BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Empfehlungen des RKI für Klinikpersonal nicht umsetzbar | BR24

© BR

Empfehlungen des RKI für Klinikpersonal nicht umsetzbar

4
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Empfehlungen des RKI für Klinikpersonal nicht umsetzbar

Das Robert Koch Institut (RKI) hat derzeit eine wichtige Funktion bei der Bekämpfung des Coronavirus. Doch für Kliniken seien die Empfehlungen nicht umsetzbar, kritisieren Intensivmediziner. Im Ernstfall könnten sie das Gesundheitssystem lahmlegen.

4
Per Mail sharen

Das Robert Koch Institut (RKI) ist eine selbständige deutsche Bundesbehörde für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten. In Sachen Corona nimmt das Institut eine bedeutende Rolle ein, da es unter anderem Empfehlungen für den Umgang mit infizierten Patienten gibt. Doch viele Ärzte und Pflegepersonal sehen in der Regelung für medizinisches Personal keine praktikable Lösung für den Ernstfall und fordern Änderungen.

Häusliche Quarantäne für medizinisches Personal

Die Krankenhäuser sind angehalten, die Empfehlungen des RKI einzuhalten. Diese lauten, dass medizinisches Personal, das engen, ungeschützten Kontakt (weniger als zwei Meter) zu einem bestätigten COVID-19-Fall im Rahmen der Pflege oder medizinischen Untersuchung hatte, in häusliche Quarantäne zu gehen hat. Doch dann könnte ein Stationsbetrieb, vor allem auf Intensivstationen, nicht aufrechterhalten werden, meint die Deutsche Gesellschaft für internistische Intensiv- und Notfallmedizin, DGIIN.

Intensivmediziner fordern praxistaugliche Regelung

Professor Stefan John ist Intensivmediziner im Nürnberger Südklinikum. Er hat als Präsident der DGIIN das Robert Koch Institut aufgefordert, ein anderes Vorgehen im Fall einer möglichen Infizierung für medizinisches Personal zu empfehlen. Wenn beispielsweise ein Arzt mit einem Positiv-Getesteten in Kontakt war, so sollte er vorerst weiterarbeiten können. "Sie müssen getestet werden, das ist ganz wichtig. Sie sollten dann natürlich mit Mundschutz weiterarbeiten und auch engmaschig überwacht werden, mit Fiebermessen", sagt John. Aber so lange sie gesund seien, sei es notwendig, dass Mitarbeiter trotzdem weiter im Krankenhaus zur Verfügung stünden, um die Versorgung aufrechtzuerhalten, meint der Arzt weiter.

Schon jetzt haben sich Anordnungen geändert

Galt noch vor vier Wochen die Regel, dass alle Infizierten in einem Krankenhaus betreut werden müssten, egal wie stark die Erkrankung sich auswirkt, so hat sich das mittlerweile geändert. Zeigen Positiv-Getestete keine Symptome, müssen sie sich in häusliche Quarantäne begeben. So würden die Betten auf Intensivstationen für die frei bleiben, die wirklich Betreuung benötigten. Zudem würden andere Risikopatienten nicht unnötig gefährdet.

Intensivstationen schon jetzt von Bettensperrungen betroffen

In Deutschland stehen insgesamt 28.000 Intensivbetten zur Verfügung, doch rund ein Drittel der Kliniken kann seine Betten aufgrund der Personaluntergrenzen nicht voll auslasten. Demnach mussten nach einer Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts 37 Prozent aller Kliniken Betten auf Intensivstationen schließen, um die gesetzlich festgelegten Personaluntergrenzen einhalten zu können.

"Entscheidend ist natürlich die echte Kapazität, die wir dann haben in so einer Situation, das heißt: Die Betten müssen betreibbar sein, die müssen Beatmungsmöglichkeiten haben, die müssen maschinell ausgestattet sein, aber sie müssen vor allem personell ausgestattet sein." Stefan John, Deutsche Gesellschaft für internistische Intensiv- und Notfallmedizin

Pflegepersonal macht Vieles schon jetzt möglich

Auch im Normalbetrieb kommt es zu Krankheitsfällen auf Stationen. Viele der Pflegekräfte sind dann bereit, Schichten zu tauschen oder einzuspringen. Doch nun kommt auch noch die Schließung der Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen dazu.

Im Nürnberger Südklinikum suchten die Pflegekräfte der internistischen Intensivstation nach Bekanntwerden der Anordnung sofort nach Betreuungslösungen, um es möglich zu machen, doch zum Dienst zu kommen. Vor allem dieses hochqualifizierte Personal ist auch im Ernstfall besonders wichtig in den Kliniken. Die Anordnung, dass alle aufschiebbaren Operationen verlegt werden, sei deshalb ein richtiger und wichtiger Schritt, um die Kliniken zu entlasten, meint auch John.

Doch Fakt ist auch, dass es schon jetzt einen erheblichen Pflegepersonalmangel vor allem auf Intensivstationen gibt und hier könnte sich die Situation rasch verschärfen, wenn es beim medizinischen Personal zu Krankheitsfällen oder Ausfällen durch Kinderbetreuung kommt. Umso wichtiger sei es, zumindest Empfehlungen im Umgang mit Corona-Patienten für Klinikpersonal praxisnah zu gestalten, sagt John.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!