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Eiswein aus Franken ist womöglich bald Geschichte | BR24

© Daniel Karmann / dpa-Bildfunk

Für Eiswein braucht es frostige Temperaturen, und die werden immer seltener. Fränkischer Eiswein wird deshalb zunehmend zur Rarität.

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    Eiswein aus Franken ist womöglich bald Geschichte

    Der Eiswein gilt vielen Winzern und Weinliebhabern als Krönung des Jahrgangs – eine edelsüße Kostbarkeit, gelesen bei frostigen Temperaturen. Der Klimawandel könnte allerdings bald das Ende des fränkischen Eisweins einläuten.

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    • BR24 Redaktion

    Der Klimawandel macht Frankens Winzern seit Jahren Sorgen. Ohne ausgeklügelte Bewässerungssysteme geht es vielerorts nicht mehr. Dem Eiswein können allerdings auch die nicht helfen, denn der braucht frostige Temperaturen. Wegen der zunehmend milden Winter gehen viele Winzer das Risiko mittlerweile gar nicht mehr ein, Trauben für Eiswein hängen zu lassen. Artur Steinmann, der Präsident des Fränkischen Weinbauverbands, sieht sieht deshalb für den fränkischen Eiswein eher schwarz und geht davon aus, dass diese Spezialität noch seltener wird.

    Heuer wieder Eiswein nach Ausfall im Jahr zuvor

    Das letzte gute Jahr für Eiswein in Franken war laut Artur Steinmann 2016. Ende November 2020 war es einigen fränkischen Winzern gelungen, den ersten Eiswein des Winters zu lesen. Im Winter zuvor gab es dagegen trotz Minustemperaturen keinen Eiswein in Franken. Es war schlicht zu warm. Ein solcher Totalausfall ist laut Artur Steinmann nicht selten. Wenn es bis Anfang Januar nicht sehr kalt wird, sind die hängen gelassenen Trauben oft reif für den Kompost.

    Tradition seit dem späten 18. Jahrhundert

    Aufzeichnungen zufolge werden in der Region um Würzburg seit 1794 Eisweine hergestellt. Sie gelten als Krönung eines Weinjahrgangs, weil die aromatischen Inhaltsstoffe der Beeren durch das Gefrieren konzentriert werden. Bei einer Eisweinlese müssen die Trauben durchgefroren sein. Dazu braucht es mindestens minus sieben Grad über einen Zeitraum von mehreren Stunden, ideal ist Dauerfrost an zwei aufeinanderfolgenden Tagen.

    Hoher Zuckergehalt, geringerer Alkoholgehalt

    Das gefrorene Wasser in den Beeren verbleibt in der Weinpresse. Die Hefepilze im Weinfass schaffen es kaum, einen Most mit derart hohem Zuckergehalt zu vergären. Der Wein, der so entsteht, hat daher meist einen sehr hohen natürlichen Restzuckergehalt von weit über 100 Gramm pro Liter, zugleich aber nur einen relativ geringen Alkoholgehalt von etwa sieben Volumenprozent.

    Gelingt der Eiswein, wird er in der Regel in 0,375-Liter-Flaschen abgefüllt. Man trinkt ihn zum Dessert oder als Aperitif. Eine Flasche kann zwischen 50 und 100 Euro kosten. Gerade für renommierte Weingüter ist der teure Eiswein oft ein Aushängeschild.

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