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Die bayerische Staatsregierung fördert Kitas und Familien finanziell. Doch die Diskussion in "jetzt red i" zeigte: Das reicht nicht.
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Christine Memminger
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Die bayerische Staatsregierung fördert Kitas und Familien finanziell. Doch die Diskussion in "jetzt red i" zeigte: Das reicht nicht.

„Mich nervt die Situation extrem.“ Eine alleinerziehende Mutter berichtet in der BR Fernsehsendung „jetzt red i“ aus ihrem Alltag mit zwei Kindern und einem Job im Hotel. Aktuell schließe die Kita beispielsweise jeden Tag um 16 Uhr. Obwohl die Frau direkt nebenan arbeitet, schafft sie es kaum, ihre Kinder pünktlich abzuholen. „Ich bekomme täglich Steine in den Weg gelegt“, sagt sie, folglich sei sie „total gestresst.“ Der im Koalitionsvertrag der neuen bayerischen Regierung festgelegte Kindergartenzuschuss von 100 Euro pro Monat „hilft nicht“, meint sie und fordert stattdessen mehr Betreuungsangebote in den Randzeiten. Applaus und kräftiges Nicken im Publikum in Dachau. Ein Vater, der Schicht arbeitet, setzt noch eine Forderung oben drauf: Am besten wäre Betreuung auch mal bis Mitternacht oder am Wochenende.

Familienministerin Schreyer verspricht mehr Betreuungsangebote in den Randzeiten

Die bayerische Familienministerin Kerstin Schreyer (CSU) nickt ebenfalls kräftig. Es sei Teil des Koalitionsvertrages mit den Freien Wählern, „zu versuchen, mehr in die Randzeiten reinzugehen.“ 42.000 neue Betreuungsplätze für Kinder bis sechs Jahren sollen bis 2023 entstehen.

Das Betreuungsangebot müsse sich der Realität der Arbeitswelt anpassen

"Wir müssen schon in Richtung 18, 19 Uhr kommen, anders geht es ja nicht." Familienministerin Kerstin Schreyer (CSU)

Für eine Betreuung rund um die Uhr würden die Kräfte im Moment zwar nicht reichen, sagt die Ministerin in Richtung des Schichtarbeiters. Um aber die Randzeiten zu stärken, sollen zusätzliche Fachkräfte ausgebildet werden und auch Tagesmütter direkt an den Kitas festangestellt eingesetzt werden. Aber: „Eher bringen muss nicht heißen, länger bleiben“, sagt Schreyer und weist darauf hin, dass auch Familienzeit zuhause weiterhin mit bedacht werden müsse. Für den Bereich „Kindergärten bauen und Plätze schaffen“ sei dann die Kommune „originär zuständig“, so Schreyer. „Wir als Freistaat zahlen immer unseren Anteil.“

Knapp 8.000 Erzieherinnen und Erzieher fehlen

Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) würde gerne das Betreuungsangebot ausbauen und hat dafür auch bereits die Plätze in den kommunalen Kitas geschaffen. Allerdings findet er kein Personal. Im Moment hat er sechs offene Stellen, die er nicht besetzen kann.

"Baulich wären die Plätze da, aber ich kann sie nicht anbieten." Florian Hartmann, Oberbürgermeister Dachau

In Bayerns Kitas fehlen knapp 8.000 Fachkräfte, hauptsächlich in den Ballungsräumen. Dazu kommt vermehrt die Nachfrage nach Hortplätzen für Grundschüler. Doch das Personal muss erst über mehrere Jahre ausgebildet oder umgeschult werden. Familienministerin Schreyer spricht sich in der Sendung gegen eine Verkürzung der Ausbildungszeit für Erzieherinnen und Erzieher aus - die Qualität der aktuell fünfjährigen Ausbildung müsse erhalten werden. „Wir sollten an der Stelle nicht rütteln“, so Schreyer.

Um Anreize für den Beruf Erzieher/in zu schaffen, schlägt die Landesvorsitzende der BayernSPD Natascha Kohnen hingegen unter anderem eine bessere Bezahlung vor. „Wir brauchen Betreuung und gute Erzieherinnen und Erzieher für frühkindliche Bildung.“

SPD-Vorsitzende Kohnen kritisiert Familiengeld als „relativ willkürlich“

Seit September dieses Jahres bekommen Eltern 250 Euro für jedes ein- und zweijährige Kind pro Monat. Unabhängig davon, wie das Kind betreut wird und wie viel die Eltern verdienen.

"Der FC Bayern-Spieler braucht das Familiengeld nicht unbedingt, aber es gibt andere, die könnten es verdammt gut brauchen. Und da will ich eine Steuerung drin haben." Natascha Kohnen, Vorsitzende BayernSPD

Dazu kommt, dass viele Jobcenter Bedürftigen das Familiengeld vom Hartz IV-Regelsatz wieder abziehen, zum Beispiel in Dachau. Denn bisher sagt das Bundessozialministerium, dass das Familiengeld auf die Sozialleistungen angerechnet werden muss. Die bayerische Familien- und Sozialministerin Kerstin Schreyer hält aber daran fest, dass das Geld allen Familien zusteht - unabhängig davon, ob sie Hartz IV beziehen.

"Die Rechtsmeinung ist eindeutig von all unseren Juristen: Es ist nicht anrechnungsfähig." Kerstin Schreyer, bayer. Sozialministerin

Man wolle "zusammen eine möglichst schnelle Lösung finden" verspricht Schreyer.