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Rund acht Monate seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich im Kreis Regensburg eine der ersten Selbsthilfegruppen für ehemalige Covid-19-Patienten gegründet. Die Betroffenen können sich vorerst nur in einer Videoschalte treffen.

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"Endlich reden" - eine Selbsthilfegruppe für Covid-19-Patienten

Rund acht Monate seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich im Kreis Regensburg eine der ersten Selbsthilfegruppen für ehemalige Covid-19-Patienten gegründet. Die Betroffenen können sich vorerst aber nur per Videoschalte treffen.

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Von
  • Uli Scherr

Im Landkreis Regensburg hat sich am Mittwoch eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit überstandener Covid-19-Erkrankung gegründet. Es ist eine der ersten ihrer Art in Deutschland. Initiator der Gruppe ist der 52 Jahre alte Unternehmer Karl Baumann aus Wenzenbach bei Regensburg.

In der Reha - nach seiner Covid-Erkrankung - haben ihm Gruppentherapien geholfen, seine Erfahrungen zu verarbeiten. Das will er in der neuen Selbsthilfegruppe auch anderen ermöglichen: "Es sind welche dabei, die auf keiner Reha waren. Und ich sage: Die sind am schlimmsten dran, weil die noch nie wen gehabt haben, mit dem sie reden konnten."

Drei Wochen im Koma

Karl Baumann und seine Ehefrau hatten sich Anfang März in einem Restaurant mit Corona angesteckt. Während die Krankheit bei der Ehefrau milde verlief, schwebte Karl Baumann wochenlang zwischen Leben und Tod. Drei Wochen lang versetzten ihn die Ärzte in ein künstliches Koma. Die Herz-Lungen-Maschine hielt ihn am Leben. Während des Komas erlitt er einen Schlaganfall. Über diese Erfahrungen würde sich Baumann gerne mit Leidensgenossen austauschen:

"Wenn du aus dem Koma wieder aufwachst und dich nicht mal kratzen kannst, weil keine Hand und kein Fuß funktioniert, weil du einen Schlaganfall gehabt hast: das ist was anderes, wenn du dich mit so einem Betroffenen unterhältst, wie mit jemandem, der das nicht kennt." Karl Baumann.

An eine Rückkehr in seinen Beruf als Maschinenbauer und Veranstaltungstechniker ist derzeit nicht zu denken. Der 52-Jährige leidet an chronischer Müdigkeit, häufiger Atemnot, hat Wortfindungsstörungen.

Selbsthilfegruppe als Unterstützung

Lisbeth Wagner von der Regensburger Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (KISS) hat den Aufbau der Gruppe begleitet. Sie ist nicht verwundert, dass diese Initiative erst jetzt - gut acht Monate nach Beginn der Pandemie - zustande kommt:

"Die Selbsthilfe ist nicht das allererste, woran man denkt, wenn man schwer erkrankt ist. Aber wenn ein Stück Alltag einkehrt im Umgang mit einer Erkrankung – Wie geht es weiter? – dann kommt der Blick auf andere Betroffene in den Fokus." Lisbeth Wagner, KISS Regensburg.

Wagner und andere Experten glauben, dass in ganz Bayern in den kommenden Monaten zahlreiche weitere, ähnliche Gruppen von ehemaligen Covid-Patienten entstehen werden. Selbsthilfegruppen könnten Betroffenen das Gefühl geben, nicht alleine zu sein mit ihren Problemen. Das könne helfen, eine neue Sicherheit im Leben zu gewinnen.

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