Das Energiedorf Wildpoldsried im Oberallgäu
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Die Oberallgäuer Gemeinde Wildpoldsried produziert acht Mal mehr Strom, als sie verbraucht. Die Wärme kommt vor allem von erneuerbaren Energien.

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Energiekrise: Besucher-Ansturm aufs Vorzeigedorf Wildpoldsried

Energiekrise: Besucher-Ansturm aufs Vorzeigedorf Wildpoldsried

Die Oberallgäuer Gemeinde Wildpoldsried produziert acht Mal mehr Strom, als sie verbraucht. Die Wärme kommt zu 60 Prozent aus erneuerbaren Energien. Wie das gelingt, wollen Besuchergruppen aus aller Welt erfahren - besonders seit Beginn der Gaskrise.

"Wir haben nach Corona schon Angst gehabt, ob das überhaupt noch mal richtig losgeht. Und jetzt mit der Ukraine-Krise können wir uns vor Anfragen nicht mehr retten", sagt der Wildpoldsrieder Gemeinderat Thomas Pfluger. Gemeinsam mit zwei Kollegen führt er regelmäßig Besuchergruppen durch das Energiedorf Wildpoldsried. Und sie haben seit Beginn der Energiekrise viel zu tun.

Nachfrage nach Führungen steigt auch international

Mehrere Führungen pro Woche stehen für Pfluger und seine Mitstreiter auf dem Programm. Vor allem aus Deutschland kommen derzeit Gruppen, um sich über die Energiewende im Dorf zu informieren. Aber auch die Nachfrage bei internationalen Besuchern zieht nach Corona jetzt wieder spürbar an: "Ich hatte heuer schon eine koreanische und eine ungarische Gruppe da", sagt Pfluger.

Wildpoldsried als Vorzeige-Energiedorf

Sie alle wollen sehen, was Wildpoldsried so besonders macht: Der 2.600-Einwohner-Ort ist Vorreiter bei der Energiewende: Mit Wind, Sonne, Biogas und Wasserkraft produziert das Dorf inzwischen mehr als acht Mal so viel Strom, als es braucht. Rund 60 Prozent der benötigten Wärme werden in Wildpoldsried mit erneuerbaren Energien erzeugt. Die Dorfheizung – ein Nahwärmenetz mit Pelletheizung und Biogas-Blockheizkraftwerken – versorgt 80 Gebäude, zehn Betriebe und 170 Wohnungen mit Wärme und produziert zusätzlich Strom.

Auch Türkheimer Gemeinderäte informieren sich

"Die Wildpoldsrieder können stolz sein, was sie die letzten Jahre umgesetzt haben", sagt der Türkheimer Bürgermeister Christian Kähler. "Da kann man schon ein bisschen neidisch sein." Gemeinsam mit seinem Gemeinderat war der Rathauschef aus dem Unterallgäu kürzlich für eine Klausur in Wildpoldsried. Die Türkheimer Gemeinderäte wollten sich Ideen holen, wie sie zuhause die Energiewende voranbringen können.

Ideen für die "Energiewende daheim"

"Wir sind in Türkheim sehr gaslastig aufgestellt", sagt Bürgermeister Kähler. "Aufgrund der Ukraine-Krise und der Gasknappheit müssen wir schauen, wie wir uns zukünftig – als Gemeinde und vielleicht auch die Bürgerinnen und Bürger - aufstellen können." Deshalb hat sich der Gemeinderat vor Ort informiert, wie die Wildpoldsrieder in den vergangenen Jahrzehnten ihre eigene Energiewende auf den Weg gebracht haben.

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Thomas Pfluger (Mitte) zeigt den Türkheimer Gemeinderäten ein Blockheizkraftwerk der Dorfheizung

Das Wildpoldsrieder Erfolgsrezept: Vor rund 30 Jahren haben einige Pioniere – darunter ein Landwirt und der langjährige Bürgermeister - die Energiewende vorangetrieben und viel Überzeugungsarbeit geleistet. Das Dorf hat sich schon früh Energieziele gesetzt und konsequent verfolgt. Elf Windräder drehen sich mittlerweile auf der Anhöhe über Wildpoldsried. Rund 400 Bürger sind an den neun Anlagen auf Wildpoldsrieder Flur beteiligt und verdienen damit Geld. Auf vielen Dächern sieht man Solar- und Photovoltaikanlagen.

Mehr als 100 Besuchergruppen pro Jahr

Rund 100 Besuchergruppen aus aller Welt kamen vor Corona jährlich nach Wildpoldsried. In diesem Jahr dürften es wegen der Energiekrise deutlich mehr werden. Gemeinderat Thomas Pfluger und seine Kollegen werden mit den Führungen viel Arbeit haben. Aber ihnen ist es auch wichtig, die Erfahrungen aus Wildpoldsried weiterzugeben.

Die Machbarkeit der Energiewende zeigen

"Wir haben einen Klimawandel und wir müssen alles dafür tun, um unsere Welt auch in Zukunft noch lebenswert zu machen", sagt Thomas Pfluger. Deshalb müssten die Wildpoldsrieder in Sachen Energiewende so viele Leute mitnehmen, wie sie nur könnten. "Meine Erfahrung ist die: Jeder, der einmal hier war, der sieht die Machbarkeit. Wir geben ein Beispiel, dass das machbar und sinnvoll ist."

In Wildpoldsried noch Ausbaupotenzial

Das Wildpoldsrieder Konzept könne keine Blaupause für andere Kommunen sein. Aber jeder könne sich seine Bausteine für die Energiewende daheim mitnehmen. Für seinen Ort sieht Pfluger immer noch Ausbaupotenzial, was die erneuerbaren Energien angeht – zum Beispiel weitere Windräder oder Agro-PV-Anlagen in Verbindung mit der Landwirtschaft. "Ich glaube, da gibt es noch viele, viele Möglichkeiten", sagt der FW-Gemeinderat. "Da ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht."

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