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Einzelhändler in Schwaben sorgen sich ums Weihnachtsgeschäft | BR24

© BR/Susanne Kredo

Fünf Wochen noch bis Weihnachten. In den Innenstädten ist die Vorfreude normalerweise schon zu spüren. Wegen Corona ist das in diesem Jahr anders: In Schwaben verzeichnen die Händler schon jetzt große Verluste – und bangen ums Weihnachtsgeschäft.

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Einzelhändler in Schwaben sorgen sich ums Weihnachtsgeschäft

Fünf Wochen noch bis Weihnachten. In den Innenstädten ist die Vorfreude normalerweise schon zu spüren. Wegen Corona ist das in diesem Jahr anders: In Schwaben verzeichnen die Händler schon jetzt große Verluste – und bangen ums Weihnachtsgeschäft.

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Die 25.000 Einzelhändler in Schwaben machen sich Sorgen ums Weihnachtsgeschäft. Schon jetzt lägen die Umsätze bis zu 70 Prozent unter dem Vorjahresniveau, heißt es vom Handelsverband Bayern im Bezirk Schwaben. Bezirksgeschäftsführer Andreas Gärtner sagte im Gespräch mit dem BR, es herrsche eine "wahnsinnig große" Unsicherheit.

Umsatzverluste in den schwäbischen Städten

Die größten Einbußen verzeichnen laut Gärtner die Geschäftsleute in den größeren Städten – also in Augsburg, Kempten oder Memmingen. Aber auch außerhalb lägen die Verluste bei bis zu 50 Prozent. Obwohl alle Läden offen seien, trauten sich die Kunden nicht zum Shoppen und verzichteten auf den üblichen vorweihnachtlichen Einkaufsbummel.

Niedrige Infektionszahlen im Einzelhandel

Neben der Angst um die eigene Gesundheit hätten viele ein schlechtes Gewissen, vermutet Schwabens Handelsverbandspräsident Gärtner mit Blick auf die Aufrufe der Politik, auf Kontakte zu verzichten. Er setzt auf die funktionierenden Hygienekonzepte: "Die Infektionszahlen im Handel sind verschwindend gering, die Betriebe haben Infektionen schnell im Griff."

Tourismus-Regionen betroffen

Dramatisch ist die Situation laut Handelsverband auch in den touristischen Regionen im Allgäu. Der November ist Gärtner zufolge zum Beispiel in Füssen, Oberstdorf oder Oberstaufen ohnehin ein schwacher Monat. Hier schlage jetzt aber zusätzlich die Schließung der Gastronomie und Hotellerie durch.

"Wenn der Tourist nicht da ist, kann er auch nicht einkaufen." Schwabens Handelsverbandspräsident Andreas Gärtner

Viele Läden in den Tourismusregionen haben laut Handelsverband bereits geschlossen. Manche Einzelhändler versuchen die Krise mit neuen Konzepten zu bewältigen – sie setzen zum Beispiel auf den Verkauf im Internet. Gärtner sagte, es helfe, dass große Plattformen wie Zalando auf ihre Verkaufsprovision verzichteten. Allerdings mache das gerade mal bis zu fünf Prozent des verloren gegangenen Umsatzes wett.

Weihnachtseinkäufe im Internet

Die IHK Schwaben ermutigt ihre Mitglieder, proaktiv auf die Kunden zuzugehen. IHK-Handelsreferentin Franziska Behrenz rät zur Online-Präsenz in den sozialen Medien und zu ansprechenden Webseiten. Dazu würden Angebote wie Abholung und Lieferung immer wichtiger, um die Kontaktzeit für besorgte Kunden im Laden zu minimieren, so Behrenz. Sie betont aber, dass diese Maßnahmen die Verluste nicht mehr einfangen könnten. Die Händler müssten weiter Miete und Personal bezahlen; viele stellten grade vor Weihnachten zusätzliche Kräfte ein.

Überlastung der Paketzusteller?

Ein weiteres Problem ist laut dem Handelskammer-Bezirkspräsident Gärtner, dass Online-Bestellungen möglicherweise bis zum Fest gar nicht mehr geliefert werden könnten. Normalerweise verdopple sich das Volumen bei den Paketzustellungen im Dezember. Die Dienste seien heuer aber bereits im September ausgelastet gewesen. "Ab dem zehnten Dezember bricht die Logistik zusammen", mutmaßt Gärtner. Auch Angebote wie verlängerte Öffnungszeiten oder Einkaufen mit Termin außerhalb der üblichen Öffnungszeiten mit nur einem Kunden helfen in seinen Augen wenig. "Als stationärer Händler kann man Einbußen von 70 Prozent nie mehr ausgleichen", so sein Fazit.

Vorweihnachtlicher Wunsch an die Politik

Sowohl bei der IHK als auch bei der Handelskammer wünscht man sich mehr Unterstützung von der Politik. Für die Gastronomie habe man außerordentliche Wirtschaftshilfen beschlossen, aber auch viele Einzelhändler bräuchten Unterstützung bei der Liquidität. Letztlich gehe es vor allem darum, bei den Kunden Vertrauen zu schaffen. "Man muss einen Weg finden, den Besuchern ein sicheres Einkaufen zu ermöglichen – immer in Abhängigkeit von der Pandemielage", heißt es von der IHK.

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