadion mehr in Mittenwald gibt. Doch ihr bleibt keine andere Wahl.

Noch trainiert die U17 vom EV Mittenwald. Vor allem der Nachwuchs wird darunter leiden, wenn das Eis weg ist.

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Eisstadion ist der reinste Energiefresser

Eine Eishalle ist ein gigantischer Kühlschrank. Im Beton unter dem Eis liegen dicke Rohre, die sich durch den Hallenboden schlängeln. Durch die Rohre fließt eiskaltes Ammoniak, das den Boden kühlt. Dabei erwärmt sich das Ammoniak aber. Im Technikraum wird es abgesaugt und wieder heruntergekühlt. Dafür braucht es jede Menge Gas und Strom. Schon seit jeher ist der Eisbetreib ein Draufzahlgeschäft.

Die Marktgemeinde Mittenwald gibt seit der Übernahme einen jährlichen Zuschuss. Doch durch EU-Recht ist dieser gedeckelt (maximal 200.000 Euro auf drei Jahre) und sank zuletzt nun schon um 10.000 Euro. SPD-Bürgermeister Enrico Corongiu würde gern helfen, doch ihm sind die Hände gebunden. Allein heuer schoss die Marktgemeinde schon 56.000 Euro zu - angesichts der aktuellen Entwicklung auf dem Strom- und Energiemarkt ein Tropfen auf dem heißen Stein. Jedoch "mehr geht für die Kommune einfach nicht", sagt Corongiu. Stattdessen fordert er Hilfen vom Bund und Freistaat.

Schließung der Eishalle ist endgültig

Doch falls wirklich staatliche Hilfen kommen - für Familie Mayer kommen sie zu spät. Am 16. Oktober wird die Halle geschlossen und die Eisfläche taut auf. Ihrem Personal hat Jutta Mayer schon gekündigt. Und die Geschäftsführerin der Arena Mittenwald macht keinen Hehl daraus, die Entscheidung sei endgültig, denn zu ungewiss sind die Prognosen.

Eine Besserung der Preise für Strom und Gas sei absehbar nicht in Sicht und daher hat Jutta Mayer die Reißleine gezogen, bevor sie und ihre Familie auf einem Schuldenberg sitzen bleiben. "Wir sind nicht die letzten, die wegen der Energiekrise schließen müssen", sagt Mayer. Sie wisse von anderen Eishallen-Betreibern, denen auch das Wasser schon längst über dem Kopf steht, meint sie.

Arena Mittenwald - das Eisstadion schließt zum 16. Oktober.

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Auf Twitter reagierte auch Manuela Schwermund, Goldmedaillen-Gewinnerin bei den Paralympischen Spielen 2004, bestürzt auf die Schließung der Eishalle. "Was ein Schlimmes Zeichen! Sorry, aber die Regierung versagt in diesem Thema total", schrieb die stellvertretende Gesamtathletensprecherin des Deutschen Behindertensportverbandes. Es bräuchte eine Deckelung der Energiepreise.

Eissportvereine vor ungewisser Zukunft

Betroffen von der Eishallenschließung sind neben dem EV Mittenwald auch die heimischen Eiskunstläufer und Eisstockschützen. Wie es für sie weitergeht, ist unklar. Bürgermeister Corongiu ist mit den Vorständen im Gespräch und sucht nach Lösungen. Die nächste Eisfläche ist in Garmisch-Partenkirchen, das ist rund 20 Kilometer entfernt. Und auch hier werden die Kosten für den Eispreis steigen.

Die Frage ist, ob sich die Vereine das noch leisten können. Jutta Mayer ist bewusst, dass ihre Entscheidung aus wirtschaftlicher Sicht alternativlos ist. Dennoch bedauert sie diesen Schritt zutiefst: "Mit viel Herzblut haben wir versucht, den Sportlerinnen und Sportlern eine Heimat zu bieten. Es tut uns sehr leid für die vielen Kinder und Aktiven."

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