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Endlager-Zwischenbericht: Reaktionen aus Oberfranken | BR24

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Fast das ganze Gebiet Ober- und Mittelfrankens kommt als möglicher Standort für ein künftiges Atommüll-Endlager in Frage. Auch über die Granitregion rund um das Fichtelgebirge wird seit Jahren diskutiert.

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Endlager-Zwischenbericht: Reaktionen aus Oberfranken

Der Zwischenbericht zu möglichen Standorten für ein Atommüll-Endlager hat in Oberfranken viele Stellungnahmen von Vetreterinnen und Vertretern der Region hervorgerufen. Die Reaktionen gehen von Gelassenheit über Unverständnis bis hin zu Überraschung.

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Weite Teile Oberfrankens sind denkbar als möglicher Standorte für ein künftiges Atommüll-Endlager. Das geht aus dem Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hervor, der am Montag (28.09) in Berlin veröffentlicht wurde und einen großen Teil Nordbayerns als geeignet ausweist. Wo das zentrale Atommüll-Endlager in Deutschland dann tatsächlich eingerichtet wird, soll voraussichtlich 2031 feststehen.

Wunsiedels Landrat Berek bleibt gelassen

Für Wunsiedels Landrat Peter Berek (CSU) ist die Nennung des Fichtelgebirges als möglicher Endlagerstandort keine Überraschung.

"Wir haben ja gesagt, dass wir davon ausgehen, dass wir noch irgendwie dabeibleiben werden (…). Uns war aber schon klar, dass es im Fichtelgebirge schwierig oder gar unmöglich wird." Peter Berek, Landrat Wunsiedel (CSU)

Das zerklüftete Gestein im Untergrund, Vulkanismus im Grenzgebiet zu Tschechien sowie der Egergraben, der die Erde in der Region immer wieder beben lässt, - all das stimmt Landrat Berek zuversichtlich, dass die Region bei weiteren geologischen Bewertungen im Zuge der Standortsuche ausscheiden wird.

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Wunsiedels Landrat Peter Berek (CSU) bleibt beim Thema Endlager gelassen.

Auch grüne Kreisrätin reagiert mit Zuversicht

Mit Zuversicht reagierte auch die Kreisrätin Brigitte Artmann (Grüne) auf die Veröffentlichung des Zwischenberichts. Für Artmann ist es zunächst ein gutes Zeichen, dass der Standort Gorleben aus dem Rennen ist. Dass die Standorte tatsächlich nach wissenschaftlichen und geologischen Kriterien bewertet würden, gebe Hoffnung.

Die Bundesgesellschaft für Endlgerung (BGE) habe bisher gute Arbeit geleistet, so Artmann weiter. Es sei aber wichtig, dass die fundierte Expertise der Wissenschaftler und Geologen auch künftig zur Verfügung stehe. Nur so könne ein geeigneter Standort gefunden werden.

"Dann werden wir in der nächsten Runde sehen, ob das Fichtelgebirge überhaupt noch dabei ist. Ich glaube es eher nicht." Brigitte Artmann, Kreisrätin Wunsiedel (Grüne)
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Wunsiedels Kreisrätin Brigitte Artmann (Grüne) reagiert mit Zuversicht auf den Endlager-Zwischenbericht.

Für Bambergs Landrat Kalb ist es noch zu früh, um sich zu äußern

Der Bamberger Landrat Johann Kalb (CSU) hält es für "völlig verfrüht", sich zu einem möglichen Atommüllendlager zu äußern. Die Fränkische Schweiz sei als Karstgebiet "vermutlich eher nicht geeignet", sagte Kalb dem Bayerischen Rundfunk. Die Fränkische Schweiz ist eine der größten Karstlandschaften Deutschlands und für seine vielen Höhlen bekannt.

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Der Bamberger Landrat Johann Kalb (CSU) hält es für "völlig verfrüht" sich zu einem möglichen Atommüllendlager zu äußern

Hofer Bundestagsabgeordneter Friedrich: Region scheidet bald aus

Der Hofer Bundestagsabgeordnete und Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Hans-Peter Friedrich (CSU), bezeichnet den heute veröffentlichten Zwischenbericht als einen ersten Schritt in einem langwierigen Auswahlverfahren. Er enthalte keine rechtsverbindlichen Festlegungen und stelle auch keine abschließende Festlegung dar, heißt es in einer Mitteilung. Friedrich sei fest davon überzeugt, dass spätestens in der nächsten Stufe des Auswahlverfahrens die Granitgebiete in den Landkreisen Hof und Wunsiedel nicht mehr dabei sein werden.

