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Endlager-Suche: Digitale Konferenz mit Hindernissen | BR24

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Bürgerbeteiligung bei der Suche nach einem Endlager: Eine Online-Fachkonferenz diskutiert den "Zwischenbericht Teilgebiete".

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Endlager-Suche: Digitale Konferenz mit Hindernissen

Deutschland sucht ein Atommüll-Endlager - für den Standort kommen aktuell auch viele Regionen Bayerns in Frage. Eine Fachkonferenz mit Bürgern und Experten diskutierte an diesem Wochenende online über das Suchverfahren - doch das ist nicht einfach.

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Von
  • Lorenz Storch

"Kann man mich schon hören?" – "Ich sehe Sie leider nicht" – "Bitte entschuldigen Sie die technischen Schwierigkeiten": Was viele deutsche Arbeitnehmer aus ihrem Corona-Alltag im Homeoffice kennen, ist auch bei der "Fachkonferenz Endlager" ein stetiger Begleiter. Diese fand von Freitag bis zum Sonntag statt.

Über 1.600 angemeldete Teilnehmer miteinander ins Gespräch zu bringen - und zwar in einen Dialog, der über reine Vorträge mit anschließender Fragerunde hinausgeht - war das Ziel der Veranstaltung. Dass dies sehr schwer zu erreichen sein würde, war von vornherein klar.

Viel Kritik am Online-Format

"Ich halte die Online-Konferenzen nicht für gut. Man muss sich treffen und die Stimmung in einem Saal spüren", sagt Asta von Oppen von der "Arbeitsgruppe Vorbereitung" schon zu Beginn der Konferenz. Von Teilnehmern war immer wieder die Forderung zu hören, den bisherigen Zeitplan umzuwerfen, damit nach dem Ende der Corona-Beschränkungen echte Treffen möglich sind.

Bislang sind noch zwei Fortsetzungstermine für die Fachkonferenz im April und Juni vorgesehen. Ein Kongresszentrum in Kassel ist dafür zwar gebucht. Aber ob so schnell wieder Veranstaltungen mit um die 1.000 Personen möglich sein werden, ist zumindest unsicher. Arbeitsgruppen wollen auch zwischen den Terminen weiter online tagen, um mehr Zeit für Diskussionen zu haben.

Kritiker: Zwischenbericht weist zu viele Regionen aus

Nach Ansicht vieler Kritiker hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) ihren Zwischenbericht im vergangenen September zu früh herausgebracht – mit der Folge, dass zu große Teile Deutschlands darin zu undifferenziert als mögliche Endlager-Suchgebiete auftauchen.

Insgesamt mehr als die Hälfte Deutschlands und sogar zwei Drittel Bayerns sind in dem Papier als grundsätzlich für ein Endlager geeignet ausgewiesen. Obwohl schon jetzt absehbar scheint, dass große Gebiete bald aus dem Verfahren herausfallen könnten. "Das ist eigentlich nur ein Zwischen-Zwischenbericht!" formulierte es ein Teilnehmer.

Bayerisches Landesamt: Granit auf Karte existiert gar nicht

Beispiel Franken: Hier weist der Bericht der BGE eine riesige Fläche von Hof bis Ansbach und Würzburg als "Teilgebiet 9" aus. In dem geeignete "kristalline Wirtsgesteine" für ein Endlager zu vermuten seien, also vor allem Granit. Dabei schreibt das bayerische Landesamt für Umwelt in einer Stellungnahme vom November: westlich einer Linie Kronach-Goldkronach-Erbendorf seien kristalline Wirtsgesteine weder an der Oberfläche noch in einer Tiefe bis 1.300 Meter nachgewiesen und auch nicht zu erwarten. Bei 56 bekannten Bohrungen in dieser Region mit der für ein Endlager relevanten Tiefe sei kein Kristallingestein gefunden worden.

BGE: "Haben Gebiet bewusst sehr stark überschätzt"

"Als Bürger weiß ich jetzt nicht, wem ich glauben soll, dem Landesamt für Umwelt oder Ihnen?", äußert sich ein Teilnehmer gegenüber den Vertretern der Bundesgesellschaft für Endlagerung. Deren Antwort: Eine einzige Bohrung (bei Volkach) habe tatsächlich Kristallingestein nachgewiesen. Natürlich zweifle man die Daten des bayerischen Landesamts nicht an. Aber, so Matthias Bauer von der BGE: "Wir haben das Gebiet bewusst sehr stark überschätzt."

Erst mehr ausweisen, dann immer weiter reduzieren

Die Philosophie des Suchverfahrens sei, zunächst alles als Teilgebiet auszuweisen, was auch nur eventuell in Frage kommen könnte, und dann nach und nach Gebiete auszuscheiden, um auf keinen Fall ein gut geeignetes Gebiet zu übersehen. Der Zeitplan, wann die BGE weitere Ergebnisse dieses Ausscheidungsverfahrens vorstellen will, blieb jedoch auch auf der Fachkonferenz weiter unklar. Nicht einmal, ob dieses oder nächstes Jahr Neuigkeiten zu erwarten seien, wollten die BGE-Vertreter auf Nachfrage eines Teilnehmers sagen.

Klar scheint aber: Einen aktualisierten Teilbericht wird es nicht mehr geben, denn das ist gesetzlich nicht vorgesehen. Im nächsten Schritt weist die BGE bereits so genannte "Standortregionen" aus. Die sollen dann vertieft untersucht werden, zunächst obertägig. Diese Standortregionen können dann nur noch einen Bruchteil der Fläche enthalten, die bisher in den Teilgebieten ausgewiesen ist, der Suchradius muss stark verkleinert werden.

Wo sollen weitere Daten herkommen?

Auf die Frage von Teilnehmern, auf Grundlage welcher weiteren Daten das passieren solle, hieß es: Die BGE hoffe dabei auf die Expertise der geologischen Landesämter, manche Daten seien auch noch nicht digitalisiert. Eigene neue Erkundungen betreiben darf die Bundesgesellschaft für Endlagerung in dieser Phase des Suchverfahrens noch nicht.

Besonders viele Teilnehmer aus Bayern

Von den rund 1.600 Teilnehmern der Online-Konferenz kommen mehr als 400 aus Bayern – so viele wie aus keinem anderen Bundesland. In den Online-Sitzungen sind meist etwa 800 Menschen gleichzeitig aktiv – auch noch abends, nach mehr als acht Stunden Bildschirmzeit.

Selbst in den Kleingruppen, die zwischendurch gebildet werden, sind oft noch fast 200 Teilnehmer aktiv. Nicht immer gelingt es in der knappen Zeit, alle zu Wort kommen zu lassen, die sich melden. "Es werden viele frustriert aus dieser Arbeitsgruppe gehen - mit mehr Fragen als Antworten", sagt ein Moderator.

Verschwindet der Bericht in der Schublade?

Vor den Teilnehmern liegt noch viel Arbeit, bis sie im Sommer ein Ergebnis der Fachkonferenz an die BGE übergeben können. Die muss das Votum der Bürger dann "berücksichtigen", steht im Gesetz. "Aber was heißt das?" fragt Asta von Oppen von der "Arbeitsgruppe Vorbereitung". In anderen Beteiligungsverfahren seien solche Berichte oft in der Schublade verschwunden. "Es ist unsere Aufgabe, das zu verhindern."

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