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Der andauernde Frost sorgt dafür, dass mittelfränkische Seen nach und nach gefrieren. Das freut viele Menschen, doch die Deutsche-Lebens-Rettungs-Gesellschaft warnt davor Eisflächen zu betreten, die noch nicht dick genug sind.

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Eis in Franken trägt nicht: Lebensretter trainieren Ernstfall

Es passiert in Sekunden: Die Eisdecke hält der Belastung nicht mehr stand und ein Mensch bricht ein. Wegen der Kälte des Wassers muss der Verunglückte innerhalb weniger Minuten gerettet werden. Immer wieder gehen solche Unfälle auch tödlich aus.

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Von
  • Laura Grun

Ein Mensch bricht am Altmühlsee ins Eis ein. Dieses Schreckensszenario trainiert die Wasserwacht Gunzenhausen regelmäßig. Stefan Grawert ist Rettungstaucher und mimt den Eingebrochenen. Ausgerüstet mit einem Trockenanzug und einer Rettungsweste, begibt er sich in das zwei Grad Celsius kalte Wasser. Für ihn heißt es nun warten, bis ihn die Kollegen bergen. Auch wenn das Szenario so realitätsnah wie möglich geprobt wird, könne man es dennoch nicht vergleichen, sagt Grawert. "Wenn jemand wirklich schon ein paar Minuten im Eiswasser liegt und keinen Neoprenanzug oder irgendetwas wärmeisolierendes trägt, dann ist es extrem schwierig". Dann sei es auch egal, ob das Eis dick oder dünn ist. Man werde mit eigener Muskelkraft nur sehr schwer wieder rauskommen.

Rettungsschlitten hilft Wasserwacht Gunzenhausen bei der Bergung

Beim Einsatz dabei: 18 Mitglieder der Wasserwacht Gunzenhausen. Jeder, der sich aufs Eis begibt, wird mehrfach gesichert. Mit Hilfe eines speziellen Rettungsschlittens wird Grawert von seinem Kollegen schließlich geborgen. Die größte Schwierigkeit dabei sei, nicht selbst mit einzubrechen, sagt Christoph Haller. Er ist technischer Leiter der Wasserwacht Gunzenhausen und leitet die Übung vor Ort. Der Schlitten habe zwar eine ordentliche Auftriebskraft und könne 270 Kilogramm tragen – sobald er aber auch ins Wasser eingebrochen ist, bekommen ihn die Retter nur schwer wieder heraus. Mehrere tausend Euro kostet das Profi-Equipment der Wasserwacht, das bei der Fremdrettung im Einsatz ist.

Vorsicht: Eis auf Seen und Flüssen nicht gleichmäßig dick

In diesem Jahr mussten sowohl Wasserwacht als auch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mehrfach in Franken ausrücken. Erst am Sonntag (14.02.21) musste am Wöhrder See in Nürnberg ein Mann aus dem Eis gerettet werden. Ein paar Tage vorher brach in Erlangen ein Mädchen ein, ein Bub wurde zum Lebensretter. Zwar sei das Eis am Altmühlsee schon 13 Zentimeter dick, doch das ist nicht überall so, warnt Felix Baumann, Vorsitzender der DLRG Weißenburg.

"Das Eis ist nicht an jeder Stelle gleich tragfest. Bereiche in denen dunkle Flächen unter dem Eis sind, Bereiche in denen Bläschen im Eis zu sehen sind und Bereiche, unter denen sich das Wasser bewegt, an diesen Stellen ist das Eis auch dünner und die Gefahr des Einbrechens umso größer." Felix Baumann, Vorsitzender DLRG Weißenburg

Altmühlsee: Betreten verboten

Nur wenige Meter neben der Übungsszenerie: Schlittschuhläufer und Spaziergänger – und das trotz Betretungsverbot. Offiziell freigegeben ist der Altmühlsee nicht. Grundsätzlich sollte die Eisschicht über stehenden Gewässern mindestens 15 Zentimeter, über Fließgewässern mindestens 20 Zentimeter dick sein, bevor die Fläche betreten werden kann. Eine offizielle Freigabe für das Gewässer sei aber dennoch unabdingbar.

Wenn die Temperaturen steigen, wird es gefährlich

Sobald die Temperaturen steigen, werde es gefährlich, mahnt Baumann. Die Eisdecke auf dem Wasser bleibe noch eine ganze Zeit bestehen, werde aber dünner. Da bringe man sich unnötig in Gefahr, wenn man auf den See gehe.

Tipps von Wasserwacht und DLRG: So retten sich Eingebrochene selbst

Es verbleibt nicht viel Zeit, um sich selbst aus dem frostigen Wasser zu retten. Binnen weniger Minuten sind Menschen unterkühlt. Das eiskalte Wasser verursacht starke Schmerzen, und die Kräfte für eine Selbstrettung schwinden schnell. Wichtig sei es, Ruhe zu bewahren und Panik zu vermeiden, rät die DLRG. Entscheidend sei, auf sich aufmerksam zu machen: Laut um Hilfe rufen, damit Passanten die Situation bemerken und die Notrufnummer 112 wählen. Der Eingebrochene sollte versuchen, die Arme über die Oberfläche der Eisfläche auszubreiten, sich langsam flach auf die Eisfläche zu schieben und kriechend zu versuchen, das Ufer zu erreichen. Heftiges Strampeln führe zu Wärmeverlust.

So können Ersthelfer ins Eis eingebrochene Menschen unterstützen

Ersthelfern rät die DLRG, sofort laut um Hilfe zu rufen, damit andere unterstützen, und die 112 zu wählen. Alle weiteren Personen sollten die Helfer vom Eis winken, sie sollen sich von der Einbruchstelle im Liegen wegbewegen. Wenn möglich, sollte der Helfer die Eisfläche nicht betreten, sondern dem Eingebrochenen vom Ufer aus Rettungsmittel wie einen Ast, eine Leiter oder einen Schal zu reichen. Erst, wenn es dem Verunglückten nicht gelingt, sich an Land zu ziehen, sollte der Retter ihm auf dem Eis zu Hilfe kommen. Allerdings stellt das brüchige Eis auch für den Helfer eine Gefahr dar. Deshalb sei es sinnvoll, sich flach auf ein Brett oder ähnliches zu legen, damit sich das Gewicht gleichmäßig auf dem Eis verteilt.

Aus Sicht von Wasserwacht und DLRG ist der beste Schutz aber, sich gar nicht erst in eine solche Situation zu bringen und das Eis vom Ufer aus zu genießen.

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