BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Einzelhandel fürchtet zweite Corona-Welle | BR24

© pa/dpa/Michael Weber

Einzelhandel fürchtet zweite Corona-Welle

57
Per Mail sharen

    Einzelhandel fürchtet zweite Corona-Welle

    Ausgedehnte Shoppingtouren lassen viele Kunden wegen der Corona-Pandemie derzeit lieber bleiben. Das trifft im Einzelhandel vor allem die Bekleidungsgeschäfte. Mit steigenden Neuinfektionen wächst auch die Sorge der Händler vor einer zweiten Welle.

    57
    Per Mail sharen

    Noch immer hängt auch Frühjahrsmode in den Regalen im Modehaus "Mode Neu" in Moosburg an der Isar. Der Lockdown hat Spuren hinterlassen. Selbst jetzt verzeichnet Inhaber Martin Neu noch Umsatzeinbußen. Allerdings will er zur Zeit auch nicht jammern, sagt er. Denn vor allem seine Stammkunden seien ihm treu geblieben und ihr Zuspruch habe eher noch zugenommen.

    "Manche standen direkt nach Wiedereröffnung in unserem Laden und haben gesagt, sie wollen uns unterstützen. Das freut uns sehr", sagt er. Dennoch kam deutlich weniger Laufkundschaft, erst jetzt werden es langsam wieder mehr Kunden.

    Wegen Corona: Bis zu 50.000 Läden müssen schließen

    Große Teile des Einzelhandels sind laut dem Handelsverband Deutschland (HDE) hart getroffen. Nach Schätzungen des Verbands könnten aufgrund der Coronakrise deutschlandweit 50.000 Geschäfte schließen.

    Insbesondere Bekleidungsgeschäfte haben während der Ausgangssperre starke Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Selbst jetzt ist die Textilbranche, im Gegensatz zu anderen Bereichen, die nicht mit Lebensmitteln handeln, noch nicht wieder auf dem Vorkrisenniveau.

    Weniger Shoppingausflüge - mehr gezielte Bedarfseinkäufe

    Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern glaubt, den Grund dafür zu kennen. "Einkaufen mit Maske macht weniger Spaß", sagt er. Natürlich sei das Tragen einer Maske das einzige Mittel gegen das Virus, das stehe außer Frage. Aber ausgedehnte Shoppingtouren seien weniger geworden.

    Das zeigen auch Zahlen vom Handelsverband Deutschland (HDE). Laut dem im Juli veröffentlichten "Konsummonitor Corona" hat sich das Einkaufsverhalten der Kunden im Einzelhandel deutlich verändert. Die gezielten Einkäufe im Nicht-Lebensmittel-Handel haben deutlich zugelegt, allgemeine Shoppingausflüge hingegen um zwölf Prozent abgenommen.

    Auch Modehändler Martin Neu aus Moosburg kann das bestätigen. "Das Kruschen und Stöbern ist mit Sicherheit weniger geworden und durch die Maske sind viele Kunden nicht mehr so lange im Geschäft wie früher", sagt er. Sein Laden lebe von Emotionen, von netten Verkaufsgesprächen. Ältere Kundinnen zögerten oft noch, wieder vorbeizukommen. Nicht unbedingt, weil sie sich vor einer Ansteckung fürchteten, sondern weil sie zu weniger Veranstaltungen gingen. "Die sagen sich: Warum brauch ich da eine neue Bluse, wenn ich die gar nicht ausführen kann?", erklärt Martin Neu.

    Hohe Zahl an Neuinfizierten besorgt Handelsverband

    Dem Handelsverband bereiten nun die wieder steigenden Neuinfektionen Sorgen. Viele Betriebe kämpften jetzt schon ums Überleben. "Wenn wirklich eine zweite Infektionswelle nach Deutschland kommt, wäre das eine Katastrophe", sagt Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern.

    Auch Bekleidungshändler Martin Neu will sich eine zweite Welle mit Lockdown lieber nicht ausmalen: "Das wäre wahrscheinlich existenzbedrohend bis zu dem Punkt, wo man dann vielleicht sogar aufhören muss." Die Herbstmode wurde ihm schon in den Laden geliefert. Auch noch auf dieser Kollektion sitzen zu bleiben, könnte er sich nicht leisten.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!