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Archivbild: Hubert Aiwanger

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    "Krass!" - Empörung über Aiwangers Aussagen zu Corona-Impfung

    Bayerns Vize-Ministerpräsident Aiwanger warnt vor einer "Jagd" auf Ungeimpfte - und erntet für seine erneuten impfskeptischen Aussagen einen Sturm der Entrüstung. In den Online-Netzwerken wird der Wirtschaftsminister parteiübergreifend kritisiert.

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    Von
    • Petr Jerabek

    In der Debatte über Corona-Impfungen in Deutschland sorgt der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) mit einem Interview für Wirbel. Seine erneuten impfskeptischen Aussagen im Deutschlandfunk lösten insbesondere in den sozialen Netzwerken kontroverse Reaktionen aus. Einige Nutzer warfen dem Minister auf Twitter vor, Fake News zu verbreiten; auch Politiker mehrerer Parteien kritisierten Aiwanger scharf.

    Aiwanger warnt vor "Jagd" auf Ungeimpfte

    Aiwanger bekräftigte in dem Interview erneut, dass er sich selbst bis auf weiteres nicht impfen lassen wolle, er sei noch nicht überzeugt. Er werde nicht alles tun, was die Mehrheit fordere und "das politische Establishment" von ihm erwarte. Aus seinem persönlichen Umfeld höre er immer mehr von Fällen, "die massive Impfnebenwirkungen auszuhalten" hätten. Da bleibe ihm "die Spucke weg", sagte der Minister, ohne nähere Angaben zu machen. Aiwanger warnte vor einer "Jagd" auf Ungeimpfte. Die Politik müsse die Bevölkerung "ohne Druck" und mit "guten Fakten überzeugen". Die Menschen seien "teilweise nicht zu Unrecht verunsichert".

    Es sei "infam" zu sagen, dass die Geimpften darunter litten, dass andere sich nicht impfen lassen wollen, betonte der Freie-Wähler-Politiker. Für ihn gehe es um die Frage, was der Staat den Menschen aufzwingen dürfe. Die "rote Linie" sei da der Körper: "Darüber entscheide ich." An dieser Stelle verteidige er selbstverständliche Bürgerrechte.

    Das Impfen sei ein wichtiger Baustein im Gesamtgemenge, er sei aber nach wie vor ein großer Fan des Testens, sagte Aiwanger weiter. "Und es wird auch der Geimpfte am Ende nicht darum herumkommen, sich bei gewissen Anlässen zu testen." Wenn sich vollständig Geimpfte zu sicher und sorglos seien, könne das am Ende ein Bumerang sein, warnte er.

    "Da fehlen einem schlicht die Worte"

    Die SPD-Bundestagsabgeordnete, Hilde Mattheis, twitterte daraufhin: "Da fehlen einem schlicht die Worte." Während ein ganzes Land engagiert gegen die Pandemie kämpfe, habe Aiwanger "plötzlich Lust auf ein bisschen allgemeine Verunsicherung". Mit Blick auf die Corona-Linie des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) fügte Mattheis, die Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestags ist, hinzu: "Was sagt eigentlich sein Chef aus dem 'Team Vorsicht' dazu?" SPD-Europaparlamentarier Tiemo Wölken bezeichnete Aiwangers Aussagen als "gefährlichen Unsinn": "Dass Söder so einen umprofessionellen Minister in seiner Regierung duldet, ist schon abenteuerlich."

    Der Grünen-Politiker Cem Özdemir rief in einem Tweet mit dem Hashtag Aiwanger zur Immunisierung auf: "Bitte lasst Euch impfen!" Das Impfen schütze alle anderen, alle Freunde und alle, die man liebe. "Was hat mehr Freiheit, was hat mehr Vernunft, was bitte kann es überhaupt für bessere Gründe geben?" Die bayerische Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze fragte, ob der Fall Aiwanger "hoffnungslos" sei. "Auch Bayern hat eine bessere Regierung verdient."

    Kritik an Aiwangers Argument der "Impf-Nebenwirkungen

    Der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Steiniger bezeichnete Aiwangers Interview als "krass": "Der Vize-MP von Bayern lässt sich nicht impfen und verteidigt das auch noch. Was ein Trittbrettfahrer." Politik habe hier einfach eine Vorbildfunktion. Und Aiwangers Argument der "Impf-Nebenwirkungen" sei "lachhaft".

    Scharfe Kritik an Aiwanger kam auch vom Linken-Bundestagsabgeordneten Lorenz Gösta Beutin: "Wer Fake News über Impfung streut, gefährdet uns alle", twitterte er. Wer ein Angebot, sich impfen zu lassen, ablehne, entziehe sich der gesellschaftlichen Solidarität. "Also los, bitte impfen."

    AfD vermutet Wahlkampfmanöver

    Dagegen warnte der AfD-Europaabgeordnete Bernhard Zimniok Impf-Skeptiker, auf Aiwangers Aussagen "hereinzufallen", sei "mehr als naiv". Der Minister trage die Corona-Politik der Regierung seit mehr als einem Jahr mit. "Seine Kritik ist reine Wahlkampfstrategie." Der AfD-Landtagsabgeordnete Andreas Winhart sprach von einem "Theater", das Aiwanger und Söder aufführten. Das sei lediglich ein Manöver zur Bundestagswahl.

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