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Einsturzgefahr durch Baustelle? Anwohner fürchten um ihre Häuser | BR24

© Hubertus Gruber

Ein eingestürztes Auto am Sallerner Berg im Jahr 1994.

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Einsturzgefahr durch Baustelle? Anwohner fürchten um ihre Häuser

Die Anwohner am Sallerner Berg in Regensburg sind sauer auf die Stadt. Die Straße vor den Häusern könnte zu einer Baustellenzufahrt werden. Allerdings ist der Untergrund hier weich und sandig - vor 30 Jahren kam es sogar zu Erdlöchern.

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Hubertus Gruber steht am Sallerner Berg im Norden von Regensburg an der Stelle, wo es vor fast 30 Jahren passiert ist. Es ist 1994. Gruber und seine Frau nutzen den warmen, sonnigen Tag für einen Spaziergang. Sie kommen an einem Auto vorbei, einem Mercedes, der ganz normal am Straßenrand parkt.

Auto verschwindet metertief im Erdloch

"Da war auch an der Straße noch gar nichts zu erkennen. Nach einer Stunde sind wir wieder zurückgekommen und dann war dieser Mercedes zu 90 Prozent komplett in einem Erdloch verschwunden und hat natürlich seinerzeit erhebliches Aufsehen erweckt", erzählt Gruber. Seine Bilder von damals zeigen, wie die Feuerwehr das Auto mit einem Kran wieder aus dem plötzlich entstandenen, metertiefen Loch ziehen muss.

Risse in Hausmauer sind noch zu sehen

Immer wieder kommt es damals zu spontanen Löchern in den Straßen. Mal kleiner, mal größer, mal sind ganze Häuser betroffen. So wie das Elternhaus von Sibylle Söllner. Im Keller des Hauses gibt plötzlich der Boden nach, das Haus sinkt ab. Noch heute sind Risse in der Außenmauer zu sehen. "Wir haben die ganzen Risse am Haus gelassen. Mein Mann und ich haben uns nicht getraut, da was zu beheben, weil wir ja nicht wissen, was da unten stattfindet", sagt Sibylle Söllner.

Untergrund macht Probleme

Der Grund für die immer wieder auftretenden Schäden ist der Untergrund. Der Sallerner Berg ist sandig, weich, stellenweise löchrig. Die Stadt reagierte deshalb damals. Auf den Straßen gilt seitdem Tempo 30 und ein Gewichtslimit von höchstens fünf Tonnen für alle Fahrzeuge, außer Linienbusse. Seitdem hielten sich die Schäden in Grenzen, sagen die Anwohner.

Gewichtslimit wegen Schulbau aufgehoben?

Doch damit könnte es bald vorbei sein, befürchten die Anwohner. In ihrer Nachbarschaft wird in den nächsten Jahren an einer Schule gebaut. Für den Neubau wird eine Baustellenzufahrt benötigt. Die Stadt prüft deshalb, ob das Gewichtslimit deshalb wieder aufgehoben werden kann. Eine Belastungsfahrt mit Erschütterungsmessungen in einigen Häusern hat schon stattgefunden. Probebohrungen sollen folgen.

"Berg hält Belastung nicht aus"

Für die Anwohner ein Skandal. Sie fürchten um die Straße und ihre Häuser. "Das geht einfach nicht. Das ist eine Belastung, die der Berg überhaupt nicht aushält", sagt Anwohnerin Hannelore Vogl. Die Nachbarschaft ist deshalb bei der Stadt vorstellig geworden. Der stellvertretende Baureferent Anton Sedlmeier verspricht zumindest, dass das Tiefbauamt ganz genau prüfen wird, ob eine Gefahr durch Baustellen- und Lieferfahrzeuge auch wirklich hundertprozentig ausgeschlossen werden kann. "Falls sich herausstellen sollte, dass die jetzt geprüfte Zufahrt nicht realisierbar ist, dann bereiten wir derzeit bereits eine Alternative vor", sagt Sedlmeier.

Behelfszufahrt führt durch Biotop

Falls die Nachbarschaft am Ende vom Baustellenverkehr verschont bleibt, könnte sich aber schon das nächste Problem ergeben. Die Alternativroute, auf der die Behelfszufahrt für die Schulbaustelle errichtet werden könnte, führt durch ein Biotop. Die nächsten Proteste am Sallerner Berg könnten also nicht lange auf sich warten lassen.

© Hubertus Gruber

Bilder aus dem Jahr 1994 zeigen, wie das eingesunkene Auto damals per Kran geborgen werden musste.

© Hubertus Gruber

Immer wieder kam es damals zu spontanen Löchern. Mal kleiner, mal größer, mal sind nicht nur Autos, sondern ganze Häuser betroffen.

© BR/Andreas Wenleder

Anwohnerinnen Ingrid Neumann und Hannelore Vogl (v.l.) zeigen einen Zeitungsbericht über die Erdlöcher aus dem Jahr 1994.

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