"Denn: Im zweiten Schritt werden die 'Mindestanforderungen' überprüft. Dazu gehört laut BGE, dass das Gestein 'möglichst gas– und wasserundurchlässig ist'. Spätestens an diesem Entscheidungskriterium muss unsere Region aus der Liste möglicher Endlager ausscheiden". Hans-Peter Friedrich (CSU), Bundestagsabgeordneter

Darüber hinaus dürfte sich das Thema Endlager ohnehin bald erledigt haben, denn in absehbarer Zeit würden die sogenannten Generation IV-Reaktoren ans Netz gehen, heißt es in dem Schreiben weiter. "Diese modernen Reaktoren produzieren aus dem sogenannten 'Atommüll' Energie. Das, was in einem Endlager vergraben werden soll, wird also künftig ein wertvoller Rohstoff für die Energieproduktion sein." An den Generation IV-Reaktoren forschten derzeit unter anderem die USA, China, Russland und Frankreich aber auch die Schweiz, Japan und Australien. Deutschland ist nicht dabei.

© picture-alliance/dpa

Hans-Peter Friedrich (CSU)

Der Hofer Landrat Oliver Bär (CSU) hält die Region für ungeeignet

Auch wenn der sogenannte "Münchberger Gneis" als ein Teilgebiet im Zwischenbericht der BGE auftaucht, geht der Hofer Landrat Oliver Bär (CSU) davon aus, dass die Region Hof am Ende doch nicht als Standort für Atommüll in Betracht kommt. Denn momentan befinde man sich noch in einem sehr frühen Stadium. Dies zeige schon die Tatsache, dass aktuell noch rund die Hälfte Bayerns und auch Deutschlands in der Karte möglicher Standorte markiert ist.

Der Hofer Landrat Bär geht davon aus, dass sich in den weiteren Untersuchungen zahlreiche Gebiete als ungeeignet erweisen – und erklärt wörtlich: "Darauf gilt es nun hinzuwirken. Unsere Region kommt nicht in Betracht." Der Landkreis Hof taucht in dem Zwischenbericht der Bundegesellschaft für Endlagerung (BGE) nicht nur mit der Region Münchberg auf, sondern auch mit Teilen des Fichtelgebirges. Dagegen haben die Geologen den Frankenwald bereits ausgeschlossen, da der zerklüftete Schiefer für die Fachleute nicht als sicheres Gestein für ein Atommüll-Endlager in Frage kommt.

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Der Hofer Landrat Oliver Bär (CSU) hält die Region für ungeeignet.

Bayreuther Bundestagsabgeordnete reagiert mit Unverständnis

Der erste Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) zur Atommüll-Endlager-Suche hat bei der Bayreuther Bundestagsabgeordneten Silke Launert (CSU) Unverständnis ausgelöst. Die vorgestellte Liste sei ihres Erachtens viel zu unspezifisch, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme.

"Halb Bayern beziehungsweise halb Deutschland zu benennen, verunsichert die Hälfte der Bevölkerung. Außerdem habe ich nicht wahrgenommen, dass zuvor genauere Untersuchungen vor Ort gemacht wurden. Offenbar ist dies aber auch gar nicht geschehen." Silke Launert (CSU), Bundestagsabgeordnete

Hinzu komme, dass in ihrem Wahlkreis die Stadt Bayreuth sowie die Landkreise Bayreuth und Forchheim betroffen seien, obwohl es nach internen Aussagen von Fachleuten bisher immer hieß, dass diese Gegenden geologisch nicht geeignet wären. „Dies lässt doch sehr an der Kompetenz des Gremiums zweifeln, aber vor allem an dessen Fähigkeit, für derart wichtige und emotionalisierende Themen den richtigen Umgang zu finden“, so Launert wörtlich.

