Das Atomkraftwerk Isar 2 bei Landshut

Das Atomkraftwerk Isar 2 bei Landshut: Atomstrom sei "der teuerste Strom aller Zeiten", so der Regensburger Energie-Professor Michael Sterner.

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    Energie-Professor: Atomkraft "teuerster Strom aller Zeiten"

    Energie-Professor: Atomkraft "teuerster Strom aller Zeiten"

    Der Regensburger Energie-Professor Michael Sterner ist gegen eine Atomkraft-Verlängerung in Deutschland. Die Energiepolitik der CSU sei "katastrophal", Atomstrom sei der "teuerste aller Zeiten", so der Experte. Er fordert nun EU-weite Sparmaßnahmen.

    Michael Sterner, Ingenieur und Professor für Energiesysteme an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg, ist gegen längere Laufzeiten der Kernkraftwerke in Deutschland. Kosten und Risiken sind laut Sterner zu hoch.

    "Damit die Lichter nicht ausgehen"

    Atomstrom ist "der teuerste Strom aller Zeiten", sagte Sterner am Donnerstag, 4. August, dem Bayerischen Rundfunk (Studio Niederbayern) aus Anlass des Besuchs von Ministerpräsident Söder und Oppositionsführer Friedrich Merz im Atomkraftwerk Isar 2 nahe Landshut. Zu einem möglichen Weiterbetrieb sagte Sterner wörtlich: "Wir würden fünf Prozent von der Energie ersetzen, die wir aus Russland importieren. Im Winter brauchen wir weniger die Atomkraft, sondern in Spitzen das Gas-Kraftwerk, damit die Lichter nicht ausgehen."

    Nutzen und Kosten der Atomkraft abwiegen

    Ein Ausstieg aus dem Atomausstieg sollte gründlich überlegt werden, meint der Energieexperte. Es müsse zwischen Nutzen und Kosten abgewogen werden. Dazu führt er die Sicherheit der Meiler an, die nicht einhundertprozentig gegeben sei, außerdem die Risiken des Atommülls. "Der Atomausstieg ist gesellschaftlicher Konsens und über 30 Jahre erstritten. Den Risiken gegenüber steht ein relativ geringer Nutzen."

    Sterner will die Ergebnisse des Stresstests Ende August abwarten: "Und da vertraue ich der Bundesnetzagentur und den Netzbetreibern, dass sie eine Entscheidung mit Augenmaß treffen, die dann aus meiner Sicht auch technisch bindend ist."

    CSU-Energiepolitik "katastrophal"

    Der Professor für Energiesysteme geht mit der CSU-geführten Landesregierung hart ins Gericht. Er spricht von einer "katastrophalen Energiepolitik", die alternative Energien verhindere: "Windkraft und Stromtrassen ja, aber nicht bei uns. Fracking super, aber nicht bei uns. Unser größter Gasspeicher liegt auf österreichischem Staatsgebiet."

    Geht es nach Professor Sterner, soll sich der bayerische Ministerpräsident "für die misslungene Energiepolitik bei der Bevölkerung entschuldigen und endlich Energiesparmaßnahmen beschließen und umsetzen".

    Vorschlag: EU-weit verordnete Sparmaßnahmen

    Angebracht wären laut Michael Sterner nun EU-weite Sparmaßnahmen. Er nennt Spanien als Vorbild, wo Klimaanlagen die Temperatur nur noch bis maximal 27 Grad senken und Heizungen maximal bis 19 Grad heizen dürfen. Ladengeschäfte dürften dort ihre Türen im Winter nicht mehr offenstehen lassen. "Mit solchen Maßnahmen könnte man für europäische Solidarität sorgen. Aber nicht das Klein-Klein wie bei uns."

    Maßnahmen in Eigenregie "Tropfen auf dem heißen Stein"

    Dabei bezieht er sich auf einzelne Städte, die sozusagen in Eigenregie Energiesparmaßnahmen durchführen. Zum Beispiel die niederbayerische Stadt Passau, in der seit Mittwoch (03.08.) unter anderem keine Sehenswürdigkeit mehr beleuchtet wird. "Ein Tropfen auf den heißen Stein", meint Sterner dazu.

    CDU, CSU und Freie Wähler fordern Atomkraft-Verlängerung

    Angesichts der drohenden Energiekrise fordern unter anderem CDU, CSU und Freie Wähler seit Monaten den Weiterbetrieb der noch laufenden Werke. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) äußerte sich zuletzt gesprächsbereit.

    Am Donnerstagmittag besuchten hochrangige Politiker das Kernkraftwerk Isar 2 bei Landshut: neben Ministerpräsident Söder und CDU-Fraktionschef im Bundestag, Merz, auch Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger – alle Befürworter einer Laufzeitverlängerung. Isar 2 ist eines der drei verbliebenen deutschen Atomkraftwerke, das noch am Netz ist.

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