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Emotional auffangen: Erstklässler gehen wieder in die Schule | BR24

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Langsam kehrt das Leben zurück in die bayerischen Grundschulen. Seit heute dürfen auch Erstklässler wieder zum Präsenzunterricht. Die Lehrer sind mit Unterstützung für den Heimunterricht und Unterricht in den Klasszimmern nun doppelt gefordert.

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Emotional auffangen: Erstklässler gehen wieder in die Schule

Langsam kehrt das Leben zurück in die bayerischen Grundschulen. Seit heute dürfen auch Erstklässler wieder zum Präsenzunterricht. Die Lehrer sind mit Unterstützung für den Heimunterricht und Unterricht in den Klassenzimmern nun doppelt gefordert.

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Es ist 7.30 Uhr im Münchner Osten. Vor dem Gebäude der Grundschule Berg-am-Laim stehen Eltern, Schüler und Lehrer und warten auf den Einlass. Normalerweise gehen 540 Kinder unterschiedlicher Nationen in die Schule.

Kinder strahlen wie die Sonne am Morgen

Seit vergangener Woche haben die Viertklässler wieder Präsenzunterricht, was den neunjährigen Edward Stickland sehr freut. "Ich fand es aber auch ein bisschen schade, dass wir kein Sport und kein Ethik haben, sondern nur die drei Hauptfächer", sagt er. "Aber sonst gefällt es mir hier." Auch sein Vater Terry Stickland ist froh, dass seine beiden Söhne wieder zur Schule gehen können. Die soziale Isolation der vergangenen Wochen habe er den beiden angemerkt. "Jetzt strahlen sie wieder, wie die Sonne heute Morgen", sagt Terry Stickland und lacht.

Kinder emotional unterstützen

Es kehrt Leben zurück in die Schulflure, darüber freut sich auch Rektor Michael Hoderlein-Rein. "Die Kinder sind sehr froh, wieder in der Schule zu sein, wie die Lehrkräfte auch", berichtet er. Nicht die inhaltliche Seite sei jetzt das große Problem. Das könne man aufholen. "Sondern die Lehrkräfte müssen sehen, dass sie die Kinder emotional auffangen."

Das heißt, zum einen zu schauen, wie es ihnen in den vergangenen Wochen zuhause ergangen ist. Zum anderen ihnen durch diese Ausnahmesituation zu helfen. Sie aufzuklären und zu unterstützen, ohne ihnen Angst zu machen.

Viele Lehrerinnen und Lehrer fehlen

Die Grundschule Berg-am-Laim versucht, auch Eltern und Vorschulkinder aktiv bei der pädagogischen Arbeit einzubinden. Wie vor der Corona-Pandemie können Schülerinnen und Schüler den ganzen Tag betreut werden, wenn die Eltern es wollen. Die meisten Schüler bleiben aber noch nicht so lange in der Schule.

Die Organisation der Klassen und die Umsetzung des Hygienekonzepts bleibt eine Herausforderung für die Pädagogen, erklärt Michael Hoderlein-Rein. Denn zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer fehlen, weil sie zum Beispiel schwanger sind oder zur Risikogruppe gehören. Also teilen sich die vorhandenen Lehrkräfte die Unterrichtsstunden und die Betreuung in den anstehenden Pfingstferien auf. Da bleibt die Schule nämlich geöffnet.

Hygienekonzept in Grundschulen umsetzen

Um den Kindern zu helfen, die Abstandsregeln zu befolgen, zeigen gelbe Klebestreifen auf dem grauen Schul-Fußboden, wo sie gehen dürfen. Plakate erinnern daran, die Maske zu tragen und sich regelmäßig die Hände zu waschen. Man bemühe sich, alles umzusetzen, erklärt Rektor Michael Hoderlein-Rein. "Aber Emotionen gehören zur Schule dazu, und wer Kinder kennt und mit ihnen arbeitet, der weiß auch, dass die Abstandswahrung schwierig werden kann, weil Kinder sehr emotional sind."

An diesem Morgen bleiben alle vor dem Schulgebäude ruhig. Die Viertklässler haben bereits vergangene Woche gelernt, dass sie nur mit Maske und Abstand nacheinander zu ihrem Klassenzimmer laufen. Die Erstklässler lernen es heute, wie die sechsjährige Mika Czapski, die mit ihrer Mutter und ihrem Bruder auf den Einlass wartet. Mika ist besonders wegen einer Sache aufgeregt. "Dass ich meine Freunde wieder sehen kann“, sagt sie. Den Mund-Nasen-Schutz findet sie "nicht sehr angenehm. Aber wir müssen es tun, deswegen geht’s nicht anders", erkennt die Erstklässlerin.

Homeschooling für alle eine Herausforderung

In den vergangenen Wochen haben sie und ihr älterer Bruder Piet mit ihrer Mutter Nina Czapski daheim gelernt. Mit den Arbeitsblättern und Videos der Lehrerinnen habe es ganz gut funktioniert, erklärt Nina Czapski. "Trotzdem bin froh, dass wieder so ein bisschen Normalität herrscht und ich finde es einfach schön für die Kinder, weil das ist, glaube ich, belastender als man es sich vorstellen kann, dieses Eingesperrt sein", sagt sie.

Für Mutter Nikolina Arsenik war die Zeit mit ihren siebenjährigen Zwillingen Karolina und Teodora zuhause nicht leicht. Nikolina Arsenik arbeitet als Verkäuferin und musste ihren Job und das Homeschooling koordinieren. "Das war wirklich anstrengend für mich, aber für die beiden auch, weil ich nicht so gut erklären kann wie die Lehrerin", sagt die Mutter. Ihre Tochter Karolina ist noch ein bisschen zurückhaltend als der Gong ertönt und sie in ihre Klasse darf. Denn auf Hausaufgaben freut sie sich nicht unbedingt, gibt die Siebenjährige zu.

Lehre aus der Krise

Wieder mit anderen Kindern und mit Lehrern zusammenzukommen, das sei sehr wichtig, sagt Rektor Michael Hoderlein-Rein. Inzwischen könnten das mit den Viertklässlern, Erstklässlern und den Kindern in der Notbetreuung rund 320 Schüler in der Grundschule Berg-am-Laim.

Aus den Erfahrungen mit der Krise könne man aus pädagogischer Sicht zwei Dinge lernen. Das eine sei die Frage der Digitalisierung. "Da ist in den letzten zehn Jahren vieles auf der Strecke geblieben, was wir jetzt bereuen", erklärt der Pädagoge. Das zweite sei die Bedeutung der Ganztagsbildung. "Eine gute Ganztagsbildung stellt sicher, dass Kinder gut versorgt sind und gefördert werden, um die Bildungsschere nicht zu weit aufgehen zu lassen", sagt Michael Hoderlein-Rein.

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