© Tobias Koch

Silke Launert (CSU), Bayreuther Bundestagsabgeordnete

Bayreuther Landrat: Region eignet sich nicht als Atommüll-Endlager

Der Bayreuther Landrat Florian Wiedemann (FW) zeigt sich überrascht, dass in seiner Region nicht nur das Fichtelgebirge für die Endlagerung von hochradioaktivem Atommüll infrage kommt. Auch weitere Teile des Landkreises Bayreuth tauchen im heute veröffentlichen "Zwischenbericht Teilgebiete" der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) auf. Wiedemann schreibt in einer Stellungnahme, es sei voraussehbar gewesen, dass das Fichtelgebirge nicht nach dem ersten Prüfungsabschnitt ausscheiden würde. Es verwundere ihn aber, dass nahezu der komplette Freistaat nördlich der Donau und damit auch große Teile des Landkreises Bayreuth noch im Suchprozess enthalten sind.

"Aufgrund der Umstände, dass die Granitvorkommen in unserer Region eine erhebliche Klüftigkeit aufweisen (was den Eintritt von Wasser in einen potentiellen Lagerungsbereich begünstigt) und ein entsprechend sicheres Behältersystem für die Lagerung des Atommülls bisher nicht existiert, gehen wir weiterhin davon aus, dass unsere Region in einer der späteren Prüfphasen aus dem Suchverfahren ausscheiden wird." Florian Wiedermann (CSU), Landrat Bayreuth

Der Landkreis Bayreuth wird sich laut Wiedemann an der Fachkonferenz Teilgebiete ab Oktober 2020 beteiligen. Gemeinsam  mit dem Landkreis Wunsiedel und unterstützt von Experten werde er die mangelnde Eignung der oberfränkischen Region untermauern.

© Florian Wiedemann/Jurga Graf

Florian Wiedemann (FW), Landrat Bayreuth

Coburger Oberbürgermeister vermisst Absprache mit Kommunen

Coburgs Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) kritisiert, dass die Listen mit den möglichen Standorten für mögliche Endlager für den Atommüll ohne jegliche Absprache mit den Gebietskörperschaften in die Öffentlichkeit gelangt. Auch er habe erst aus den Medien davon erfahren. Das sei eindeutig der falsche Weg und führe zur Verunsicherung der Bevölkerung. Er gehe nicht davon aus, dass ein radioaktives Endlager in einem Stadtgebiet wie Coburg mit hoher Bevölkerungsdichte möglich sei. Solche Gebiete würden sich Sauerteigs Ansicht nach grundsätzlich ausschließen. Diese Meinung werde er auch vehement gegenüber den zuständigen Stellen vertreten würde, so Sauerteig.

Standort ist für Coburger Landrat nicht nur eine Frage der Geologie

Auch Coburgs Landrat Sebastian Straubel (CSU) sieht die Karte kritisch. Es könne nicht nachvollziehen, dass einzig und allein auf Basis der geologischen Sicht die Hälfte des Landes als potentielle Lagerstätte für Atommüll deklariert und die Bevölkerung derart verunsichert werde. Es sei eben nicht nur eine Frage der Geologie, ob ein Gebiet in Frage kommen oder nicht.

Lichtenfelser Landrat will den Naturschutz berücksichtigt haben

Vom Lichtenfelser Landrat Christian Meißner (CSU) heißt es, die veröffentlichte Karte sei ein erster Planungsüberblick. Darüber hinaus seien weitere Infos wichtig. Neben den geologischen Fakten müssten auch weitere Daten, wie etwa naturschutzrechtliche Fragestellungen, zusammengetragen werden. Man werde den Prozess wachsam und besonnen begleiten, so Meißner.

Landratsamt Kronach schließt Endlager im Landkreis aus

Für den Landkreis Kronach sei ein Endlager keine Option, heißt es aus dem dortigen Landratsamt. Solchen Überlegungen, sollte es diese überhaupt geben, stehe man dementsprechend ablehnend gegenüber.

Einige Gebiete in Bayern ganz neu in der Diskussion

Der BGE-Zwischenbericht weist weite Teile Bayerns als möglichen Standort für ein künftiges Atommüll-Endlager aus. Dazu zählen nicht nur Granitregionen wie das Fichtelgebirge, sondern auch Gebiete mit Tongestein rund um Rosenheim, Mühldorf und Burghausen, die bisher nicht in der Diskussion waren. Der Bericht gilt noch nicht als Vorfestlegungen auf einen möglichen Endlager-Standort.

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