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Elektrifizierung der Bahn in Bayern: So viel bleibt noch zu tun | BR24

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Bildrechte: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Ab diesem Wochenende rollen Elektrozüge auf der Bahnstrecke München-Lindau. Es ist der erste große Schritt in Richtung Elektrifizierung im bayerischen Bahnnetz seit vielen Jahren. Das müsse künftig schneller gehen, fordern Kritiker.

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Elektrifizierung der Bahn in Bayern: So viel bleibt noch zu tun

Ab diesem Wochenende rollen Elektrozüge auf der Bahnstrecke München-Lindau. Es ist der erste große Schritt in Richtung Elektrifizierung im bayerischen Bahnnetz seit vielen Jahren. Das müsse künftig schneller gehen, fordern Kritiker.

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Von
  • Lorenz Storch

Der Lückenschluss zwischen Bayern und der Schweiz durch die Elektrifizierung der Strecke München-Lindau sei einerseits ein bedeutender Schritt, sagt Lukas Iffländer vom Fahrgastverband Pro Bahn, aber andererseits auch nur "ein Tropfen auf den heißen Stein". Gerade einmal die Hälfte der Bahnstreckenkilometer in Bayern ist elektrifiziert. Ausbauprojekte wurden über Jahrzehnte diskutiert, aber nicht umgesetzt.

"Insgesamt haben wir sehr viele Elektrifizierungslücken. Allein im Bundesverkehrswegeplan steht ein ganzer Haufen Projekte, die müssten einfach mal angegangen werden." Lukas Iffländer, Fahrgastverband Pro Bahn

"Diesellöcher" bedeuten Umsteigen und Abgase

Die Strecke München-Mühldorf-Freilassing stünde da ganz oben auf der Liste, ebenso die Verbindungen Hof-Regensburg, Hof-Nürnberg, Buchloe-Augsburg, die Oberlandbahn südlich von München - und noch einige mehr.

Für Fahrgäste bedeuten diese sogenannten "Diesellöcher" im Streckennetz häufigeres Umsteigen. Fernverkehrszüge fahren in der Regel elektrisch, wo die Oberleitung fehlt, gibt es nur Nahverkehr. Güterzüge müssen die Lok wechseln, das macht sie langsam und unwirtschaftlich.

Elektroloks sind technisch überlegen

Technisch sind Elektroloks und –triebwagen gleich aus mehreren Gründen den Dieselfahrzeugen überlegen. Elektroloks verfügen über die dreifache Leistung, das heißt: Es ist möglich, mehr Waggons anzuhängen, schneller anzufahren und höhere Geschwindigkeiten zu erreichen.

Umweltfreundlicher ist der Elektroantrieb auch. Umso ärgerlicher, dass noch so viele Dieselloks und -triebwägen im Freistaat unterwegs sind, findet Iffländer. Pro Bahn fordert, das gesamte Hauptstreckennetz und die Nebenstrecken mit regelmäßigem Güterverkehr mit Oberleitungen zu versehen. Damit der Zugverkehr zu 100 Prozent elektrisch fahren kann, stellt sich der Fahrgastverband Akkutriebwägen für die "letzten Kilometer" vor.

Pro Bahn: Bayern soll für Oberleitungen bezahlen

Von der Staatsregierung fordert Pro Bahn, dass sich der Freistaat bei der Elektrifizierung von Regionalstrecken mit eigenem Geld engagieren soll. "Wenn Bayern auf den Bund wartet, dann dauert es noch ein paar Jahrzehnte, bis da überhaupt mal etwas passiert", fürchtet Iffländer.

"Über diesen Punkt streiten sich seit der Bahnreform die Länder und der Bund. Und da muss halt einfach mal irgendjemand anpacken." Lukas Iffländer, Fahrgastverband Pro Bahn

Verkehrsministerin: Bayern tut schon eine Menge

Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer von der CSU findet, die Staatsregierung tue durchaus schon eine Menge, sie sei bei vielen Strecken schon mit einer Kofinanzierung von 30 bis 50 Prozent dabei: "Aber der Bund ist schon erstmal zuständig. Und den wollen wir da an seiner Verantwortung auch messen."

"Denn ich sage Ihnen ganz ehrlich: Wir haben schon genug zu tun mit dem, bei dem wir zuständig sind." Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer von der CSU

Ziel: Keine Dieselzüge mehr ab 2040

Das Ziel sieht die Staatsregierung ähnlich wie Pro Bahn: Bis 2040 sollen keine Dieselloks mehr auf Bayerns Schienen fahren. Neben Elektroloks setzt der Freistaat jedoch auch auf Wasserstoff-Züge. Wenn das wirklich erreicht werden soll, müsste es beim Ausbau im bayerischen Bahnnetz in den nächsten zwanzig Jahren allerdings deutlich schneller gehen als bisher.

Nach der Fertigstellung der Elektrifizierung von 155 Kilometern zwischen München und Lindau wird zunächst wieder eine Durststrecke folgen. In den kommenden drei Jahren bekommt nur ein Gleis neue Oberleitungen: von Pfronten-Steinach zur Landesgrenze nach Österreich, mit einer Streckenlänge von gerade einmal einem Kilometer.

Planungen für 700 Kilometer Strecke laufen

Für die Zukunft macht das bayerische Verkehrsministerium allerdings Hoffnung: Es laufe derzeit "eine Vielzahl von Planungen für Streckenelektrifizierungen, die aktuell eine Streckenlänge von rund 700 Kilometern umfassen." Mit Planungsaufträgen für weitere Elektrifizierungen im deutlich dreistelligen Kilometerbereich sei in den nächsten Monaten zu rechnen.

Bereits geplant wird unter anderem an den Strecken von Hof nach Nürnberg und Regensburg, und an München-Mühldorf. Vor Kurzem erteilt wurde auch der Planungsauftrag für den Ausbau und die Elektrifizierung der Illertalbahn (Neu-Ulm – Memmingen – Kempten).

Vom Beginn der Planung bis zur Fertigstellung vergehen bei Bahnstrecken jedoch regelmäßig viele Jahre. Der Bund hat per Gesetz inzwischen die Möglichkeit zu beschleunigten Genehmigungsverfahren geschaffen – darauf setzt der Fahrgastverband Pro Bahn seine Hoffnung.

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Ab Sonntag wird endlich die Zugstrecke München-Lindau elektrisch befahren: Die schweren Diesellokomotiven, die bisher noch in Lindau umgespannt werden mussten, kommen aufs Abstellgleis. Ein Abschied von der Diesellok.

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