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Marco Weiss und seine Mitstreiter.
© BR / Andreas Herz
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Marco Weiss und seine Mitstreiter.

Marco Weiss führt durch ein neues Einfamilienhaus. Er trägt Anzug, Fünftage-Bart, das dichte braune Haar ist zu einem Dutt zusammengebunden. Mit 35 hat er schon eine eigene Software-Firma. Was er als Kind nicht hatte, war ein Zuhause. Seinen Vater kennt er nicht, die Mutter ist bis heute suchtkrank. Er wurde in Kinderheimen groß.

Heimkinder, die Heimkindern helfen

Nach den Worten von Weiss merken Kinder schnell, ob Betreuer wirklich an ihnen interessiert sind oder nur ans Schichtende denken. Zusammen mit anderen ehemaligen Heimkindern hat Marco Weiss einen Verein gegründet, um selbst Heimkinder aufzunehmen: Heimkinder, die Heimkindern helfen.

In den Einrichtungen großer Träger stehe immer das Gleiche, so Weiss: der gleiche Stuhl, der gleiche Schreibtisch, der gleiche Schrank, das gleiche Bett. „Das schaut aus wie im Knast.“ Die Zimmer in Lagerlechfeld dagegen sollen individuell eingerichtet werden. Die Betreuung übernehmen drei Sozialpädagoginnen. In ein paar Wochen werden sie sich um acht Buben kümmern.

Eine "Frühschicht" gibt es nicht

Entscheidend ist aus Sicht von Marco Weiss die Sprache: "Bei uns gibt es keine Frühschicht. Das gibt es bei der Schichtarbeit, aber nicht hier." Es seien die Kleinigkeiten, die den Unterschied machten - ob sich ein Kind wirklich angenommen, wirklich zuhause fühle. "Wenn wir zum Beispiel vor den Kindern von Überstunden sprechen, dann fragt sich doch das Kind: 'Warum Überstunden? Ich lebe doch immer hier.'"

Ein Zuhause für Jahrzehnte

In ein paar Wochen sollen die ersten Kinder einziehen. Das Ziel von Weiss: Das Einfamilienhaus soll auch dann noch in den Händen des Vereins sein, wenn die Buben einmal so alt sind wie er jetzt. Damit sie an Weihnachten nach Hause fahren können - so wie jeder andere auch.

Autoren

Mario KubinaAndreas Herz

Sendung

Mittags in Schwaben vom 01.02.2019 - 12:20 Uhr