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Frau liegt krank im Bett

Beim Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen wurden bis Anfang Dezember 7.667 Norovirus-Fälle registriert. Im vergleichbaren Zeitraum des vergangenen Jahres waren es 6.917. Damit erkrankten in Bayern bis Anfang Dezember 2018 rund elf Prozent mehr Menschen an einer Norovirus-Infektion als 2017.

Vor allem Oberbayern ist derzeit betroffen

In der letzten Woche des Monats November kursierte vor allem in Oberbayern der Virus. Dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen wurden 53 Fälle gemeldet. In Niederbayern erkrankten 29 Menschen, in Mittelfranken 27. Auch aus Oberfranken wurden 23 und aus Unterfranken 19 Fälle gemeldet. Nicht so schlimm erwischte es die Menschen in den Regierungsbezirken Schwaben und Oberpfalz. Dort gab es lediglich neun beziehungsweise sechs Fälle.

Werden Noroviren nachgewiesen, so besteht nach dem Infektionsschutzgesetz eine Meldepflicht an das Gesundheitsamt. Kinder unter sechs Jahren dürfen erst wieder in die Kinderkrippe oder in den Kindergarten, wenn sie zwei Tage beschwerdefrei sind.

Brech-Durchfall-Erkrankung

Die Norovirus-Infektion ist neben der Influenza die am häufigsten registrierte Infektion in Deutschland. Sie heißt eigentlich Norovirus-Gastroenteritis. Das bedeutet übersetzt Magen-Darm-Entzündung. Das Virus wird meist durch den direkten Kontakt mit Erkrankten übertragen, manchmal auch indirekt über Oberflächen wie Handtüchern, Türklinken, Treppengeländern, Wasserhähnen oder Toilettensitze, die ein Erkrankter berührt hat. Kurze Distanzen können die Viren auch auf dem Luftweg überbrücken. Sie sind kleine Überlebenskünstler, denn die Viren überstehen auch Temperaturen bis zu +60 Grad Celsius, wenn auch nur für wenige Minuten.

"Noroviren sind selbst gegen Infektionsmittel stabil. Das Schlimme ist auch, dass man nur wenige Viren braucht, um die Krankheit ausbrechen zu lassen. Für eine Salmonelleninfektion bräuchte man das Hundertfache an Viren.“ Dr. Klaus Korn, Virologisches Institut der Uniklinik Erlangen

Die Krankheit tritt meist sehr plötzlich auf. Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe und Durchfall. Sie treten einige Stunden bis zu zwei Tagen nach der Infektion auf. Die akute Krankheitsphase dauert in der Regel zwei bis drei Tage.

Auch bundesweit starke Zunahme an Infektionen durch Norovirus

Das Robert Koch Institut in Berlin registrierte in diesem Jahr bereits 95.884 Fälle. Im gesamten vergangenen Jahr zählte das RKI 73.273 Norovirus-Patienten. 2016 lag die Zahl bei 84.000 Fällen. Wer sich bereits mit der Norovirus-Infektion herumschlagen musste, ist trotzdem nicht vor einer weiteren Ansteckung gefeit. Wie Grippeerreger sind die Krankmacher äußerst wandlungsfähig. Das ist auch einer der Gründe dafür, dass es bis jetzt keine Impfung gegen die Norovirus-Infektion gibt.

Kein Impfstoff gegen Norovirus

Ein Medikament gegen den Norovirus gibt es nicht. Die Entwicklung einer Impfung gegen das Virus wäre ein bedeutender Schritt, um die hohe Zahl an Erkrankungen zu senken, so die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, DGVS. Doch die ist nicht in Sicht. Gründe dafür seien, dass sich Noroviren nicht im Labor kultivieren lassen. Weitere Schwierigkeiten würden sich aus dem aktuell unzureichenden Wissen über die Dauer der Immunität nach einer Erkrankung und der Tatsache ergeben, dass eine Vielzahl unterschiedlicher Virusstämme existieren, so die DGVS.

"Es gibt bereits einige klinische Studien und Entwicklungen mit entsprechenden Impfstoffen, doch es wird noch Jahre dauern, bis ein Wirkstoff entwickelt sein wird, der für eine breite Anwendung geeignet ist. Bereits vor Jahren wurden entsprechende Schluckimpfungen oder Impfungen in Form von Injektionen getestet. Doch in den ersten Studien erkrankten trotzdem noch 40 Prozent der Teilnehmer an einem Norovirus.“ Dr. Klaus Korn, Virologisches Institut der Uniklinik Erlangen

Was hilft? Was sollte man tun?

Erkrankte sollten den Kontakt zu anderen Menschen weitestgehend meiden. Bestenfalls sollten die Patienten auch separate Toiletten, auf jeden Fall aber separate Handtücher und Hygieneartikel, verwenden. Toilette, Waschbecken, Türgriffe und Böden müssen regelmäßig mit Einwegtüchern gereinigt werden. Bettwäsche, Kleidung und Handtücher sollten bei höchstmöglichen Temperaturen, möglichst Kochwäsche, gewaschen werden. Bei einer Norovirus-Erkrankung sollten die Patienten vor allem viel trinken, da dem Körper durch Erbrechen und Durchfall viele Elektrolyte entzogen werden. Geeignet zum Trinken sind Brühe, Tee oder Fruchtsaft-Schorlen. Oft fehlt der Appetit während der Krankheitsphase, doch die Erkrankten sollten ein wenig essen, am besten leicht Verdauliches wie Zwieback.

Norovirus kann vor allem für Kinder und Ältere gefährlich sein

Kinder unter fünf und ältere Menschen ab 70 Jahren haben ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe der Krankheit, so die DGVS. Wenn Angehörige oder Pflegende feststellen, dass sich der Allgemeinzustand eines Patienten deutlich verschlechtert, sollten sie medizinische Hilfe suchen. Durch den massiven Verlust an Flüssigkeit und Elektrolyten ergeben sich vor allem bei Kindern und alten oder kranken Menschen mitunter schwerwiegende Komplikationen bis hin zum Kreislauf- oder Herzversagen. Die Wahrscheinlichkeit, an einer Norovirus-Infektion zu sterben, tendiert jedoch fast gegen Null. Sie liegt bei 0,1 Prozent aller Fälle.