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Endlager-Suche: Grüne und SPD kritisieren Staatsregierung | BR24

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Aktuell läuft in Deutschland die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle. Das zuständige Bundesamt will ergebnisoffen vorgehen. Wie stehen die bayerischen Parteien zu einem möglichen Endlager in Bayern?

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Endlager-Suche: Grüne und SPD kritisieren Staatsregierung

Aktuell läuft die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle - nach dem Prinzip der "weißen Landkarte". Doch davon hält die bayerische Staatsregierung wenig. Heute lädt das zuständige Bundesamt in München zu einer Info-Veranstaltung.

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Noch immer gibt es in Deutschland – nach dem vorläufigen Aus für den niedersächsischen Standort Gorleben – kein Endlager für die hochradioaktiven Abfälle aus den Atomkraftwerken. Bis zum Jahr 2031 soll ein Standort gefunden sein, der ergebnisoffene Suchprozess hat aber längst begonnen. An diesem Donnerstagabend informiert das zuständige Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) interessierte Bürger in München über den Ablauf.

Brisant dabei: In Bayern gibt es besonders viel Widerstand gegen ein mögliches Endlager. Im Koalitionsvertrag von CSU und Freien Wählern steht wörtlich: "Wir sind überzeugt, dass Bayern kein geeigneter Standort für ein Atomendlager ist."

Endlager-Suche: Glauber gegen "weiße Landkarte"

Diese Position bekräftigte Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) nun erneut. Dem Bayerischen Rundfunk sagte er, er lehne das für die Endlager-Suche ausgerufene Prinzip der "weißen Landkarte" ab. Es sei den Bürgern nur schwer zu erklären, warum man in den möglichen Standort Gorleben bereits 1,6 Milliarden Euro investiert habe. Jetzt neu zu suchen, sei den Menschen nicht vermittelbar.

An dieser ablehnenden Haltung gibt es Kritik von SPD und Grünen im Landtag. SPD-Fraktionschef Horst Arnold sagte dem BR einige Tage vor der heutigen Info-Veranstaltung, Bayern verhalte sich hier nicht solidarisch.

"Ich glaube, dass diese Situation von der Staatsregierung politisch bewertet wird – nach dem Motto ,Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass'." Horst Arnold (SPD)

Grüne: CSU "stiehlt sich aus der Verantwortung"

Auch Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann attackiert CSU und Freie Wähler. "Kein Land hat so massiv auf die Atomkraft gesetzt wie die CSU-Regierung", findet Hartmann. Wenn man nun sage, man habe mit dem Atommüll nichts zu tun, "stiehlt man sich aus der Verantwortung".

Die FDP im Landtag ist wiederum wie die Staatsregierung gegen ein mögliches Endlager in Bayern. Und die AfD-Fraktion fordert, statt der Endlager-Suche neue Technologien voranzubringen - um den hochradioaktiven Abfall weiter zu spalten und das gefährliche Material zu reduzieren. Diesen Ansatz halten Experten zwar für interessant - aber in absehbarer Zeit nicht für umsetzbar, zumindest nicht im größeren Stil.

Endlager in Bayern unwahrscheinlich - aber nicht ausgeschlossen

Die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle gehört wohl zu den schwierigsten politischen Aufgaben in Deutschland. Denn sobald eine Gegend auch nur theoretisch im Gespräch ist, gibt es Widerstand vor Ort. Auch im Raum Ulm hatte es zuletzt Bedenken gegeben, dass die Region um die Schwäbische Alb als mögliches Endlager in Frage kommen könnte.

Tatsächlich ist ein Endlager in Bayern nach aktuellem Wissensstand eher unwahrscheinlich, weil der Boden in Norddeutschland wohl besser geeignet ist. Sicher ist das aber nicht – derzeit laufen bundesweit die geologischen Voruntersuchungen, auch in Bayern.

© BR/dpa

Die bayerischen Atomkraftwerke und ihre Restlaufzeiten nach dem 2011 beschlossenen Atomausstieg