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Eisstockschießen soll olympisch werden

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Eisstockschießen soll olympisch werden

30.000 Eisstockschützen sind in Deutschland in Vereinen organisiert - die meisten von ihnen in Bayern. Schon seit den Spielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen träumen sie von olympischem Edelmetall. Schon bald könnte es so weit sein.

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Von
  • Lui Knoll

Deutschlandweit sind rund 30.000 Eisstockschützen in Vereinen organisiert - die meisten von ihnen in Bayern. Bereits seit den Olympischen Winterspielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen träumen viele von olympischem Edelmetall. In diesem Jahr sollen dafür die Weichen gestellt werden.

Ein Europameister, den keiner kennt

Von der Öffentlichkeit völlig unbemerkt haben am vergangenen Wochenende Europameisterschaften im Eisstockschießen stattgefunden. In der Arena Klobenstein in Oberbozen in Südtirol haben vier Nationen unter strengen Corona-Bedingungen Wettkämpfe bestritten. Der frisch gekürte Europameister in der Disziplin Weitschießen kommt aus Oberbergkirchen im Landkreis Mühldorf und heißt Markus Schätzl. 152 Meter hat er sein knapp vier Kilo schweres Sportgerät geschleudert. In fünf Jahren könnte er um olympische Medaillen kämpfen. Davon träumen viele Eisstockschützen bereits seit 1936. Bei den Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen war die Sportart bereits Demonstrations-Wettbewerb, wie die vor-olympische Testphase heute genannt wird.

Gute Chancen für olympisches Eisstockschießen

Die Chancen stehen gut, sagt Christian Lindner. Der 48-jährige Bauleiter aus Weilheim ist Präsident des Weltverbandes "International Federation Icestocksport“. Beim oberbayerischen EC Peiting spielt er in der 2. Bundesliga. Seit letztem Jahr vertritt er die Interessen von 48 nationalen Verbänden gegenüber dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Im Moment wartet er auf eine Einladung aus Lausanne, dort soll es eine letzte Anhörung geben über die Zulassung des Stocksports als Wintersport-Disziplin. Fast 800 Seiten Papier hat er im letzten November für die Zulassung eingereicht. Christian Lindner glaubt, dass es klappt: "Ich bin fest davon überzeugt, dass es was wird, alle Zeichen stehen auf grün“, sagt der groß gewachsene Funktionär im Gespräch - und "dass wir 2026 in Cortina d’Ampezzo Olympiasieger im Eisstockschießen küren dürfen.“

Wer kennt den EC Grub, SV Oberbergkirchen oder EC Peiting?

In Deutschland sind rund 30.000 Stockschützen in Ligen organisiert – sie spielen in zwölf Klassen von der Bundesliga bis zur Kreisliga, die meisten in Nieder- und Oberbayern. Dabei gibt es viele Ortsnamen, die man nicht mit großem Sport in Verbindung bringt. Etwa der EC Grub aus dem Bayerischen Wald oder der SV Oberbergkirchen aus dem Landkreis Mühldorf. Den EC Peiting kennen die Sportbegeisterten noch aus der Eishockey-Oberliga, aber auch dieser Verein hat aktuell eine Junioren-Weltmeistermannschaft in seinen Reihen. Der Titel wurde bei der WM 2020 im Bundesleistungszentrum der Stockschützen in Regen im Landkreis Deggendorf errungen.

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Der Weltmeisterstock von Christian Lindner

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Michael Lindner vom EC Peiting ist Juniorenweltmeister mit der Mannschaft 2020

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Ulrike Lachenmayer vom EC Peiting ist Vizeweltmeisterin mit der Damen-Mannschaft 2020

Eisstockschützen aus Namibia und Australien

Bei dieser WM im Eisstock-Schießen waren rund 700 Sportlerinnen und Sportler aus 25 Nationen am Start. Bei den Junioren mussten sich die Starter aus Deutschland im Stechen mit einem Team aus Brasilien messen. Auch andere internationale Exoten trifft man auf dem Eis, wie die Teams aus Namibia oder Australien.

Eisstock-Boom in China

Die größte Begeisterung für das Eisstockschießen kommt derzeit aus China. "Sie suchen bereits in Deutschland und Österreich nach passenden Trainern“, sagt Präsident Lindner. "Wenn sie jetzt auch Björndalen als Trainer im Biathlon einkaufen, werden sie mit der gleichen Anstrengung nach Erfahrung in unseren Verbänden suchen“. Er traut den Chinesen zu, dass sie durch diesen Eisstock-Boom bis zu Olympia 2026 ein Team ausbilden, das konkurrenzfähig ist zu den derzeit führenden Nationen Deutschland und Österreich.

Eisstocksport hat nichts mehr von Freizeit auf dem Weiher

Die Szene ist in den letzten Jahren professioneller und auch kommerzieller geworden. In der Bundesliga verdienen die Schützen zwar immer noch ein Taschengeld, aber auch hier werden schon Gehälter im Bereich der Mini-Jobber gezahlt. Mit dem Holzstock aus Opas Regal und Freizeit auf dem Weiher hat der Sport allerdings nichts mehr zu tun. Das Sportgerät besteht aus dem Stockkörper, dem Griff und verschiedenen Laufflächen. 1.000 € kostet das Spitzengerät, das selbe investieren die Sportler für den "Sommer-Stock“. An Accessoires gibt es für den Eisstocksport von speziellen Schuhen bis zum Griffband alles zu kaufen.

Athletik, Beweglichkeit und Koordination sind gefragte Eigenschaften

Um auf Wettkampf-Niveau Stockschießen zu betreiben, gehören Athletik, Beweglichkeit und Koordination zu den Grundfähigkeiten. Bei der Disziplin Weitschießen ist es natürlich auch die Kraft. Auch die Damen bringen es auf ungeahnte Weiten. Der Weltrekord in dieser Disziplin liegt bei über 550 Metern. Neben dem Weiten-Wettbewerb soll der klassische Team-Wettbewerb mit zwei Viererteams olympisch werden. Hier geht es auf der 24,5 m langen Eisfläche darum, den Stock am nächsten zur Daube zu platzieren, einem zehn mal zehn Zentimeter großen Zielwürfel.

Daumen drücken für Olympia

Jetzt heißt es Daumen drücken für die vielen Stock-Sportler in Bayern. Sollte der internationale Verband Erfolg haben, wird die neue Disziplin bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio als Wintersportart verkündet. Noch ist nicht sicher, ob diese im Juli/August 2021 wegen der Corona-Pandemie in Japan stattfinden können. Auf jeden Fall plant der internationale Eisstockverband einen Demonstrations-Wettbewerb bei den nächsten Olympischen Winterspielen 2022 in Peking. Da will Christian Lindner dann als Zuschauer und Funktionär deutsche Athleten anfeuern.

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