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Eltern kritisieren Corona-Regeln zum Schulanfang | BR24

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Bildrechte: picture alliance/Sven Hoppe/dpa

Für rund 1,6 Millionen Schülerinnen und Schüler hat heute wieder die Schule begonnen. Trotzdem gelten andere Vorzeichen: Strenge Hygieneregeln, Maskenpflicht für höhere Klassen auch im Unterricht und wenn möglich, natürlich immer Abstand halten.

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Eltern kritisieren Corona-Regeln zum Schulanfang

Die Schule in Bayern hat begonnen, wenn auch unter strengen Auflagen. Das Ziel ist es, Ansteckungen mit Corona im Klassenzimmer so gut es geht zu vermeiden. Einige Elternverbände kritisieren diese Maßnahmen als unverhältnismäßig.

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Von
  • Ferdinand Meyen

"Ich vermisse klare Anordnungen, klare Vorgaben. Wie soll das in sechs Wochen umgesetzt werden? Ich weiß nicht, ob das läuft", so Susanne Arndt, die Vorsitzende des Landeselternvereins der Gymnasien Bayern, vor den Sommerferien. Es ging um den Digitalpakt, Schulen sollten mit technischen Mitteln, Tablets und Laptops ausgestattet werden. Das damals gesteckte Ziel: die Hälfte der Klasse in der Schule, die andere im Digitalunterricht zuhause. Heute, nach dem ersten Schultag – ist Susanne Arndt sauer.

"Ja, leider. Also Ich habe das vermutet. Ich hoffe jetzt, dass die Hürden für den Digitalpakt etwas gesenkt werden und es letztlich den Kommunen nicht so schwergemacht wird, auf diese Gelder zuzugreifen, das ist das Hauptproblem.“ Susanne Arndt, Vorsitzende des Landeselternvereins der Gymnasien Bayern

Die Digitalisierung an Bayerns Schulen, sie sei in den letzten Wochen zu schleppend vorangegangen, kritisiert Susanne Arndt. Viele Kommunen hätten kaum Geld für digitale Lernmittel bekommen. Und statt der geforderten halben Klassen sind es jetzt doch Ganze- mit Maskenpflicht. Auch die sieht die Elternsprecherin kritisch – zumindest im Unterricht. "Ein schüchterner Schüler wird sich vielleicht auch weniger melden, der Lehrer ist vielleicht etwas schwerer zu verstehen in den hinteren Reihen, weil auch das Sprechen für Lehrkräfte sehr schwierig ist. Also diese Situation ist eher unglücklich aus meiner Sicht."

Keine Maske aus psychologischen Gründen

Susanne Arndt sei keine Maskengegnerin, sagt sie – auf den Gängen oder dem Pausenhof hält sie den Mund-Nasen-Schutz für angemessen. Nur im Unterricht hält sie die Maske für deplatziert – aus psychologischen Gründen. Diese Kritik teilt auch Helen Zeidler, die Sprecherin des Bündnisses "Familien in der Krise". "Am meisten stört uns, dass wir das Gefühl haben, dass auch weiterhin die Kinder in Bayern sozusagen die Erwachsenen schützen müssen. Aber die Erwachsenen sollten doch eigentlich die Kinder schützen und ihnen ein normales Aufwachsen ermöglichen."

Sind die Hygiene-Auflagen überzogen? Elternverband meint: ja

Helen Zeidler hält die Hygiene-Auflagen des bayerischen Kultusministeriums für überzogen. Die Erfahrungen aus anderen Bundesländern und dem Ausland hätten gezeigt, dass der Schulstart auch ohne Maske nicht zu höheren Infektionszahlen führe.

"Der dauerhafte Einsatz einer Mundnasenbedeckung ist natürlich total krass aus unserer Sicht, dass es schon ab einem recht niedrigen Grenzwert von 35 empfohlen wird, für weiterführende Schulen auch im Unterricht diese Mundnasenbedeckung zu tragen. Das heißt für Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen ein Tragen ohne Pause. Auch im Unterricht.“

Alles dem Infektionsschutz untergeordnet

Das Bündnis "Familien in der Krise" kritisiert, dass alles dem Infektionsschutz untergeordnet werde. Pädagogische und soziale Aspekte wie Chancengleichheit würden viel zu wenig berücksichtigt. "Wir bemängeln, dass es keinerlei systematische Ansätze gab, wirklich die Situation in den Schulen zu verbessern."

Gasthäuser als Vorbild für Schulklassen

Zusätzliche Räume, Luftfilter in Klassenzimmern, Digitalisierung. Hier hätte die Regierung mehr investieren müssen, findet Helen Zeidler. Ein weiterer Vorschlag: Kleinere Lerngruppen, maximal sechs Personen, die dann jeweils Abstand zu den anderen halten sollen. Das funktioniere in Gasthäusern schließlich auch, kritisiert auch Susanne Arndt von Landeselternverein der Gymnasien. "In den Wirtschaften funktioniert es ja auch, dass man zu sechst, zu acht am Tisch sitzen darf und es sind Leute aus den unterschiedlichsten Haushalten." Die Elternverbände fordern den Kultusminister dazu auf, die Hygiene-Maßnahmen in den Schulen zu überdenken.

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"Schule lebt von Beziehung und vom Miteinander", so Simone Fleischmann vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes. Es überwiege die Freude, dass Schule wieder stattfinde und die Maske nehme man Kauf. Aber es gebe Ängste, wie es weitergehe.

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