Bildrechte: Artwork by Megan Jacobs

Flugsaurier

  • Artikel mit Audio-Inhalten

Einzigartiger Fund: Neue Flugsaurierart bei Bamberg entdeckt

In einem Steinbruch in Wattendorf bei Bamberg haben Wissenschaftler 2011 das gut erhaltene Skelett einer unbekannten Flugsaurierart gefunden. Nun ist die Untersuchung des Pterosauriers abgeschlossen. Das Ergebnis: Der Fund ist eine Sensation.

Wie ein Puzzle hätten die Mitglieder des deutsch-englischen Forscherteams die Knochen des Flugsauriers zusammengesetzt, berichtet der Leiter des Bamberger Naturkundemuseums, Oliver Wings. Es hat lange Beine, einen löffelförmigen Schnabel und mehr als 400 teils hakenförmige Zähne. Vor allem diese Zähne machen den Pterosaurier zu einem einzigartigen Fund. Und sie gaben ihm seinen wissenschaftlichen Namen: Balaenognathus maeuseri. Das bedeute übersetzt Walkiefer, erläutert Oliver Wings.

400 Zähne als Wasserfilter

Der Name spiele darauf an, dass der Saurier seine Nahrung vermutlich aus dem Wasser filterte. Das Forscherteam unter Federführung der Universität Portsmouth findet vor allem die Form der Zähne einzigartig und sensationell: "Einige Zähne haben einen Haken am Ende, was so zuvor noch nie bei einem Pterosaurier gesehen wurde", wird Hauptautor David Martill in einer Mitteilung zitiert. Die Haken habe das Tier vermutlich benutzt, um winzige Krabben zu fangen.

Ähnlichkeit mit Bartenwal

Der Pterosaurier lebte demnach vor rund 154 Millionen Jahren in der damaligen flachen Lagunenlandschaft in Süddeutschland. Die Zähne lassen den Fachleuten zufolge auf eine für Flugsaurier außergewöhnliche Ernährungsweise schließen: Balaenognathus maeuseri nutzte offenbar seinen löffelförmigen Schnabel, um Wasser einzusaugen. Durch die Zähne presste er dann überschüssige Flüssigkeit wieder hinaus, wobei Garnelen und Ruderfußkrebse in seinem Maul hängen blieben. Ganz ähnlich geht ein Bartenwal bei der Jagd vor.

Zufallsfund im Landkreis Bamberg

Das gut erhaltene Skelett haben die Forscher im Herbst 2011 zufällig entdeckt, als sie in dem Steinbruch bei Wattendorf im Landkreis Bamberg einen großen Kalksteinblock bargen, der Krokodilknochen enthielt. "Der Flugsaurier muss fast unmittelbar nach seinem Tod im Sediment begraben worden sein", vermutet Martill, denn alle Gelenke einschließlich der Bänder seien noch im Zusammenhang gewesen.

Funde auch im Altmühltal

Der Flugsaurier gehört zu einer Familie von Flugsauriern namens Ctenochasmatidae, die bereits aus den Plattenkalken des Altmühltals um Solnhofen und Eichstätt bekannt sind. Seit der Beschreibung des ersten Flugsauriers aus diesem Gebiet im 18. Jahrhundert wurden Überreste von hunderten dieser fliegenden Reptilien entdeckt, was Bayern zu einem der reichsten Pterosaurierfundgebiete der Welt macht.

Namensgeber ist verstorbener Museumsleiter

Seinen Artnamen maeuseri erhielt der neue Pterosaurier zu Ehren des ehemaligen Leiters des Naturkundemuseums Bamberg, Matthias Mäuser. Dieser ist auch Mitautor der Studie, starb aber während der Arbeit an der Veröffentlichung im August 2021. Das Naturkundemuseum unternimmt in dem Steinbruch bei Wattendorf seit 2004 wissenschaftliche Grabungen. Im Jahr 2000 wurden dort bereits Fossilien aus der oberen Jurazeit entdeckt. Viele Funde sind im Naturkundemuseum ausgestellt, darunter der nach Angaben von Museumsleiter Wings weltweit größte Quastenflosser der oberen Jurazeit.

Bildrechte: Naturkundemuseum Bamberg

Wie ein Puzzle hätten die Forscher die Knochen des Flugsauriers zusammengesetzt, so der Leiter des Bamberger Naturkundemuseums, Oliver Wings.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!